Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 49 (1.12.1863)
- Date
- 1863-12-01
- Page
- Seite 758 (sequence 6)
- Language
- German
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758 Hahn in Stolp von sich 1 Thlr., von dem löblichen Gemeinde-Vorstände 10 Thlr. 1053— 1061) Cantor Jsaacsohn in Güsten ges. von sich 12 Sgr. 6 Pf., H. Salomons 1 Thlr., Frau C. Goldschmidt 20 Sgr., A. G. 10 Sgr., Frau Isidor Victor 10 Sgr., Frau E. Rosner 7 Sgr. 6 Pf., Meyer Selig, I. M. Simon und L. H., je 5 Sgr., zusammen 3 Thlr. 15 Sgr. — Gesammtsumme: 1771 Thlr. 19 Sgr. —Pf. Die Redaction. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 3. November. (Musik). Daß der jüdische Volksstamm eine besondere Anlage und Neigung für Musik hat, kann jetzt als durch eine Fülle von Thatsachen erwiesen angesehen werden. Vorzugsweise erscheinen die Juden an vielen Orten als Pfleger der Volksmusik, wie denn bekanntlich die schönsten und originellsten Naticnallieder der Ungern die Schöpfung eines jüdischen Componisten sind. Jndeß ist es auch nicht zu leugnen, daß sich bei den Juden eine vorherrschende Neigung zum Figuriren in der Musik, zu Trillern und Schnörkeleien kund giebt, welche der Reinheit und Einfachheit des Volksliedes nicht günstig ist. Wir kommen zu diesen Bemerkungen durch das Werk eines Rusien über die altarabische Musik, das soeben erschienen ist*). Herr Alexander Christianowitsch hatte viel von der altarabischen Musik, die eigentlich persisch ist, rühmen gehört, besonders da die persischen und arabischen Schriftsteller sie für die höchste Leistung in der Musik erachten und lobpreisen. Er reiste nach Algier, um etwaige Ueberbleibsel jener aufzusinden. Wir heben hier eine Stelle aus seinem Werke hervor, so weit diese eben uns interessirt. „Nachdem ich erfahren — berichtet der Autor — daß es in Algier sogenannte „cafes chantants arabes“ gebe, begab ich mich eines Abends in ein solches, das in der Straße Citati liegt. Hier trinken die Araber und Mau¬ *) Esquisse Hisloriquc de la Musique Arabe aux Tenips anciens avec Dessins d'Inslruments et quaranle Mdlodics notees el harmonisees par Alexander Chrislianowitsch. Cologne, Libraine de M. Duniout-Schauberg. 1363. ren ihren Kaffee und lauschen der Musik. Die Tonkünstler waren drei Juden, welche Nationallieder sangen, wozu der eine das Rebab (ein lautenartiges, mit zwei Baßsaiten bezogenes Instrument), der andere das Kemangeh (ziemlich der deutschen Viole ähnlich), der dritte das Tar (eine Art Tamburin) spielte. Lange und aufmerksam hörte ich dieser Musik zu. Sie bestand aus nichts als Trillern, Lausern und endlosen Verzierungen! In der bösesten Laune verließ ich den Ort, mit der traurigen Frage, ob das die Ueberbleibsel jener gerühmten orientalischen Tonkunst seien, welche nach den arabischen Geschichtschreibern bald zu Thräuen rühren bald zur Freude aufregen sollten? Wie oft ich auch dahin zurückkehrte, und wie sehr ich mich bemühte, ich vermochte keine Melodie aus dem wirren Getön zu erfassen. Ich wußte wohl, daß der schwülstige Stil, die blumenreiche, mit Metaphern und Ausrufen geschmückte Sprache, welche die Araber lieben, nothwendig auf ihre Melodie eingewirkt haben mußten, und erwartete keine Simplicität darin; aber niemals hatte ich vermuthet, sie nach dem arabischen Geschmack derart verschönt und verkleidet zu finden, daß man sie unter ihren zahllosen Flittern gar nicht erkennen könne! Ungeachtet dieser üblen Erfahrungen fuhr ich fort die Cafes zu besuchen, in der Hoffnung, unter den Musikern vielleicht einen ausfindig zu machen, der mir als Interpret dieser uubegreiflichen Musik dienen möchte. Nach langem vergeblichen Suchen wandte ich mich endlich an einen mir bekannten Araber mit der Frage nach einem eingeborneu Künstler der Art. — „O — antwortete mein Freund — da ist der Lieblingssänger Hussein-Bascha's (des letzten Dey's von Algier), der alte Amed-ben-Hadj-Brahim. Ein großer Meister! der kennt alle alten Lieder; es giebt keinen, der ihn in seiner Kunst überträse." Ich bat meinen Araber, mich zu diesem berühmten Meister zu führen. „Nein, sagte er, dazu kenne ich ihn zu wenig. Aber ich bin mit Hamoud-ben-Mustapha befteundet, der alle Gesänge Sid- Amed-ben-Hadj-Brahims besitzt; zu diesem will ich dich führen, wenn du es wünschest." Zufrieden, endlich den gewünschten Mann gesunden zu haben, suchten wir ihn bald auf. Nach einigen gegenseitigen Höflichkeiten fragte ich Hamond, ob er mich mit den alten arabischen Gesängen bekannt machen wolle, die mich so sehr interessirten. „Ich will's wohl, erwiderte er, allein es ist sehr schwer. Was du in den Straßen singen hörst, ist nicht das alte Lied. Jeder Gassenjunge kennt die Kadrics, aber die alten Lie-