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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-12-15 · Heft 51 (15.12.1863) · p. Seite 794

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 51 (15.12.1863)
Date
1863-12-15
Page
Seite 794 (sequence 12)
Language
German
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794 Unser Schulwesen im Magyarenland scheint hie und da einen Aufschwung zu nehmen, und zeigt das vor uns liegende, in magyarischer Sprache erschienene Programm der raaber Cultus-Gemeinde, welche Opfer eine Gemeinde zu bringen im Stande ist, wenn nur Einigkeit vorhanden und Männer an der Spitze stehen, die Sinn für Schule haben. Das Programm enthält zwei pädagogische Abhandlungen von dem Verfasser der Ifjusäg iratok (Jugendschriften), N. Fischer, dermaligem Musterhauptlehrer in S. d. Ujhely, die sowohl von einem tüchtigen pädagogischen Wissen als sonstiger Belesenheit dieses Schulmannes Zeugniß geben. — Die ujhelyer Musterschule erhielt von der Akademie der Wissenschaften je ein Exemplar von den von ihr herauszegebenen Schriften. Um das Schulwesen wieder zu heben, wurde durch einen Erlaß der hohen Regierung die Winkelschulen des Landes zu sperren angeordnet, wenn auch bei uns bis heute die CHed orem zahlreicher als je von unseren Halbchassidim und Dunkelmännern stequentirt werden. Dom Landesschulfonds wurden einige neue Posten sowohl in Temesvar als Fünfkirchen sistirt und wurden seitens der hohen Regierung die vacant gewordenen Posten an der Tochterschule in Ujhely den Lehrerinnen Fräulein Marie Sabbat und Frau Ottilie Rosenmeyer verliehen. Oberlehrer I. I. Rosenmeyer. Großbrittannien. Frankfurt a/O., 29. November. (Privatmitth.) Ich erlaube mir, Ihre Aufmerksamkeit auf den folgenden Artikel einer englischen Zeitung vom 25. c. zu richten. Dieselbe schreibt: „Bor einigen Tagen fanden die Communalwahlen in Liverpool statt. Der Maire von Liverpool ist der Wichtigkeit der Stellung nach der zweite im Königreich. Seine Gemeinde umfaßt eine halbe Million Einwohner, und dieser Maire ist ein Jude. Die Wahl, welche in der Geschichte von Liverpool ohne gleichen ist, hat natürlich in einer Stadt, die von zahlreichen Tories bewohnt wird, welche fest an der Staatskirche halten, keine geringe Bewegung hervorgerufen. Der neue Maire ist persönlich ein Mann von Verdienst. Er ist Banquicr und besitzt ein bedeutendes Vermögen. Wenige Tage vor seiner Wahl gingen ihm noch 47,000 L in einem Wechsel auf Sicht zu, mit denen einer seiner Debitoren eine alte Schuld tilgte. — Liverpool ist übrigens nicht die einzige Stadt in England, in der ein Jude zu den höchsten Municipalstellen gelangen kann. Die Stadt Bristol hat ebenfalls einen Juden zum Maire gewählt, und in Southampton ist der Sherif ein Jude. — Noch bezeichnender — fährt das Blatt fort — für die sich in England Bahn brechende Toleranz ist die Wahl, welche die Bewohner von Folkestone getroffen haben. Dieselben haben einen Gastwirth zum Maire gewählt, der gcborner Franzose und Katholik ist. Es ist das für England ein sehr bedeutender Fortschritt." Th. Marcus. <t cf> t1 a g* Stuttgart, 2. December. Nach Erledigung der Präsidentenwahl schritt die Kammer der Abgeordneten in ihrer heutigen Sitzung zur Berathung des Berichts der staatsrechtlichen Commisston über den Entwurf eines Gesetzes, betreffend die bürgerlichen Verhältnisse der israelitischen Glaubensgenossen. Art. 1 des Gesetzes lautet: Die im Königreiche einheimischen Israeliten sind in allen bürgerlichen Verhältnissen den gleichen Gesetzen unterworfen, welche für die übrigen Staatsangehörigen maßgebend sind; sie genießen die gleichen Rechte und haben die gleichen Pflichten und Leistungen zu erfüllen. Stuttgart, 3. December. Die zweite Kammer hat heute die bürgerliche Gleichstellung der Juden mit 82 gegen eine Stimme (Wächter) angenommen. Größerer Meinungszwiespalt entspann sich über den Artikel, welcher die Ehe zwischen Christen und Juden zuläßt. Aber auch diese Bestimmung ward schließlich von der Kammer mit 49 gegen 34 Stimmen angenommen. Während gegen denselben die Prälaten, der Domcapitular, Wächter, Hirlinger:c. auftraten, nahmen ihn nicht nur die liberalen und radicalen Abgeordneten, sondern auch der streng katholische Lichtenstein, v. Schad, Mittnacht und die Professoren Schaffte und Geßler in Schutz. Das ganze Gesetz, durch welches auch der Judeneid in Wegfall kommt, wurde mit 64 gegen 15 Stimmen angenom-

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