Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 44 (27.10.1863)
- Date
- 1863-10-27
- Page
- Seite 682 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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882 allseitige Streben sein müsse, den einträchtigen Geist in unserer Gemeinde zu erhalten und zu beleben. Diesem schloß sich ein mit Chorbegleitung gesungener Festgruß (vom Lehrer Schünhofan Geiger an. Geiger gedachte in seiner herzlichen Erwiederungsrede der Jahre seiner Jugend, wo er das väterliche Haus verlassen, aber mit Liebe und Anhänglichkeit immer zu demselben hingeblickt habe. Dem ehrenden Rus zur Rückkehr ins väterliche Haus habe er nicht ohne innere Kämpfe Folge geleistet und sei gekommen, seine ganze geistige Kraft demselben zu widmen. Mit Begeisterung wurde ein Trinkspruch Geiger's auf die Manen des unvergeßlichen Rießer's ausgenommen, dem man außer der staatlichen Gleichberechtigung in einem großen Theil unseres Vaterlandes die innere Erhebung des jüdischen Geistes zu danken habe. Den Trinksprüchen auf die Schule, die Lehrer, die Wohlthätigkeitsanstalten folgte ein Toast auf das deutsche Vaterland, dem sich das schöne Lied „Die Wacht am Rhein" anschloß. Um einem bekannten Lügenblatte keine Veranlassung zu einer Verdächtigung zu geben, fügen wir die selbstverständliche Bemerkung bei, daß das Essen aus einer orthodoxen Küche geliefert wurde; dagegen wollen wir gern den Tadel hinnehmen, daß der Wein ein ächtes, reines Landesproduct war und nicht aus einem Koscherwein-Laboratorium angeschafft wurde. K. Arrö Würtemberg, im October. (Privatmitth.) Am 26. v. M., am Vorabend des Geburtsfestes Sr. Majestät unseres vielgeliebten Königs, vereinigte sich die so'np n-ior zu Jebenhausen zur feierlichen Begehung chres fünfzigjährigen Bestandes bei einem frugalen Mahle. Nachdem der von den Vorstehern des Vereins, Simon Raff und Abraham Lauchheimer, gestellte Antrag, zu Ehren des Tages die in den jüngst verflossenen zwei Jahren aus dem Capitalsonds des Vereins gefloffenen Interessen zu wohlthätigen Zwecken und von den laufenden Einnahmen 30 fl. zu weiterer angemessener Ausstattung des der israel. Gemeinde gehörenden Leichenwagens zu verwenden, mit Acclamation angenommen worden war, hielt Rabbiner Herz über die Bedeutung des Vereins, über die erhabenen Zwecke, welche er hinsichtlich der Bethätigung der naan non gegen Kranke, Leidende und Verstorbene zu erstreben hat, eine längere eindringliche Rede; knüpfte daran Worte der Anerkennung über die bisherigen Leistungen mancher älteren Mitglieder und Worte der Ermunterung an die jüngeren und brachte schließlich auf das fernere Gedeihen desselben einen Toast aus. — Wie die genannte Brüderschaft seit ihrem Bestehen stets zur Linderung der Noth und Armuth in nah und fern im Bunde mit den übrigen in der Gemeinde bestehenden wohlthätigen Vereinen nach Kräften wirkte und namentlich im Jahre 1847 sich mit erheblichen Beiträgen an dem Aufwands zur wöchentlichen Brotvertheilung an israelitische und christliche Ortsarme betheiligte, so hat sie auch, wie nicht minder die snon c-i53 bw, durch Stiftung von silbernen und goldenen Geräthen in die neurestaurirte Synagoge Jebenhausens ihren opferwilligen Sinn zum bleibenden Gedächtnisse bekundet. Möge sich dieser Sinn dauernd in ihrer Mitte erhalten und vererben und sie noch recht lange segensreich wirken! Preußen. Berlin, 14. October. (Privatmitth.) Von den Organen der feudalen Partei, von deren Tendenzen Sie wiederholt eine scharfe und richtige Charakteristck gegeben, ist die Färbung diesmal vollständig aus alle Wahlcirculäre der reactionären Partei, die sich des Namens der Conservativen auf immer unwürdig gemacht, vollständig übergegangen. Ehemals hatte man die schändlichsten Verleumdungen auf die Juden losgelassen, wenn es galt, ihnen irgend ein Stück Recht zu versagen oder wieder zu entreißen. Daß man aber in frechster, lügnerischster Weise auf die Juden losschlägt, lediglich uni sämmtliche liberale Parteien und damit die ungeheure Mehrheit des preußischen Volkes zu treffen, wie mau meint zu beschimpfen und einige Schäslein aus den Hürden des Liberalismus auf die feudale Seite zu ziehen, das ist etwas Unerhörtes. Man kann wirllich zweifelhaft sein, ob dies einsälttger oder boshafter sei. Jedenfalls ist es ein nutzloser Aufwand, man lockt damit keinen Hund von dem Ofen und die Partei verliert bei allen anständigen Menschen den letzten Rest der Beachtung, die sie noch haben konnte. Die Flugblätter und die Wahlcirculäre, welche der sogenannte „Preußische Volksoerein" mit seinen Anhängseln und Untercomitös erlassen, starren gleichsam von Schimpfwörtern und Beschuldigungen aus die Juden, so daß, was irgend in Europa Uebles und Leidiges geschieht, von den Juden hergeleitet wird. Die Uebelstände in-