Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 46 (10.11.1863)
- Date
- 1863-11-10
- Page
- Seite 711 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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711 Sie ist einfach, logisch, spricht mehr zum Verstände als zum Herzen, wählt sich ein bestimmtes Thema und entwickelt dies nach allen Seiten. Da wir in einer der nächsten Nummern dieses Blattes eine ausführliche Besprechung der Predigt-Sammlung Herzseld's und damit auch seiner Predigtweise geben werden, so blicken wir hier nur auf die vorliegende einzelne Predigt. Sie geht von dem Gedanken aus, daß die bestehenden Religionen untereinander Frieden halten und sich nicht bekämpfen, vielmehr, was in ihnen Gemeinsames ist, hervorheben und gegen die Feinde aller Religion vertheidigcn sollten. Er charakterisirt darauf diese einzelnen feindlichen Richtungen und stellt dem gegenüber, was die Religion dem Menschen giebt als Wegweiserin, Helferin und Trösterin. Der Redner spricht manchen schönen und originellen Gedanken aus, wenn es ihm auch nicht immer gelingt, seine Ideen so auszudrücken, daß ein Mißvcrständniß nicht möglich wäre. Er ist ein denkender Theologe, der neben der breitgetretenen Heerstraße neue, zum wahren Ziele führende Wege sucht. — „Der Ewige ist Gott! Eine N'ila-Predigt, gehalten in der Synagoge zu Neu-Stettin von S. Lindermann, Rabbiner. Neu- Stettin, 1863." Die Predigt schildert in glücklichen Zügen den bedeutsamen Charakter der Schlußstunde des Versöhnungstages und verweiset alle, in deren Herzen Mühsal wohnt, auf den einen trostreichen und stärkenden Ausruf: sin 'n* — Königsberg i/P., 22. Oktober. Zu den vor einigen Monaten in diesen Blättern wiederabgedruckten Briefen Jean P. Fr. Richter's an seinen jüdischen Freund Emanuel dürfte der nachfolgende, von dem gro ßen Verewigten an ein jüdisches Ehepaar in Königsberg gerichtete Brief, welcher in einer hiesigen Autographen- Sammlung aufbewahrt wird, eine nicht unwichtige Ergänzung bilden; daher möge er hier eine Stelle finden. Er lautet: Weimar, den ZI.December 1799. Ich will dieses Jahr mit keiner Schuld beschließen, die ich tilgen kann. Meine Sommerreisen und Herbstarbeiten haben mich bisher von der schönen Stunde entfernt, liebenswürdiges Paar, worin ich mit Ihnen sprechen wollte. Gerade der entdeckte Unterschied unserer Religion, wenn er noch einer ist, gab mir eine Freude mehr und eine noch größere Achtung für Sie, weil Sie mehr Vorurtheile zu besiegen haben, um uns, als wir, um Sie kennen und lesen und lieben zu lernen. Der Verstand Ihrer Nation wird einen immer reinern und höheren Weg nehmen; aber wie sich das Herz dcffelben warmer und heiliger bilde, ist schwer zu prophezeien, da zu dieser Bildung immer eine äußere Form — die der Regierung, der Religion :c. — gehört. Die jetzige ist die ungünstigste, die des kleinen Handels. Unser ganzes Jahrhundert, zumal in England, trinkt aus dem merkantilischen Giftbecher; was aber ihr Volk am tiefsten zerrüttet hat, war die Nothwendigkeit, weniger des Handels, als des kleinen, und die eines gegen Feinde. Ich habe einen Freund unter Ihrer Nation, Emanu el in Bayreuth, mit dem ich wenige Freunde aus der meinigen vergleichen kann, moralisch vollendet, stark und weich, thatig und denkend, unerschütterlich und tolerant, für die Erde und den Himmel gemacht. Seine Liebe für sein Volk hatte, da er Ihre lieben Briese sah, viel Antheil an der zweiten Antwort darauf. Leben Sie getröstet, vor dem dunkeln Anblick der Zeit, und stellen Sie sich vor, um etz zu werden, daß das Jahrhundert nur eine Stunde in der Erdenzukunft macht; und dann wird Sie eine flüchtige Wolke, die über die Erde wegweht, weniger irren. Antworten Sie mir wieder und lieben Sie einander unverändert fort, dann brauchen Sie keinen Wunsch im neuen Jahrhundert! I. P. F. Richter. H. Jolowicz. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Jena, 27. Oktober. Der vr. philus. Earo in Leipzig, ein Israelit, welcher vor kurzem, wie bereits öffeuclichc Blätter mitgetheilt haben, aus sein Gesuch um Erlaubniß zur Habilitation aus der hiesigen Universität als Privat-Docent der Geschichte abschlägig beschieden worden, yat jetzt sein Gesuch erneuert und hat nunmehr diese Erlaubniß, jedoch mit einiger Beschränkung, erhalten. l)r. Caro ist der erste Israelit, welchem die Erlaubniß ertheilt worden ist, sich als Privat- Docent hier niederzulassen.