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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-11-24 · Heft 48 (24.11.1863) · p. Seite 749

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 48 (24.11.1863)
Date
1863-11-24
Page
Seite 749 (sequence 13)
Language
German
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749 Verhältnisse hohen Pachtzins entrichtet, hält die Gebäude im besten Zustande und kommt auch seinem Beruse als Gastwirth pünktlich nach. Obwohl sein moralisches Verhalten ganz tadellos und es auch nicht zu besorgen ist, daß er oder seine Familie je der Stadtgemeinde zur Last fallen wird, wurde er mit seinem Ansuchen abgewiesen, weil nach der hierüber geführten Debatte die Bürgerschaft es nicht zulassen könne, daß ein Jude ihr Mitbürger werde und daß die Israeliten sich in Jablunkau verbreiten. So erzählt man der Silesia: In Erdö-Szt.-György hatte sich, wie man dem Kornuk schreibt, das Gerücht verbreitet, die Juden hätten ein vermißtes vierjähriges Mädchen um gebracht, und brach die rumänische Bevölkerung unter Leitung des Dorfrichters in das Bethaus der Juden ein, durchforschte hier alles, selbst die pergamentenen Thorarollen. Aus der Synagoge begaben sich die Betreffenden zu einem israelitischen Potaschensieder und durchwühlten sechzig Centner Potasche. Der Oberkönigsrichter-Stellvertreter, Baron Albert Horvath, beorderte, sobald er von der Unruhe in Kenntniß gesetzt war, sofort Gensdarmerie nach dem Schauplatze der Unruhen. Das vermißte Kind wurde einige Tage später in Daja aufgesunden. Frankreich. Bonn, 12. November. (Privatmitth.) Die Alliance israelite hat das über den Handelsvertrag zwischen Frankreich und der Schweiz von Herrn Zickel- Krechlin verfaßte und an den französischen Minister der auswärtigen Angelegenheiten gerichtete Memoire, auf welches das auch in dieser Zeitung mitgetheiltc, allen liberalen Anforderungen genügende Antwortschreiben des Herrn Drouyn de Lhuys erfolgte, abdrucken lassen und auch uns ein Exemplar zugefertigt. Obgleich dieses Schriftstück im Augenblicke darum seine Bedeutung verloren, weil die Verhandlungen über den Handelsvertrag überhaupt sistirt worden sind, so bietet es doch mannigfaches historisches Interesse und wollen wir daher an dieser Stelle darauf aufmerksam machen. Herr Zickel-Krechlin war im Jahre 1815 Kanzler der kaiserlichen Gesandtschaft in Bern, 1818 Derwaltungsbermter im Departement Oberrhein und hat mancherlei höhere Berwaltungsposten bekleidet. Der ehrwürdige Veteran (Christ) behandelt in dem erwähnten Memoire alle Tractate, welche zwischen Frankreich und der Schweiz geschloffen worden, vom Jahre 1481 unter Ludwig XI. an. Ganz besonders aber hält er sich bei dem Vertrage von 1827 sowie bei den bekannten Vorgängen in Basel-Landschaft auf, wo 1836 mehrere französische Unterthanen israelitischen Glaubens gröblich behandelt und in ihren Eigcnthumsrechten verletzt wurden. Anfangs ergriff Ludwig Philipp Repressalien gegen den Canton, bis Herr Thiers Minister wurde, der die Interessen jener Franzosen aufgab, um die Schweiz zur Austreibung der französischen politischen Flüchtlinge zu bewegen. Die hierüber gewechselten Schriftstücke und wie Thiers und Mole allen Angriffen in der Deputirtenkammer zum Trotz das Princip der Gerechtigkeit für einige armselige vermeintliche politische Vortheile verschacherten, sind höchst interessant und werfen ein angemessenes Schlaglicht auf denselben Thiers, der 1810 die Blutgeschichte zu Damaskus, trotz der unwiderlegbaren Unschuld der Juden, für vermeintliche französische Interessen auszubeuten suchte; auf den Geschichtschreiber Thiers, der die Juden bei jeder Gelegenheit unwürdig behandelt, und auf den gegenwärtigen Oppositionsmann Thiers, der dem jetzigen Kaiserreich gegenüber die Grundsätze der Freisinnigkeit vertheidigen will und soll! Italien. Ferrara, 18. October. (A. I.) Das Mittelalter hat eben einen neuen Sieg in Rom davongetragen; das Opfer ist vollendet. Das Fräulein Graciosa Cavigli wurde in der Basilike von St. Johann vom Lateran getauft; sie erhielt den Namen Marie Vieovari. Ihre Pathin war die Marquise Cavalletti. Die Thränen des unglücklichen jungen Mädchens, die Protestationen der untröstlichen Eltern, die Schritte ihrer Glaubensgenossen, der Widerspruch der Liberalen, die Stimme der Natur, die ewige Gerechtigkeit: alle diese wurden mit Füßen getreten. Aber was thut's? Ist nicht eine neue Seele dem Satan entrissen? Marokko. London, im November. DaS Jew. Cliron. enthält Auszüge aus Briefen, die von sehr glaubwürdigen Personen in London angekommen sind. Hiernach werden die beiden überlebenden jüdischen Gefangenen noch immer in dem abscheulichen Gefängniß ge-

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