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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-12-15 · Heft 51 (15.12.1863) · p. Seite 793

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 51 (15.12.1863)
Date
1863-12-15
Page
Seite 793 (sequence 11)
Language
German
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793 habene Uneigennützigkeit überheben ihn eines Zeitungslobes, wie es nun ganz und gäbe ist. — Philalethes. Aus dem Tokayergebirge, 20. November. (Privatmitth.) Die Herbstferien wurden auch von uns in diesem Jahre zu Ausflügen in die Nachbarschaft benutzt, und wenn wir auch vorzugsweise auf der benachbarten Hochschule Säros-Pattak verweilten, so war doch des Interessanten so Mannigfaltiges, daß ein Registriren der von uns gemachten Beobachtungen in diesen Blättern uns geeignet erscheint. Die jüdische Gemeinde in S.-Pattak, die nahe an 200 Familien zählt, hat sich trotz des berühmten protestantischen Collegiums nicht von ihrem stabilen Standpunkte entfernt, und wenn in frühern Jahren die Israeliten häufig in diese Anstalt ihre Kinder schickten, so unterblieb dies in den letzten Jahren aus Furcht, von den benachbarten Heiligen in den Bann gethan zu werden. Ein längeres Verweilen in der Bibliothek des Collegiums überzeugte uns, welche Sorgfalt der ausländischen Literatur im Magyarenland zugewendet wird. Insbesondere hatten wir die Freude, neben den Werken eines de Wette, Ranke, Herder das Bibelwerk des Dr. Philippson stehen zu sehen, und wie unparteiisch sich die magyarische Literatur über dieses Werk ausspricht, beweist eine soeben in den Jaros-Datalii-luzcwk erschienene Recension, aus welcher Sie uns wohl einen Auszug in Uebersetzung gestatten. „Irodalmi szemie“: „3. Dr. Ludwig Philippson, Die heilige Schrift in deutscher Uebersetzung mit allgemeiner ausführlicher Erklärung nebst Einleitung. Ister Theil: Die fünf Bücher Moscheh. Leipzig, 1862." „Wie schon der Titel klar genug beweist, haben wir es hier durchaus nicht mit einem Erzeugnisse der vaterländischen armen protestantischen Literatur zu thun. Im Jahre 1854 erschienen, mußte schon im Jahre 1858 eine neue Auflage dieses ausgezeichneten Werkes veranstaltet werden und jetzt, damit es desto populärer sei, erscheint es mit Hinweglassung des hebräischen Textes und der Holzschnitte in einer wohlfeilen Volksausgabe. Der Verfasser bewerkstelligte eine Uebersetzung nebst Commentar, welche beide, von Zweideutigkeiten frei, so recht Zeugniß geben, welch riesenhafte Fortschritte auf diesem Gebiete gemacht sind. Es ist dies Werk besonders für Universitätsvorlesungen geeignet, und da wir bei unseren Vorlesungen die studirenden Theologen in der Regel auf die Anfichten der ausländischen Gelehrten anfmerksam machen, so sollte dieses vorzügliche Werk keiner magyarischen Protestant. Bibliothek fehlen. Jenen gegenüber, welche behaupten, daß die fünf Bücher Moscheh in verschiedenen Perioden und nicht von Moses selbst abgefaßt sind, beweist der hochgelehrte Verfasser im Verlaufe der Einleitung, daß 1) der Pentateuch ein ganzes, für sich abgeschlossenes Buch sei, 2) daß die Zusammensetzung auf eine Grundidee gebaut sei, 3) daß er eine und dieselbe sich folgerichtig treu bleibende Lehre sei, 4) daß er seine einzelnen Lehrsätze ebenso bestimmt als präcis giebt, 5) daß er bei Vorführung von Individuen und ihren Verhältnissen, ferner bei der Schilderung der Ortschaften und Völker mit der Zeit und den Umständen vollständig in Einklang steht. Aus all diesem läßt sich die Schlußfolgerung ziehen, daß das Ganze ein Erzeugniß des Zeitalters Moses, und daß nur Moses der Verfasser des Pentateuchs sein kenne. In gleichem ausgezeichneten wissenschaftlichen Geiste ist auch der ganze Commentar gehalten." — Die jüdisch - magyarischen Verhältnisse werden in den ausländischen Journalen noch immer oftmals so entstellt gegeben, daß es nicht leicht ist, die Wahrheit von der Unwahrheit zu unterscheiden, und wenn wir in der Einbürgerung der magyarischen Sprache für die Israeliten weit mehr Heil sehen als in dem Pflegen des jüdisch-polnischen Accents, so wollen Sie, hochgeehrtester Herr Dr., hierin keine Schwärmerei erblicken, wohl aber die Ueberzeugung, daß durch Einführung der magyarischen Sprache in Schule und Synagoge allmählich die Scheidewand zwischen Christen und Juden, die nur hie und da sich zu schroff gegenüberstehen, fallen muß. Unseren Hyperorthodopeu ist nun einmal eine jede Sprache, wenn sie nicht die jüdisch-polnische ist, verhaßt, und da die Erlernung der deutschen Sprache auf weit mehr Schwierigkeiten stößt als die der magyarischen, sollte in unseren jüd. Schulen das Deutsche, ganz so wie bei den Protestanten Ungarns, erst in den oberen Klassen unserer Schulen gepflegt werden. Daß sowohl der Izraelita-magyar Egylei als die Intelligenz Ungarns dies längst erkannt haben, ist eine unbestreitbare Thatsache, und hat sich der ung.-israel. Verein sowohl durch die Herausgabe seiner Volks- und Schulschristen als durch die bereits in Angriff genommene Uebersetzung der Bibel ins Magyarische bleibende Verdienste um die Israeliten Ungarns erworben. — 51**

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