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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-11-24 · Heft 48 (24.11.1863) · p. Seite 740

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 48 (24.11.1863)
Date
1863-11-24
Page
Seite 740 (sequence 4)
Language
German
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740 Aber das wollen wir bei Seite lassen. Die londoner Gesellschaft zur Beförderung des Christenthums unter den Juden hat 33 Stationen auf verschiedenen Punkten der drei allen Continente; sie hat, wie wir erwähnten, 134 Missionen und sie hat ein Einkommen von 43,000 L. Dies ist die Bezahlung, die Machinerie und ihre Kosten. Welche sind die erreichten Erfolge? Der Bericht für 1862 erzählt uns, daß die Zahl der durch unsere Missionen getauften erwachsenen Juden über sechzig beträgt, außer den dreißig in Abyssinien, deren Fall in einiger Hinsicht so eigenthümlich — „außerordentlich interessant" ist der vom Bericht gebrauchte Ausdruck — ist, daß wir nichts seines Gleichen haben. „Bon vierundzwanzig Taufen .haben wir noch gehört, obwohl sie nicht in unmittelbarer Verbindung mit unserer Mission stehen" — eine Art und Weise, Resultate zu erzielen, welche ganz ebenso ist, als wenn ein Bankerottirer unter seine Activa schreibt einmal 500 L., die er bei seinem Banquier hat, und dann 500 L., die seinem Nachbar rechter Hand gehören. Wie dem nun auch sei, die Gesellschaft hat durch ihre eigenen Agenten in einem Jahre 60 erwachsene Juden getauft, miteinbegriffen eine Jüdin, 80 Jahre alt, in Bucharest. In Jerusalem — wo es einen Bischof, eine Kathedrale, ein Hospital, ein Gewerbehaus, eine ärztliche Anstalt, Schulen und andere durch die Gesellschaft mit einem jährlichen Kostenaufwaude von 4444 L. erhaltene Institutionen giebt — betragen die getauften Bekehrten vier. Es ist merkwürdig, daß diese Zahlen eine so leichte Rechnung erlauben, und wir bezeichnen also den Preis für Bekehrung eines Juden zu Jerusalem mit gerade 1111 L. luber 7000 Thlr.), während die abyssivische Mission, die dreißig Bekehrte aufweist, nur 1000 L. kostet. Dies ist vielleicht auch der Natur der Dinge angemesien. Der reine semitische Jude ist ein kostbarer und edler Bekehrter und ist sicherlich billig zu 1100?., aber der Fluch Ham's und die Armuth sind in dem Lande Abyssinien, und ein afrikanischer Jude kann zu dem geringen Preise von 33 L. zum Christen gemacht werden. Aber im Durchschnitt finden wir, daß die Gesellschaft 35,000 L. in einem Jahre ausgegeben und dafür sechzig bekehrt hat, die alte Jüdin von Bucharest, welche die Juden über achtzig schätzen und die vollständig blind ist, mit eingeschlossen. So kommen bei den sechzig Bekehrten beinahe 6OO L. auf eine Taufe. Wir müssen gestehen, daß, wenn die Christenheit ursprünglich mit diesen Kosten fortgepflanzt worden wäre, die Apostel den Stein der Weisen hätten besitzen müssen. „Ich habe kein Silber und Gold" war die Antwort der ersten großen Missionare an die Fragenden; „ich habe Silber und Gold und kann 600 L. für jeden Bekehrten geben" ist der Ruhm der modernen Missionäre. Wir sagen nichts von dem jerusalemer Juden; das blaue Blut Abraham's in David's Stadt mag vernünftigerweise den Preis erhöhen. Einen Juden in Jerusalem zu bekehren, ist ein ebenso großes Kunststück, als in Singapore (Ostindien) Eis hervorzubringcn oder auf Spitzbergen Melonen zu ziehen; und obgleich der Artikel zu dem Preise von 1100 L. kein billiger ist, sollte er doch für das Geld billiger angesehen werden als ein gewöhnlicher Jude von Houndsditch (London) zu 600 L. Ein jerusalemer Jude ist zweimal soviel werth als ein OuKo s-pIaoe-Jude, ebenso wie eine Ceder vom Libanon mehr werth ist als ein Pflänzchen aus der Baumschule von Herrn Veitch. Nach bestätigter Schätzung sind fünf und eine halbe Million Juden in der Welt; und wenn die londoner Gesellschaft beabsichtigt, wie sie jedenfalls hofft, sie alle zu bekehren, und wenn der gegenwärtige Preis den Handel bewerkstelligen soll, so muß Lord Shaftesbury, der Präsident der Gesellschaft, ein besonderes Bekehrungspapiergeld erfinden. Californien und Australien könnten den Geldbedarf nicht befriedigen. Eine andere Frage erhebt sich noch. Wenn ein gewöhnlicher, namenloser Jude 600 L. kostet, was würde die schreckliche Ausgabe für die Taufe des Barons von Rothschild sein? Nicht ein einziger Name von einem einzigen Bekehrten unter allen sechzig ist angegeben, ausgenommen der eine „Moriz Blum, Seemann in H. M. S. Mars"; und wenn er ein 600 L.-Christ ist, was würde die Bekehrung des Dr. Adler kosten? Ausleger der Prophezeiungen sind, glauben wir, übereingekommen, daß die Bekehrung deS ganzen Volkes Israel dem tausendjährigen Reiche vorangehen muß. Wir überlassen es dem Dr. Cumming, seine Daten mit den gegenwärtigen Kosten eines einzigen jüdischen Bekehrten zu versöhnen. Wenn das tausendjährige Reich 187 0 eintreten soll, welches das letzte Datum nach der jüngsten amerikanischen Berechnung ist, so müssen drei tausend drei hundert Millionen Pfd. Sterlinge in sieben Jahren zur Bekehrung der Juden erhoben werden." (Der satyrische Anstrich, der diesem Berichte der 8aturday Review gegeben ist, kann nicht verhindern, die darin besprochenen Facta als vollwichtig anzusehen und eS zu bedauern, daß so große Mittel für ein so thörichteS Unternehmen verschwendet werden. Ja, wir sind be-

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