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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-12-01 · Heft 49 (1.12.1863) · p. Seite 754

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 49 (1.12.1863)
Date
1863-12-01
Page
Seite 754 (sequence 2)
Language
German
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754 ter mttSBTa und diese in Familien avo* Jede Familie, jedes Geschlecht, jeder Stamm hatte ein Oberhaupt, letzteres 6p;d: genannt. Abgesehen hiervon theilte Moses die Volksmasse nach dem Decadensystem in Rotten von Tausend, Hundert, Fünfzig und Zehn, ohne damit die Stämme, Geschlechter, Familien auseinander zu reißen. Moses vereinigte in seiner Hand als Prophet, Gesetzgeber und Führer eine absolute Gewalt, mit der er auch selbst die richterliche vereinigte, nur daß er nach dem Einzug in die Wüste Unterrichter einsetzte, welche aus den Aeltesten bestanden, die wiederum in einzelnen Fallen als Vertreter des gesammten Volkes erschienen. Wir erkennen leicht aus dem Gesetze, daß dem Volke das Selsgovernement in großem Umfange erhalten bleiben sollte. Denn im Grunde war es nur das gemeinsame Interesse der Religion, des einfachen Nationalcultus und die Vertheidigung nach außen, welche ein gemeinsames Band bildeten. Sonst bestanden die Stämme, ja jede einzelne Stadt mit ihren selbstgewählten Richtern und Vorstehern (a’nsa'i ü-escj) ganz unabhängig voneinander , nur daß ein Oberrichter, der eigentlich die oberste Verwaltung haben sollte und eine oberste Gerichtsinsianz im Hohenpriester vorhanden waren. Die Abgrenzung dieser Staatsgewalten verblieb im Dunkel und war der Entwickelung der Lolksverhältnisse überlassen. Unter Umständen sollte an die Stelle des Oberrichters auch ein beschränktes, überall an das Gesetz gebundenes Königthum treten dürfen. Wir legen auf diese Unbestimmtheit der Stratsverfassung in einem Gesetze, wo so viele Specialitaten festgestellt wurden, ein großes kritisches Gewicht für die Authentie des Pentateuchs, da einer irgend entwickelten Staatsform gegenüber ein späteres Gesetz sicher Genaueres formulirt hätte, während die gegebenen Bestimmungen ganz dem damaligen Zustande des Volkes und der Unsicherheit der zukünftigen politischen Verhältnisse entsprechen. Andererseits erblicken wir darin einen Geist der Freiheit, der, dem ägyptischen Staatswesen gegenüber, aus welchem Israel soeben hcrausgerettet worden, unschätzbar erscheint, und welcher allen Theilen des Volkes den höchsten Grad der Selbständigkeit wahren wollte. Hieraus entsprang auch die Möglichkeit, daß eine so kleine Nation einem tausendjährigen Staatsbestande entgegengehen konnte, so Laß nur in jener Sonderung in Stämme der Keim zum staatlichen Untergange lag. Denn diese Stammesabtheilung wurde mit in das eroberte Land getragen. Jeder Stamm besaß einen abgegrenzten Landesstrich, von welchem der Grundbesitz keines Theiles zu einem andern Stamme übertragen werden sollte, so daß Erbtöchter, nämlich solche, die keinen Bruder hatten, nur innerhalb des Stammes heirathen sollten. Es ist dies eine Erscheinung, die in allen alten Völkern sich wiederholte, wie sie eben aus den Söhnen einer bestimmten Stammfamilie hervorgewachsen. Es entsprang daraus der erste Kampf des Selfgovernements gegen den Absolutismus des Staates. Die Stämme geriethen dabei zunächst durch zufällige Umstände in Zwistigkeiten und Kampf untereinander; sobald aber die Nation sich als einen einheitlichen Staat setzen will, so entspringt daraus der Geist der Eifersucht, die Pravalenz eines oder mehrerer Stämme, der Kampf zwischen ihnen und endlich der Bruch. So erging es dem israelitischen Volke. Moses hatte vor seinem Tode in Josua einen Stellvertreter seiner absoluten Gewalt bestellt, der als Heerführer die Eroberung, als Administrator die Niederlassung und die Vertheilung des Landes zu leiten hatte. Nach diesem trat die Periode der Aeltesten und der Richter ein, jene als eine Art Nationalrath, der aber bei dem Mangel aller staatlichen Organisation weder den Sturmen von außen noch der Gesetzlichkeit im Innern einen Halt bieten konnte; diese als Männer, die in den Zeiten der Bedrängniß auftraten, Heerführer und Richter abgaben und das Gemeinwohl so gut wie es ging leiteten. An ein Nationalleben und eine geordnete Wirksamkeit war hierbei nicht zu denken. Einzelne oder mehrere Stämme zusammen, ja oft wohl nur einzelne Bezirke waren es, die sich unter einem solchen Richter dem Feinde entgegenwarfen. Ging ein Ruf durch das ganze Land, so war es doch den Stämmen überlassen, welche Folge sie leisten wollten, wie das Lied der Deborah so treffend schildert. Daß auch Kämpfe zwischen den Stämmen stattfanden, weiß man aus dem Benjaminitischen Kriege. Welchem Stamme die Obmannschaft gehören sollte, wurde öfters durch das Loos entschieden. Nicht von innen heraus sondern durch die Drangsale von außen, namentlich als das unbesiegte westliche Nachbarvolk der Philister übermächtig geworden, entsprang das Gefühl, aus diesem losen Verbände der Stämme einen einheitlichen Staat zu bilden und die wirre Republik in ein starkes Königthum zu verwandeln. Samuel wählte den ersten König von Israel aus dem kräftigen aber kleinsten Stamme, Benjamin, eine Wahl, die der alten Rivalität der Stämme Juda und Ephraim impouiren sollte, aber darum dem Königthume nur geringe Kraft verlieh. Daß Saul seine königliche Aufgabe darin verstand, ein

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