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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-11-17 · Heft 47 (17.11.1863) · p. Seite 732

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 47 (17.11.1863)
Date
1863-11-17
Page
Seite 732 (sequence 12)
Language
German
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732 Frankreich. Paris, im November. (Arch. isr.) Eine schöne und interessante Ceremonie sand am Mittwoch den 7. October im Schlosse Ferrwres *) (Seine und Marne) statt. Herr und Frau Baronin James von Rothschild weiheten eine kleine Synagoge und ein Sepher Thora ein, welches sie zu diesem Zwecke hatten schreiben lassen. Diese doppelte Weihe wurde in Gegenwart der versammelten Familie und einer bestimmten Anzahl Eingeladener gefeiert. Der Groß-Rabbiner des Central - Consistoriums, der Groß-Rabbiner von Paris und Albert Cohn hielten Anreden, in welchen sie den edlen Stiftern Glück wünschten, daß sie inmitten ihres prächtigen Wohnsitzes auch einen Altar zur Anbetung Gottes errichtet haben. Der Herr Baron nahm dann seinerseits das Wort und sprach mit bewegter Stimme von dem Glücke, das er in diesem feierlichen Augenblicke empfinde; er empfahl seinen Kindern, diese Synagoge als ein heiliges Familienstück zu bewahren und immer der Religion ihrer Väter getreu und anhänglich zu bleiben. Dann las der Herr Baron das vorgeschriebene irrtrns und fügte hinzu, daß die Armen bei keiner Gelegenheit vergessen werden dürfen, und er schenkte eine Gabe von fünfzigtausend Francs. Diese Summe wird zu verschiedenen Wohlthätigkeitszwecken verwendet werden. Die gebräuchlichen Gebete wurden von Herrn Durlacher gesprochen; die Ceremonie wurde durch das Minchagebrt geschlossen, das der Herr Baron selbst vertrug. Die Synagoge, welche in einem der Thürme des Schlosses erbaut worden, ist mit einfachem, schönem Geschmack ausgestattet, der vollständig ihrer frommen Bestimmung entspricht. — Ein eigenthümlicher Rcchtsfall erregte in diesen Tagen eine Sensation. Ein Jude hatte eine Katholikin geheirathet, ließ sich aber später gerichtlich von ihr trennen. Den Knaben, der aus dieser Ehe entsprossen, hatten sie weder laufen noch beschneiden lassen, und sollte er nach erreichtem vierzehnten Jahre sich selbst entschließen, welcher Religion er angehören wolle. Die Mutter brachte ihn in ein katholisches Pensionat, *) Es ist dasselbe Schloß, in welchem der Baron von Rothschild den Kaiser zu empfangen die Ehre hatte. der Vater verlangte, weil er mit Recht fürchtete, daß der Knabe hier zu Gunsten des Katholicismus beeinflußt würde, daß er in eine gemischte Erziehungsanstalt gebracht würde. Er verfolgte dies bei dem Gerichte; da aber der Director des Pensionats ein Zeugniß beibrachte, daß auch ein protestantischer Knabe in der Anstalt sei, wurde er abgewiesen. — Rußland. St. Petersburg, 29. October. (Privatmitth.) Nicht oft geschieht in unserem kalten Norden etwas, was für die Leser Ihres geachteten Blattes eine erwärmende, fteudige Botschaft ausmachen könnte. Daher rechnen wir es uns zur angenehmen Pflicht, Ihnen fetzt eine solche zukommen zu lassen, Ihnen zu sagen, daß auch bei uns die Sonne der Bildung allmahlig aufgeht und eine Helle Zukunft verspricht. Wir wollen hiermit berichten, daß sich hier eine „Gesellschaft zur Verbreitung der Bildung unter den russischen Juden" gebildet hat, deren Statuten, bestätigt von den Ministern der Volksaufklärung und der inneren Angelegenheiten, gestern und heute in den hiesigen Zeitungen abgedruckt erschienen, aus welchen wir entnehmen, daß die Gesellschaft sich mit der Beförderung der Mischen Literatur, mit der Verbreitung nützlicher Bücher unter den Juden in der russischen Sprache, ferner von Uebersetzungen und periodischen Schriften in die russische und hebräische Sprache, und endlich mit der Unterstützung der armen studirenden jüdischen Jugend beschäftigen wird. Die Gesellschaft selbst wird wie gewöhnlich aus Ehren- und wirklichen Mitgliedern unter dem Vorsitz der Fürsorger und eines Präsidenten bestehen. Die Mittel derselben werden aus den jährlich bestimmten und fteiwilligen Spenden der Fürsorger und Mitglieder, aus sonst freiwilligen Spenden und endlich aus den Einkünften von den herausgcgebenen Büchern erfließcn. Jeder Fürsorger muß 500, jedes Ehrenmitglied 100 und jedes wirkliche Mitglied 25 Rubel jährlich einzahlen. Sobald sich eine Summe von 5000 Rubeln gebildet hat, wird die Gesellschaft ihre Thätigkeit anfangen, von welcher sie jährlich einen öffentlichen Bericht erstatten wird. Es unterliegt keinem Zweifel, daß diese Summe bald gesammelt sein wird. Wenn sie nicht etwa schon gesammelt ist, da sich Herr I. Günsberg dafür verwendet, welcher sich

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