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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-12-01 · Heft 49 (1.12.1863) · p. Seite 762

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 49 (1.12.1863)
Date
1863-12-01
Page
Seite 762 (sequence 10)
Language
German
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762 die Mittel darzubieten, durch die sie „bis zur Zeit, wo sie Alter und geistige Reife zum Eintritt in eine Lehrer- oder Rabbiner-Bildungsanstalt befähigen, auch in den hebräisch-biblischen und religiös-wissenschaftlichen Erkenntnissen wenigstens auf entsprechender Höhe sich erhalten können." Die desfallsigen Aufforderungen Meisels fanden bei vielen Gemeindemitgliedern den besten Anklang; ein Comitö wurde gebildet, die Lehrer Deutsch und Freudenberg angestellt und die Anstalt am 1. November 1860 eröffnet. Es sollten in derselben Bibel, Mischna und Gemara in zwei Abtheilungen gelehrt werden, und hierzu wurden 16 Stunden die Woche für jede Abtheilung bestimmt. Es läßt sich voraussetzen, welche Schwierigkeiten hierbei zu überwinden waren, da die Schüler unvorbereilet kamen; aber die Fortschritte waren so evident, daß die billigen Erwartungen übcrtroffen wurden. Im Anfänge des Schuljahres 1862 stieg die Schülerzahl auf 56, und so lebt die Hoffnung in uns, daß die Wirksamkeit der Anstalt sich immer mehr ausdehnen und die Opferwilligkeit für dieselbe sich immer mehr bethätigen werde. Es ist verhältnißmäßig immer noch erst ein Anfang, aber der kräftige Anwachs verbürgt ein weiteres Fortschreiten. Rußland. Wilna, 11. November. Der Oberpolizeimeister von Riga hat soeben laut öffentlicher Bekanntmachung den Israeliten in Riga den Besuch von Kaffeehäusern und Restaurationen untersagt. Man sieht hieraus, daß das Verfahren der Stadtbehörden von Riga gegen die Juden immer drückender und ausschließlicher wird, und fragen uns vergebens, wie es einer einzelnen Stadt in einem großen Staate gestattet sein kann, in solcher Weise gegen die Unlerthanen desselben Reiches zu verfahren?! Großbritannien. London, 13. November. Nach dem .Ie>v. Chron. hat sich Sir Moses Montefiore entschlossen, nach Marokko zu gehen, um die Sache der vom spanischen Consul gemordeten und eingekerkerten Juden zu führen, doch ist der Zeitpunkt seiner Abreise noch nicht bestimmt. Herr Sampson Samuel, Secrctar des Board of Deputier, wird ihn begleiten. Uebrigens ist die Hoffnung da, daß die spanische Regierung durch unmittelbaren Befehl die Freilassung der Gefangenen anordnen werde. — Dasselbe Blatt berichtet über eine portugiesische Zeitung „0 Dortuguer", in welcher ein Christ über die Vorgänge sich ausläßt, nämlich ein Beamter des portugiesischen Consulats in Tanger, Senor M. de Castro. Die Unparteilichkeit dieses Mannes leuchtet aus jeder Zeile hervor, und doch stimmen seine Angaben mit den bereits bekannt gewordenen überein, und er sagt, daß kein rother Indianer in der guten Zeit der Scalpirung barbarischer verfahren wäre, als der christliche Vertreter des katholischen Spaniens. Doch versichert der Senor de Castro, daß der spanische Consul bei der ganzen christlichen Gemeinde zu Tanger den größten Unwillen erregt hat. — Die Arch. isr. enthalten eine Art Tagebuch über die Vorfälle in Saffi. Wir wollen aber unsere Leser mit diesen scheußlichen Einzelnheiten verschonen, da sie den allgemeinen Verlauf der Sache aus No. 45 kennen. — Dem National - Shakespeare - Comitö gehören jetzt drei Israeliten an, Prof. Hart, Alderman Salomons und Do. Adler. Ostindien. Pooua, 8. October. Zu dem großen Hospital, welches der durch seine großartige Wohlthätigkeit in Ostindien bekannt gewordene Israelit Sassoon gestiftet, wurde heute der Grundstein feierlich gelegt. Der Gouverneur von Bombay, alle Militär- und Civilautoritäten und ein großer Zusammenlauf des Volkes aus allen Ständen und Religionen wohnten der Feierlichkeit bei. Herr Sassoon, seine Frau und Töchter erschienen von einer Ehrenwache geleitet und er verlas ' * eine angemessene Ansprache im Hebräischen, welche einer seiner Enkel ins Englische übertrug. Der Gouverneur antwortete in einer längeren Rede, worin er zuerst den Werth dieses großherzigen Werkes zeichnete, das den Kranken ohne Unterschied des Stammes, des Standes, der Religion, des Alters und Geschlechts die Hilfe der europäischen Wissenschaft und Kunst gewähren soll, und somit den Charakter aller der trefflichen Wohlthatigkeitsanstalten trage, durch welche sich Herr Saffoon so große Anerkennung erworben. Alsdann hob er die Verdienste dieses Mannes auf commerciellem Gebiete hervor. Einige dreißig Jahre seien es, daß S. nach Bombay gekommen, und seitdem habe er seine Stelle unter den unternehmendsten, energischsten

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