Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 47 (17.11.1863)
- Date
- 1863-11-17
- Page
- Seite 731 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Ausstattung übersandt, an die sich die Zuschriften und telegraphischen Festgrüße zahlreicher Corporationen und Privaten anschlossen. Die eigentliche Feier fand am Vormittage des 12. im hiesigen Tempel statt, dessen weite Räume dem Andrange der Menschenmenge kaum zu genügen vermochten. Am Eingänge desselben empfing die Tempelverwaltung sämmtliche Corporationen, deren Vertreter hierauf zur Thora aufgerufen wurden. Der bedeutende Ertrag der milden Spenden wurde zur Bekleidung armer Schulkinder bestimmt. Nachdem sodann noch Mischebeirachs auf Mannheimer und den Reichsrath, der kurz zuvor die die Juden vom Notariate ausschließende Gesetzesstelle aufgehoben hatte, veranstaltet worden, hielt unser geistreicher und beredter Prediger Dr. Löwenstein die Festrede, die den Glanzpunkt der Feier bildete. An den Wochenabschnitt (Noah) anknüpfend schilderte er in glänzenden und farbenreichen Zügen das Bild des gefeierten Mannes, dessen überreiche und segensvolle Wirksamkeit im Lause eines halben Jahrhunderts. Diese gediegene Rede, wie alles Echte mehr Reflex des Herzens als Resultat oratorischer Berechnung, soll dem allgemeinen Wunsche gemäß dem Drucke übergeben werden. Den Schlußstein der würdigen Feier bildete ein vom „Verein für Bildung und Geselligkeit" veranstaltetes Bankett, das am selben Abende in den schöngeschmückten Vereinslocalitäten stattfand. Die heiterste, zugleich aber auch feierliche Stimmung beherrschte die Versammlung, die voll reger Theilnahme der Bedeutung des Tages gedachte. Die ersten Toaste, von Hrn. I. D. Fried im Namen des Vereins ausgebracht, galten Sr. Majestät dem „konstitutionellen Kaiser" und I. N. Mannheimer, dem Helden des Tages. Letzterer wurde dem Jubilar sogleich auf telegraphischem Wege an gezeigt. Herr Bodek trank hierauf auf das Wohl der beim Bankett versammelten Gäste, in deren Namen Herr vr. Löwenstein mit einem Toaste auf die Gemeinde, den Gemeindevorstand und den Verein dankte. Der 4. in der Reihe der Festredner war Herr Jacob Rappaport, der an die Zulassung der Juden zum Notariate anknüpsend den beiden Hausern des Reichsraths ein „Hoch" ausbrachte. An diesen schlossen sich die Toaste der Herren I. Gottlieb und V. Goldbaum auf Schmerling und Meusdorfs; vr. Landsberger auf die Bruderliebe im Judenthume; vr. Mahl und Kaufmann aus Herrn vr. Löwenstein und dessen einstiges 7Ostes GeburtSsest; vr. Esroger auf die gemeinnützigen Anstalten; vr. Gottlieb auf daS Judenthum; H. Mises auf Polen und die jüdischen Frauen; David Rappaport auf die Verschmelzung der Parteien; Modlinger auf die jüdischen Prediger; Rosenzweig und Vollender auf Mannheimer rc. rc. Daß die Versammlung in ihrer Festfreude auch nicht vergaß, der geistigen Größen des Judenthums zu gedenken, ist natürlich. Den Worten deS Hrn. vr. Mansch, der den Vorkämpfern des Judenthums und insbesondere dem Andenken unseres unvergeßlichen Abraham Kohn ein Hoch ausbrachte, folgten Toaste auf das Andenken Rießer's, und N. Krechmals aus vr. Ludwig Philippson, S. L. Rappaport u. s. w. u. s. w. Der letzte Toast galt den freundlichen Wirthinnen (Frau Fany Mises und Drin Fried), die durch ihre bereitwillige Theilnahme das Gelingen der improvisirten Feier ermöglichten und denen somit der Löwenanthcil des Erfolges zufällt. Erst in später Nachtstunde trennte sich die Versammlung, sichtlich erfreut über den würdigen Verlaus des Festes, des ersten dieser Art, das bisher in Lemberg gefeiert wurde. Krakau, 3. November. (Privatmitth.) Seit einigen Tagen weilt hier zu unserer großen Befriedigung der Ober-Rabbiner Meisel aus Warschau, der also seiner Haft entlassen worden. Er wird vier Wochen hier verbleiben und dann nach Jassy zu seiner Tochter gehen. — Seit dem Abgänge des Hrn. Mises, unseres geistreichen Predigers, werden von dem Vorstande der deutschen Gemeinde keine Anstalten gemacht, die Stelle wiederzubesetzen. Man hat vielmehr auch den Chor-Dirigenten entlassen, so daß der aus 12 Knaben bestehende Chor sehr häufig in Verwirrung geräth. Man fragt sich daher, wozu mit so ungeheuren Opfern der Tempel erbaut worden ist, wenn voraussichtlich auf diesem Wege die deutsche Gemeinde ihrer Auflösung entgegengeht?! Der Vorstand wäre es wohl den zahlreichen Besuchern des Tempels schuldig, für die Aufrechthaltung der Predigt und des Chorgesanges zu sorgen, wenn man nicht die ganze Institution als aus bloßer Nachahmungs sucht hervorgegangen ansehen soll, die, weil sie nicht auf wirklichem Bedürfniß beruht, schnell erlahmt, wenn der Reiz der Neuheit geschwunden.