Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 49 (1.12.1863)
- Date
- 1863-12-01
- Page
- Seite 759 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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759 der sind etwas ganz anderes; die muß man studiren." Als er vernahm, daß ich die „cakss chantants“ besucht hatte, um jene Melodien kennen zu lernen, lächelte er verächtlich und bemerkte: „in den Kaffeehäusern wirst du das alte Lied niemals hören! Dort singt der Jude!" Aber warum sollten die Juden, die unter euch leben, eure alten Lieder nicht kennen? „Wer sollte sie ihnen gelehrt haben?" erwiderte er. „Wisse, daß der Jude, der in dem Cafö der Casba musicirt, mich oft dringend gebeten hat, ihm das Jusiraf Medjenneba zu lehren? Ich habe es ihm niemals vorgesungen!" Ueber diesen Haß des Mauren wunderte ich mich nicht. Alle Welt weiß, daß die Araber und Mauren im Jahre 1830 ein Complot geschmiedet hatten, um alle Juden in Algier gänzlich auszurotten, weshalb diese ihre Geschäfte und ihr Eigenthum verließen und mit ihren Familien auf den in der Nähe liegenden Berg Budzareah flüchteten. Das Schicksal wollte, daß sich am Abende vor der beschlossenen Massacre die französische Flotte am Horizonte zeigte, was die Muselmänner zwang, ihren schrecklichen Plan aufzugeben. Die Juden kehrten unter dem Schutze der Franzosen zurück und waren von da an sicher." Jndeß muß es dem Araber doch mit der Mißachtung der jüdischen Musiker nicht so ganz Ernst gewesen sein; denn nachdem der Russe mehrere Melodien nach des erster« Gesang niedergeschrieben, begegnete ihm Herr Christianowitsch eines Abends auf dem Spaziergange. Letzterer erzählt: Er forderte mich aus, mit ihm einen berühmten jüdischen Musikus zu hören, der den Quanon sehr gut vorttage. Wir bettaten ein kleines maurisches Haus, wo ich den Künstler von vielen Musikliebhabern umgeben erblickte. Hamond sagte zu mir: „Höre wohl zu, ich werde ihn die Lieder spielen lassen, die du bei mir notirt hast." Ich hörte in der That die Gesänge, die ich schon kannte, die mir aber dessenungeachtet ganz unbekannt erschienen; so sehr wurde die Melodie durch den Ueberfluß von Verzierungen erstickt. „Er ttägt gut vor, bemerkte mein Freund, allein er spielt nur die Arbi, die Jusiraf und die Straßenlieder, er kennt die Nouba nicht." — Unter Nouba verstand er eine Art Symphonie. — So viel geht aus dem Vorhergehenden hervor, daß in Algier die Musik der Araber zumeist von den Juden betrieben wird. Zeitungsnachrichten. Deutschland. München, 10. November. Ich theile Ihnen mit, daß am 30. d. M. vor dem höchsten Gerichtshöfe eine Sache zur Verhandlung kommt, die für die Pfalz von besonderem Interesse ist. Es handelt sich um die Frage: ob der von den Pfälzer Gerichten zum Theil noch jetzt geforderte sog. „Judeneid" im Gesetze begründet ist oder nicht. Man ist hier auf den Ausgang sehr gespannt. Vom Rhein, im November. (Privatmitth.) Geehrter Herr Redacteur! Ihre Kritik der neuesten bayerischen Ministerialverordnung in Betreff des israelitischen Cultus erfreute sich des Beifalls aller Intelligenten. Die Synagoge hatte in uralter Zeit, seit ihrer Entstehung eine presbyterische Verfassung, in welcher den Gemeindeältesten oder Vorstehern in der Anordnung des Cultus wie in der Handhabung der Ordnung im Namen der Gemeinde eine bedeutende Stimme eingeraumt war. Allerdings durften die Bertteter nicht willkürlich nach ihrer Ansicht handeln, sondern das Religionsgesetz war das leitende Princip. Die Auslegung und Anwendung dieses Gesetzes lag in der Hand der Gelehrten oder Rabbinen. Wie wenig daher die absolute Alleinherrschaft der Vorsteher in Synagoge und Schule zu rechtfertigen ist, ebensowenig darf den Rabbinen ein unabhängiges geistliches Regiment, eine hierarchische Gewalt eingeräumt werden. Beide Extreme widersprechen dem Geiste der mosaischen Religion und haben die traurigsten Folgen. — Alle Anerkennung der bayerischen Staatsregierung, daß sie der Zerfahrenheit und Zerfallenheit der religiösen Zustände unter den israelitischen Gemeinden Einhalt zu thun bestrebt ist; aber nur möge sie einen andern, bessern Weg wählen, welcher sicherer zum Ziele führt und keinen Eingriff in die Autonomie der Synagoge involvirt. Anstatt alle Jahrzehnte eine Ordonnanz zu erlassen, welche immer die Färbung der im Ministerium herrschenden Anschauung trägt, so daß oft eine der andern widerspricht, möge man einmal eine Synode einberufen, welcher die Macht eingeräumt wird, die kirchlichen oder cultuellen Angelegenheiten zu ordnen. Es steht freilich noch schlimmer in den Staaten, woselbst die Regierung säst ab