Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 48 (24.11.1863)
- Date
- 1863-11-24
- Page
- Seite 746 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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746 Preußen. Frankfurt a/O., 29. October. (Eingesandt.) Ueber den hier gegründeten Colonisations- Verein für Palästina brachte eine Privatmittheilung in No. 43 die Nachricht, der Sitz des Central-Comites sei nach Berlin verlegt worden. Um Jrrthümern vorzubeugen, halte ich es für meine Pflicht, dieser Nachricht entgegenzutreten. Bis jetzt ist die Oberleitung des Vereins noch hier und mir ist weder von einem berliner Programm noch von einem berliner Comitt für den Colonisations- Verein etwas bekannt. Sollte aber ein solches entstehen, so beginge es eine unheilschwangere Anmaßung, die Centralleitung usurpiren zu wollen; denn die Generalversammlung vom 28. Februar d. I., in welcher höchst achtbare Männer aus den verschiedensten Gemeinden ihr Stimmrecht ausübten, hat den Beschluß gefaßt, der Sitz des Central -Comites solle nach wie vor im Orte der Gründung sein; doch ist uns gestattet, das hiesige Comitö durch einige auswärtige Männer zu verstärken, und wir werden es mit lebhaftem Vergnügen sehen, wenn sich bedeutende Personen mit den Angelegenheiten des Vereins beschäftigen wollen. Derselbe gewinnt immer mehr Anerkennung und es ist wahr, daß selbst das einflußreiche Jews Clironicle sie uns nicht länger verweigert; doch meint das Blatt in großstädtischem Stolze, der Sitz der Centralleitung wäre besser in London, Paris oder Wien. Die englische Zeitung hält demnach Berlin keiner Empfehlung werth, und wie mir scheint, mit Recht, denn die betreffenden Herren, welche sich in demselben spreizen, sind hochmüthige Egoisten und ohne Einfluß auf die Regierung. Welchen Erfolg dürfte der Colonisations-Verein für P. unter der Oberleitung von Männern hoffen, die nicht einmal so viel Thatigkeit entwickeln, die Schmach des Eides more judaico zu beseitigen? welche es trotz ihrer Scheinheilizkeit dem Belieben der Seelsorger kleiner Städte überlassen, die Soldaten vom Dienste an den Hochfeierlagen zu befteien? welche die schädlichsten Verunglimpfungen unseres Volkes und unseres Glaubens durch Marr, Bruno Bauer und Consorten einstecken, anstatt der gekränkten Wahrheit männlich das Wort zu reden, wie der alle Achtung verdienende Dr. Veit, der wackere königsberger Dr. Freystadt und sehr häufig der umsichtige Redacteur dieser Zeitung zu thun pflegen? Uebrigens fehlt den qu. Männern Berlins jede angemessene Kenntniß Palästinas und seiner verwickelten Verhältnisse. Der einzige, welcher das heilige Land besser zu kennen vermeint als ich, der ich jahrelang die dortigen Persönlichkeiten, Zustände und Verhältnisse eifrig und sorgfältig studirt habe, ist Herr B. L. — Er hat sich einige Tage in Jerusalem amüsirt — und dieser Herr ist bitterböse auf mich, weil ich es charakterfest verweigere, die für Ackerbauzwecke gesammelten Gelder seinen Schützlingen, den Handwerkern, zuzuwenden. Berliner Jntriguen haben seitdem den Einkünften unseres noch armen Cvlonisations-Vereins sehr geschadet; doch vertraue ich auf Gott, welcher die Herzen lenkt. Neulich erfreute uns unter andern Spenden eine Schenkung von 6 Napoleond'or aus einem Orte in Serbien, und wir gestatteten uns, eine Schenkung von 59 Thalern vorläufig zurückzuweisen, welche der Herr Vorsteher S. A. zu Kammin (in Pommern) anbot, weil derselbe die Benefizien des §. 6 unserer Statutengrundlage dafür beanspruchte, während der §. sie nur gegen eine Spende von 190 Thlrn. gewährt; wir erlauben uns aber hiermit, dem Hrn. M. Crook zu London für die uns übersandten 55 Thlr., sowie dem berühmten Rabbiner Hrn. Friedmann zu Mohilew (amDniepr) unfern Dank für seinen Beitritt zu unserm Vereine abzustatten, sowie für dessen gütiges Versprechen, aufs kräftigste für den Colonisations-Verein wirken zu wollen. Gestatten Sie noch, auch den ehrenwetthen Vorständen zu Goslau und zu Darmstadt unsere dankbare Anerkennung zu zollen, sowohl für die Spenden, welche sie sammelten und einsandten, als auch für die freundlichen Worte, mit denen sie die Gabe begleiteten. Gott segne sie und alle, welche für Palästina nicht nur beten sondern auch etwas thun. — nrcrb 2 777» «-n -iw». Dr. H. Lorje, General-Director des C.-V. f. P. Freienwalde a/O., 1. November. (Privatmitth.) Bereits vor einigen Wochen wurde mir in Berlin ein 27jähriger Maler, der römisch-katholischen Kirche angehörig, vorgesteüt, welcher mich bat, an ihm den heiligen Act der Beschneidnng zu vollziehen, da er entschlossen sei, Jude zu werden. Obgleich ich ihm den Ernst dieses Entschlusses vom Gesichte las, machte ich ihm dennoch viele Vorstellungen, namentlich stellte ich ihm das Schmerzhafte der Operation vor, der er sich zu unterziehen habe; er blieb aber consequent. Ich