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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-11-03 · Heft 45 (3.11.1863) · p. Seite 699

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 45 (3.11.1863)
Date
1863-11-03
Page
Seite 699 (sequence 11)
Language
German
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699 in weiten Kreisen bekannt durch seine trefflichen Stiche der Kaulbach'schen Hunnenschlacht und der Portraits von Cornelius und Carl Ritter. Der Ernannte ist ein Jude, und der erste Jude, der an der Akademie der Künste lehren wird. — Krakau, 20. October. (Privatmitth.) Daß der Culturzustand unserer Gemeinde ein sehr niedriger ist, haben wir bereits mehrmals besprochen. Daß er aber sowenig Aussicht hat, sich zu heben und zu bessern, darauf komme ich um so eher immer wieder zurück, je beklagenswerther es ist. Am meisten muß aber hervorgehoben werden, daß das Talmudstudium, für welches Krakau so viele Jahrhunderte ein gerühmter Hauptsitz war, jetzt gänzlich hier darniederliegt und das Forschen und Betreiben desselben bei dem großen Haufen nicht minder gemißachtet wird als das Studium profaner Wissenschaft. Die Ursachen sind leicht zu finden. Denn einerseits läßt man dem Chassidismus den ungestörtesten Fortgang, und selbst das Rabbinat liebäugelt mit ihm und möchte sein Ansehen durch chassidischen Anstrich erhöhen; andererseits läßt man die Anstalten für das Talmudstudium in den äußersten Verfall gerathen und selbst die, welche für diese zu sorgen die Pflicht hätten, kümmern sich nicht darum. Dies ist aber, selbst abgesehen vom religiösen Standpunkte, um so beklagenswerther, als auf dem Grunde talmudischer Studien sich immer noch leichter eine civilisatorifche Bewegung anhellt, während eine chassidisch verfinsterte Masse verloren ist. An den verflossenen Festtagen hat sich denn auch hier der jüdische Cultus in seinem ganzen Verfall, in allen seinen Mißbräuchen aufs abschreckenste gezeigt, und dem Klatschen und Heulen, Springen und Tanzen auf Tischen und Bänken in den chassidischen Betstuben stand das Geträller und Geschrei und der Mißbrauch im endlosen Blasen des Schophars würdig zur Seite. Der Rabbiner aber durchschritt im weißen Sterbekleide und mit weißem Häubchen die Straßen der Stadt. Vor ungefähr siebzig Jahren, als der Chassidismus zum erstenmale in unsere Stadt einzudringen drohte, bildete sich unter dem Namen „Ansche-Emeth" ein Culturverein, mit dem Zwecke, gegen das in Galizien so schnell platzgreifende Unwesen kräftig zu reagiren. Aber was das Ziel der Väter war, wird von deren Nachkommen vernachlässigt. Die Richtung dieses Vereins ist vielmehr jetzt selbst eine chassidische, wie man am jüngsten Schlußseste hinlänglich gesehen hat. Diese betrübenden Erscheinungen dürfen uns aber nicht abhalten, den Kampf unerschrocken sortzusühren, und sollte er auch noch solange erfolglos scheinen. Troppau, 15. October. (Privatmitth.) Ich habe Ihnen heute ein — das Judenthum betrübendes und die Menschheit höchst empörendes — Factum mitzutheilcn, welches sich dieser Tage — Sonntag den 11. b. Mts. — hier in Troppau, der Hauptstadt Schlesiens, zugetragen hat. Ein jüdischer, aus Zsur in Ungarn gebürtiger Schneidergeselle, Namens Ignatz Pick, der bei einem hiesigen Kleiderhändler in Arbeit stand, erkrankte am Typhus und wurde nach mehrtägiger Krankheit Dienstag, den 6. dieses in das hiesige allgemeine Krankenhaus gebracht. Weder mir als israel. Religionslehrer und Rabbinatsverweser noch dem israel. Cultusvorstande wurde das Vorhandensein und Befinden eines schwer erkrankten jüdischen Individuums im erwähnten Krankenhause kundgethan und selbst dann nicht, als nach wenigen Tagen die Krankheit ihr höchstes Stadium erreicht hatte und jedwede Hoffnung auf eine Genesung desselben von den ihn behandelnden Aerzten aufgegeben wurde. Erst Samstag — am 10. dieses — machte in später Abendstunde der Primararzt, zugleich Director des Krankenhauses, einem hiesigen Israeliten, Hrn. E. Herz, mit dem er zufällig in einem Bierhause zusammentraf, die Mittheilung von einem jüd. Kranken in seiner Anstalt, an dessen Auflommen er zweifle, mit dem Ersuchen, den israel. Religionslehrer oder den Vorstand hiervon zu avisiren. Die Mittheilung des Arztes geschah jedoch auf eine Weise, daß Herr Herz wohl den bedenklichen Zustand des Kranken, nicht aber die Nähe seines Todes ermessen konnte. Dessenungeachtet hat er am folgenden Morgen in der Frühe den Vorstand hiervon in Kenntniß gesetzt. Auf dieses begaben sich um l;t auf 11 Uhr vormittags zwei Vorstandsmitglieder in das allgemeine Krankenhaus, um den Kranken zu besuchen, mußten jedoch zu ihrem großen Leidwesen bei ihrem Eintreten in dasselbe von den sogenannten frommen Schwestern, die die Pflege dieser Anstalt besorgen, die traurige Nachricht hören, daß der jüdische Schneidergeselle vor einer Viertelstunde — also um 10 Uhr vormittags — seine Seele im Typhus ausgehaucht habe, nachdem er zuvor 45**

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