Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 47 (17.11.1863)
- Date
- 1863-11-17
- Page
- Seite 728 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3226364-3226412--21701-3301630- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
728 Haushaltungen streng -iwv und keine 5 Geschäfte am Sabbath offen sind; wenn ferner in diesen Gemeinden täglich zweimal Gottesdienst ist; wenn ferner dieser fromme Sinn sich fast in allen Bezirken, wie Weikersheim, Mergentheim, Braunbach, Oberndorf, Buttenhaufen, Freudenthal, Laupheim :c. vorsindet: so ist dies doch wohl Beweis genug. Die segensreiche Wirksamkeit der Oberkirchenbehorde suchten dieselben Leute mit allem Gift zu begeifern, weil sie durch die Synagogen-Ordnung, welche, beiläufig gesagt, auf dem Standpunkte des steht, Anstand in die Gotteshäuser gebracht hat. Das Institut der Oberkirchenbehorde ist eine vortreffliche Einrichtung, um welche uns alle Lander Deurschlands beneiden sollten, indem sie mit unermüdlichem Eifer für die heilige Sache der Religion zu streben und die Einigkeit und den Frieden in den Gemeinden zu heben sucht. Auch das von der Oberkirchenbehorde herausgegebene Religionsbuch sucht man zu verdächtigen. Ich möchte doch nur wissen, wo man in demselben nur einen Verstoß gegen die Tradition findet. vr. E. Bad Ems, im November. (Entgegnung.) Erst heute, nachdem das jüngste Quartal dies. Zeitung den Lehrer-Lesezirkel passirt hatte, kam mir der Artikel aus dem Herzogthum Nassau in No. 28 d. Bl. zu Gesicht, was mich zur folgenden Erwiderung-veranlaßt. Noch vor dem Jahre 1848, also nicht vom Drange äußerer Ereignisse gezwungen, hatte die nassauische Staatsregierung das israel. Schul- und Synagogenwesen zeitgemäß reorganisirt; und da bei unfern vielen kleinen und sehr zerstreuten ifrael. Cultusgemeinden im Herzogthum an eine Anstellung jüdischer Elementarlehrer für die betreffende Schuljugend nie zu denken ist — was bei unfern vor jesuitischen und pielistischen Einflüssen staatlich gesicherten Communalschulen nicht einmal rathsam wäre —, so war besonders für die Bildung israel. Religionslehrer und Synagogenvorsänger Sorge zu tragen. Der Unterzeichnete, durch dessen Anregung und Mitwirkung bekanntlich die meisten vor dem Jahre 1848 schon von hoher Landesstelle angestrebten Reformen auf cultuellem und bürgerlichem Gebiete der hierländischen Israeliten zu Stande kamen, hatte darum während einer 25 jährigen Thätigkeit geistesbegabte aber unbemittelte inländische Jüglinge, anfangs ohne allen Ersatz der hieraus verwendeten Zeit und Mühe, für diesen immerhin wichtigen Beruf herangebildet und eS bei unsrer humanen Landesregierung dahin gebracht, daß diese armen Jünglinge behufs ihrer Verköstigung aus dem herzoglichen Landesstudienfonds — zu welchen die Nassauer Israeliten nie einen Beitrag geliefert haben — mit Stipendien bedacht wurden; indeß er späterhin hie und da nur einen kleinen Ueberrest aus dieser staatlichen Subvention als Remuneration bezog. Daß nun für dieses Bedürfniß einer zeitgemäßen Heranbildung israelitischer Religionslehrer und Synagogenvorsänger das hiesige israel. Seminar in Verbindung mit der hiesigen Realschule vollkommen ausreicht, möge die Ihnen, Herr Redacteur, hiermit zur Einsicht beigelegte Liste der seitdem aus dieser Anstalt hervorgegangenen Lehrer und Vorbeter Nachweisen, von denen einige sogar in anderen deutschen Bundesstaaten den Elementarunterricht an die israel. Schuljugend ertheilen*). Auch das israel. Kurpublikum und darunter viele gebildete und gelehrte Personen, welche während ihres hiesigen Aufenthalts den öffentlichen, von den Seminaristen geleiteten Gottesdienst besuchen, haben ihre Anerkennung der desfallsigen Leistungen des israel. Seminars gar oft schon kundgegeben; und gerade aus Rheinpreußen und Rheinheffen, welche in der Regel mit Lehrern aus dem westphälischen Seminar versorgt werden, erhalte ich öfters Anftagen, „ob von den Zöglingen ifceS hiesigen Seminars keine zu acquiriren wären, weil dieselben in den Kenntnissen und Fertigkeiten für den israel. Schul- und Synagogendienst sowohl theoretisch als vorzugsweise auch praktisch gründlich vorbereitet seien!" Die desfallsigen Briefe stehen jedermann zur Einsicht bereit. Ich will nun darüber schweigen, wie jene Vorsteher- Versammlung zu Stande kam und welche Macht Nation innerhalb derselben gewaltet hat. Nur sehe ich mich gedrungen, den Einsender des allegirten Arttkels, welcher vorgiebt, „daß das Religionsschulwesen bei uns nicht in einem der Zeit entsprechenden Zustande sich befindet", einer groben Verleumdung zu ziehen, solange er nicht die im heutigen Artikel enthaltenen Thatsachen zu widerlegen im Stande ist! vr. Hochstädter, Bezirksrabbiner und israel. Seminardirector. *) Das uns vorgelegte amtliche Berzeichniß führt 27 ausgestellte Lehrer und Borbeter sowie 6 die Anstalt jetzt besuchende Schüler auf. Die Redaction.