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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-12-15 · Heft 51 (15.12.1863) · p. Seite 790

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 51 (15.12.1863)
Date
1863-12-15
Page
Seite 790 (sequence 8)
Language
German
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790 richt in einem Erkenntnisse vom 29. März 1859 für die Zulässigkeit des sogenannten Judeneides. Eine Streitsache Lambert, Oelmüller in Dahn, gegen Isaak Weiß 111. in Essingen wird nunmehr diese Streitfrage auch für die bayerische Rheinpfalz zur Entscheidung bringen. In diesem Proceß erkannte nämlich das Bezirksgericht zu Landau in seiner Eigenschaft als Handelsgericht unterm 14. Mai 1892, daß Isaak Weiß 111. den ihm auferlegten Entscheidungseid nicht moie judaico abzulegen habe; hiergegen wurde Berufung ergriffen und die Sache kam heute beim Caffationshofe der Pfalz dahier zur Verhandlung. Sowohl der Vertreter des Cafsationsklägers, Herr Anwalt BLcking, als der Vertreter des Eassationsbeklagten, Herr Anwalt Kuhn, hatten sehr gründliche und von großer Gelehrsamkeit zeugende Denkschriften eingereicht; Herr General- Staatsprocurator v. Pixis sprach sich für Aufrechthaltung des Urtheils des Bezirksgerichtes von Landau aus, indem er der Ansicht ist, daß der Eid more judaico in den bestehenden in der Pfalz geltenden Gesetzen nicht begründet sei, dem Grundsätze der Gleichheit aller vor dem Gesetze widerspreche und daß dessen Förmlichkeiten nicht zum Wesen des Eides gehören. Das Erkenntniß wird erst heute über acht Tage verkündet werden. Wir werden auf die ausgezeichnete und höchst interessante Ausführung des Herrn General-Staatsprocurators zurückkommen und auch das Erkenntniß f. Z. mittheilen. Leipzig, im November. (Privatmitth.) ^Verspätet.' Die Wogen der patriotischen Begeisterung, welche am 18. October hier namentlich so hoch gingen, haben sich gelegt; die ruhige AUtagsstimmung ist wiedergekehrt. Werfen wir nun von unserem Standpunkte aus einen unbefangenen Blick auf die Vorgänge dieses Tages, an welchem die ganze deutsche Nation ihre Gefühle manifestirte, so gewinnen wir die angenehme Genugthuung, daß von feiten unserer Glaubensgenossen, wie sie vor 50 Jahren zur Rettung des Vaterlandes auf dem Schlachtfelde ihr Leben eingesetzt, auch jetzt alles das geschehen ist, was man von deutschen Patrioten erwarten und verlangen kann. Es ist dies der unumstößlichste Beweis dafür, daß der deutsche Jude ein deutsches Herz hat, daß er mit ungetheiltem Sinne dem deutschen Vaterlande angehört, an seinen Freuden und Leiden Theil nimmt, für seine Schmach und seine Ehre mit derselben Begeisterung eintritt wie der Bekenner eines anderen Glaubens. Andererseits haben wir auch bei dieser Gelegenheit die erfreuliche Wahrnehmung gehabt, daß man in wahrhaft gebildeten Kreisen immer unparteiischer und gerechter gegen uns, gegen unsere Gesinnung und Handlungsweise wird, wofern diese nur unantastbar sind. Die hiesige Synagoge bot am!8. October einen unbeschreiblichen Anblick dar. Die prächtige Decoration, der reiche Blumenschmuck, die in festlich gehobener Stimmung sich besindende zahlreiche Versammlung, in welcher den jüdischen Veteranen aus den Freiheitskriegen, mit ihren Ehrenzeichen geschmückt, und den jüdischen Deputirten verschiedener Städte, mit ihren Amtsinsignien angethan (wir bemerkten u. a. Herrn Dr. Veit, ehemaliger Abgeordneter des preußischen Landtags, Vertreter der Stadt Berlin, Herrn Director Lehmann, Redacteur des „Magazin für die Literatur des Auslandes", Vertreter der Stadt Glogau, Herrn Kaufmann Moritz Kohner, Vertreter der Stadt Leipzig), Ehrenplätze eingeräumt waren, Her treffliche Gesang und namentlich die ausgezeichnete Festrede des Hrn. Dr. Goldschmidt machten auf alle Anwesende einen gewaltigen Eindruck. Wir glauben uns an dieser Stelle einer eingehenden Reeension derselben enthalten und aus die allgemeine Bemerkung beschränken zu müssen, daß sie, abgesehen von ihrer Eigenschaft als homiletisches Meisterwerk, das nicht hoch genug anzuschlagende Verdienst hatte, Juden und Judenthum der Gegenwart in einem Lichte erscheinen zu lassen, welches der vertretenen Sache die begeistertste Anerkennung verschaffte. (Sie ist übrigens, wie wir soeben erfahren, auf allgemeinen Wunsch in diesen Tagen im Druck erschienen und somit einem größeren Kreise zugänglich gemacht.) Hatte unsere Begeisterung durch den Eindruck, die wir im Tempel erhielten, schon einen hohen Grad erreicht, so wurde sie auf den höchsten Punkt gesteigert, als wir tags darauf den Festzuz betrachteten. Da sahen wir die jüdischen Veteranen mit denen der anderen Eonfessionen Arm in Arm im vertraulichsten Gespräche; wir sahen unseren Prediger, der auf besondere Einladung des Fest-Eomitös erschienen war, in seiner Amtstracht in der Mitte der Geistlichen der übrigen Glaubensbekenntnisse, mit rückhallsloser, collegialischer Intimität von allen Seiten begrüßt. Es schien, als wären mit einem Augenblicke wie durch einen Zauberschlag alle Rang- und Glaubensunterschiede gebannt! Es bemächtigte sich unser bei diesem wohlthuenden An-

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