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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-12-22 · Heft 52 (22.12.1863) · p. Seite 802

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 52 (22.12.1863)
Date
1863-12-22
Page
Seite 802 (sequence 4)
Language
German
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802 Zerstreute Bemerkungen. Am Schluffe des in No. 48 abgedruckten Aufsatzes unseres Hamburger Correspondenteu über das „Leben Jesu von Renan" bemerkt derselbe, daß nach den Zeitungen eiu Jude C.gegen Renan zu schreiben beschäftigt sei. Dies hat sich nun aufgeklärt. Es ist der bekannte Apostat Cassel, welcher seinen Namen Selig so emphatisch in Paulus verwandelt hat, ohne fteilich seinem bedeutenden Vorgänger bis jetzt in etwas nahe gekommen zu sein. In der That mochte wohl jetzt niemand mehr mit Ehren gegen Renan schreiben können, nachdem die ftavzösische Kaiserin ihren Gemahl veranlaßt hat, eine Verurtheilungssentenz gegen Renan vom Throne herab zu erlaffen und eiu getaufter Jude ihm secundirt. Hinsichtlich der fünfzigjährigen Feier der Schlacht bei Leipzig haben wir noch zweier Druckschriften zu erwähnen. Zuerst der jetzt erschienenen, in der leipziger Synagoge von Dr. Goldschmidt gehaltenen Predigt: „Die Jubelfeier des geretteten Vaterlandes", die sich ebenso sehr durch Warme des Gefühls wie durch Schwung der Gedanken auszeichnet. Text ist Jes. 52, 9. 10., und würdigt der Redner ebenso sehr die Situation des Vaterlandes wie das Verhältniß der Juden zu ihm. Er zeigt, daß Einheit, Freiheit und Gottergebenheit die Motive des Sieges waren und darum auch die Zielpunkte unseres Strebens bleiben müssen. — Auf ein ganz anderes Gebiet versetzt uns eine soeben in Hamburg erschienene Monographie: „Die Belagerung Hamburgs 1813—1814 in ihren Beziehungen zu den Israeliten. Nach Aufzeichnungen aus jener Zeit dargestellt und zur Vertheilung an Freunde, die Interesse für den Gegenstand haben, herausgegeben von M. M. H., überlebendem Secretär der damals in Altona zusammengetretenen Commission zur Unterstützung der vertriebenen Hamburger Israeliten." Der Inhalt ist folgender: Mit dem Jahre 1811, wo Hamburg dem ftanzösischen Kaiserreiche einverleibt wurde, war die volle Rechtsgleichheit aller Religionsverbäude von selbst gegeben und die vapoleonischen Gesetze über jüdische Gemeindeverfassung traten in Kraft. Doch kam es zur Jnstallirung eines Consistoriums noch nicht. Die Gemeinde zahlte damals 6299 Seelen, war ungefähr halb so* zahlreich wie gegenwärtig. Der Eifer der Juden für Vertreibung der Franzosen und Wiederherstellung der alten Zustände blieb hinter keinem Theile der Bevölkerung zurück. Sie stellten zahlreiche Freiwillige für den Kriegsdienst und boten auch in der Bürgergarde (auf der Veddel rc.) den feindlichen Kugeln Trotz; ja, sie baten während der Tettenborn'schen 100 Tage den Senat in einer Supplik gewissermaßen um Entschuldigung wegen zeitweilig genossener Gleichberechtigung und um einige Berücksichtigung für die Zukunft, ohne weder auf die damaligen Leistungen noch auf die ftanzösische Leidenszeit irgend Ansprüche zu begründen. Die Franzosen kamen wieder, die Kriegsereignisse nahmen alle Aufmerksamkeit in Anspruch, und obgleich die Juden in bürgerlicher Beziehung gewannen, war ihr Herz, zu großer Verwunderung der Franzosen, doch bei den Deutschen; in Bezug auf ihre eigenen politischen Rechte sahen sie der Zukunft getrost entgegen. Sie wurden fteilich hierin getäuscht; aber theilten sie dies Schicksal nicht mit dem ganzen deutschen Volke? Die Belagerung Hamburgs begann und die Bewohner hatten alle Schrecken derselben auszustehen, selbst wahrend das übrige Deutschland schon von den Feinden geräumt war. Sie hatten den Feind in den Mauern und die Freunde draußen. Ein großer Theil der steuerfähigen Juden hatte die Stadt verlassen, so daß die Noch für die Beamten und Armen groß wurde. Die in der Bank liegenden Sparsummen der Gemeinde wurden mit dieser von den Franzosen mit Beschlag belegt (10,000 Mbco.). Im December begannen die Austreibungen derer, die sich nicht bis zum 1. Juli verproviantiren könnten, und trotz den französischen Gesetzen wurden die Administratoren der Gemeinde gezwungen, selbst in Begleitung von Gensdarmen den Proviant bei den Juden zu untersuchen. Auch wurden wiederholt Contributionen und Anlehen der Gemeinde auferlegt, durch die Energie des sel. Breffelau aber abgelehnt. Mit welcher Noch hatte mau zu kämpfen, nm die Leichen zu bestatten und Mazzoth zu beschaffen! Am 15. Mai hatte die Belagerung ein Ende. Die meisten Ausgetriebenen waren in Altona während dieser Zeit und da waren allein 203 von ihnen gestorben — der Typhus wüthete damals überall. Ungefähr 7OO Seelen kehrten nicht wieder zurück. Schon am 13. Juni wurde den Juden der Bürgereid nicht mehr abgenommen und am 14. Juli sollten die Juden auf den Straßen keine Maaren mehr feilbieten. Das geschah mitten unter allen Dankfesten, Illuminationen und Kirchenfeiern wegen der hergestellten Freiheit, ja nachdem so-

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