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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-10-27 · Heft 44 (27.10.1863) · p. Seite 683

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 44 (27.10.1863)
Date
1863-10-27
Page
Seite 683 (sequence 11)
Language
German
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683 sonders, die den Landmann drücken, werden den Juden als ihren Urhebern zugeschrieben. Man insinuirt dem Landmann z. B., daß die Entwaldung von den „jüdischen Güterschlächtern" herrühre, und erzählt unter anderem, daß der diesjährige Mißwachs in Ungarn von den Juden verursacht sei, welche alle Wälder in Ungarn niedergeschlagen hätten. Nun, der Landmann ist doch nicht so dumm, wie sich diese Menschen ihn vorstellen; er weiß sehr wohl, wer und was ihn drückt; er sieht die Entwaldung gerade von reichen Edelleuten und Majoratsherren, wie die „Eöln. Ztg." sagt, mit Dampf, im eigentlichen Sinne mit Dampfkrast ausführen. er sieht sie auch in den Staatsforsten vorgenommen; und es ist daher thoricht genug, wenn man den Bauer auf ein Feld versetzt, das er selbst kennt und überschaut. Die Wahlen werden denn auch zeigen, daß den Herren alles dies Zeug nichts genützt. Wer schimpft, ist von vornherein verdächtig; wer nichts als schimpfen kann, charakterisirt sich als Lump. Mit ruhigen Auseinandersetzungen, die listig genug ausgeführt werden konnten, hätten die Reactionäre wohl einen Boden gewonnen. Die Federn aber, die ste in Bewegung gesetzt haben, schreiben zugleich ihre eigene Berurtheilung nieder. Am Ende und vor Thorschluß scheint ihnen dies auch zum Bewußtsein zu kommen, und einer ihrer Schreiber, Herr Bruno Bauer, sucht sich bereits ein anderes Mittelchen aus. Nachdem er lange genug die liberalen Juden geschimpft und sich damit abgenutzt hat, macht er in einer eben erschienenen Broschüre die Jesuiten zu den Vätern des Liberalismus und will in diesen, in den Jlluminaten und Rosenkränzern die Urheber des Liberalismus Nachweisen. Man sieht, er hascht nach einem andern Schimpfwort, und seine Nachkläffer werden wahrscheinlich bald diesen Ton anschlagen. Immerhin! Das kann noch weniger zielen und fügt der Lächerlichkeit noch den Stempel des Unsinns hinzu. — Von hier schreibt man dem Frankfurter Journal: „Gegen den Assessor Lasker ist wegen einer Aeußerung, die er im Anfänge dieses Sommers in einer Wahlmänner-Versammlung gethan hat, die Disciplinar-Untersuchung eingeleitet worden. Herr Assessor Lasker gehört zu den ältesten Assessoren am hiesigen Stadtgerichte, ist aber, als vor kurzem 30 derselben diätarisch angestellt wurden, ebenso übergangen worden wie alle seine Glaubensgenossen. Er ist Jude." Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 12. October. Der Prediger Mannheimer der israelitischen Hauptgemeinde in Wien feiert am 17. October seinen siebzigsten Geburtstag. Das Fest fällt auf einen Samstag und sind zur würdigen Abhaltung desselben die umfassendsten Vorbereitungen getroffen. Vormittags findet feierlicher Gottesdienst statt und wird der Betstuhl des Jubelars und die Kanzel, auf der er eine so lange Reihe von Jahren sich die Hochachtung der Gemeinde erworben, festlich geschmückt. Die Festrede hält Dr. Jellinek. Nach derselben werden die Gemeindevorstände dem Jubelgreis einen kostbaren goldenen Becher und eine prachtvoll gebundene Adresse überreichen; die Gemeinde-Beamten überreichen ihm die Prachtausgabe einer Bibel mit silberverzierten Deckeln. Von seiten des Staates ist dem Prediger eine Ordensauszeichnung, das Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens, zugedacht. Nach der gottesdienstlichen Feier findet im Schulgebäude eine Feier statt, bei welcher das große, in Oel gemalte Bild des Predigers enthüllt wird. Außerdem sind dem Jubilar zahlreiche werthvolle Geschenke zugedacht. Abends findet im Hütel „Zum weißen Roß" ein Bankett statt, an dem der Statthalter und der Bürgermeister theilnehmen werden, welch letzterer ihm im Laufe des Tages das Bürgerrecht der Stadt Wien überreicht. —. Das Herrenhaus hat die Zulassung der Israeliten zum Notariat genehmigt. Wien, 13. October. Die„M.Z." enthält folgenden Artikel: Was man auch immer an unserm Abgeordnetenhause auszusetzen gehabt, seinen ersten durch und durch reactionären Schritt — den ersten, wohlgemerkt , zu dem es durch keine Pression von außenher gezwungen war — hat es heute in der Debatte über das Heimathsgcsetz gethan. Der Antrag des Ausschusses, daß das Heimathsrecht in einer Gemeinde nicht stillschweigend, durch jahrelange Anwesenheit, unbescholtenen Lebenswandel, gesicherten Erwerb u. s. w., sondern nur durch ausdrückliche Aufnahme in den Gemeindeverband erworben werden kann — und daß über die betreffenden Ansuchen ausschließlich die Gemeinde ohne jede Berufung entscheidet, ist zum Beschlüsse erhoben worden. Die Folgen dieses Beschlusses sind gerade für Oesterreich so unberechenbar, daß die glän- 44**

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