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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-10-27 · Heft 44 (27.10.1863) · p. Seite 676

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 44 (27.10.1863)
Date
1863-10-27
Page
Seite 676 (sequence 4)
Language
German
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676 Mosis, so sehen wir hier allerdings häufig da, wo ein außerordentliches in die Erscheinung Treten von seiten Gottes berichtet werden soll, dies durch einen Engel geschehen.*) Hier ist aber nun nachdrücklich zu bemerken, daß an den meisten solcher Stellen, wo Engel erscheinen, diese alsbald wieder mit Gott selbst abwechseln, z. B. 1 Mos. 16, 13. 2l, 19.**) Dadurch ist die Erscheinung eines Engels der unmittelbaren göttlichen Mittheilung so nahe gestellt und mit ihr so eng verschmolzen, daß das Erscheinen eines Engels nur als ein symbolischer Ausdruck des Hervortretens der göttlichen Wirksamkeit in die sinnliche Wahrnehmung zu sasien ist und aus der Vorsicht hervorgegangen scheint, mit welcher man die Unkörperlichkeit Gottes vor jedem Mißverständniß wahren wollte. Ein besonderes Moment ist es hier, wenn ein specieller Schutz Gottes vorausgesetzt und dies als ein „Senden eines Engels vor dem Schützling her"***), sowie der gewährte Schutz als ein „Erlösen durch einen Engel" -p) ausgedrückt wird. Es ist dies nichts als die Personification der unmittelbaren göttlichen Führung. Jndeß gewinnt in den geschichtlichen Berichten doch die Lehre von den Engeln an concreter Gestalt, wenn Jacob mit einem göttlichen Wesen ringt, wenn bei Abraham die drei „Männer" essen und trinken s-f), wenn der dem Josua Erscheinende sich einen „Fürsten des Heeres des *) Im Hebräischen ist dies allerdings weniger aufsällig, da eigentlich nur „Bote" heißt ('zrrb arab. und äthiop. Jaaka), ebenso wie uyyt/.og, während das vom letzter« abgeleitete „Engel" den Begriff „Bote" verloren hat. **) So kommen zu Abraham drei Männer (1 Mos 18, 2.) und sprechen mit ihm (9), und schon V. 13 spricht Gott und so durch das ganze Kapitel; ein Engel ruft den Abraham (22, 11. 15.), und dennoch schwört Gott bei sich selbst (V. 16); vgl. 31, 11. und 13; im brennenden Dornbusch erscheint 2 Mos. 3, 2. ein Engel Gottes, und von V. 4 ab ist es Gott selbst, der zu Mose spricht. ***) 1 Mos. 24, 7. 40. 2 Mos. 14, 19. 23. u. öfter, -p) 1 Mos. 48, 16. — Der Gedanke, daß, wenn Gott unmittelbar Israel führt und eine Versündigung und Entheiligung von seiten Israels stattfindet, der Untergang Israels vor sich gehen müßte, und so dieser nicht einträte, Israel zur Geringschätzung Gottes kommen würde, wird besonders 2 Mos. Kap. 32 und 33 ausgeführt. ff) Es ist bemerkenswerth, daß an dieser Stelle meist von (Männer), die dann wieder 2-arrr72 (Boten) genannt werden, die Rede ist, hingegen 'n gar nicht gesagt wird und nur Gott selbst zu Abraham spricht. Ewigen" nennt (5, 14.). In den übrigen geschichtlichen Büchern kommen Engel nur bei Gideon, Simson und Elijah vor. In den Hagiographen werden in den Psalmen die Engel ebenfalls zum Schutz des Gerechten (34, 8. 91, 11.) und zur Bestrafung der Frevler (35, 5. 6. 78, 49.), sowie zum Lobe Gottes (148, 2.) verwandt, jedoch kann die bestimmte Bezeichnung der Engel als „Helden an Kraft, seines Wortes Vollstrecker, hörend auf die Stimme feines Wortes" (103, 20.) nicht als blos poetische Redeweise angenommen werden, wie auch Hiob 4, 18. die Existenz der Engel voraussetzt, und zwar daß auch sie vor Gottes unendlicher Vollkommenheit in Jrrthum und Fehl verfallen, denen Gott Schonung und Barmherzigkeit angedeihen lassen muß. Dagegen ist die Einleitung zum Hiob lediglich Gedicht und kann für die eigentliche Lehre nichts bedeuten, wie sich auch daraus erweist, daß der Schlußbericht (42, 7 ff.) gar nicht wieder daraus zurückkommt. Aus dieser Darstellung ergiebt sich, daß die eigentliche Lehre des Alten Testaments die Existenz von Engeln durchaus nicht enthält und von ihnen nicht berührt wird, daß aber die geschichtliche Erzählung und die poetische Auffassung in ihm die Existenz von Engeln voraussetzt, sie theils als Personification der göttlichen Führung und als Mittel, um den Begriff von der Unkörperlichkeit Gottes zu bewahren, benutzt, theils als wirklich bestehend annimmt, dabei aber überall sich damit ganz im allgemeinen zurückhält. Zum eigentlichen Gegenstände des religiösen Glaubens, zu einem wirklichen Momente und Bestandtheile der Glaubenslehre werden sie nirgends gemacht. Eine Ausnahme hiervon und einen Uebergang zum Spätern finden wir auch hier, nämlich im Secharjah und zweiten Daniel*), die sich offenbar unter parsischem Einflüsse gebildet hatten — wovon weiter unten. Um so energischer tritt die h. Schrift Israels allem Aberglau» *) Daß das Buch Daniel aus zwei ganz verschiedenen und ebenso aus ganz anderen Motiven wie aus verschiedenen Zeitaltern hervorgegangenen Büchern besteht, Kap. 1 — 6 und Kap. 7—12, ist unzweifelhaft. S. Ausführliches in unserm Bibelwerk B. HI. S. 878 ff., zweite Ausl. Gerade auch in der Engellehre weichen die beiden Bücher weit voneinander ab, denn, während die erste Schrift nicht über das Altherkömmliche betreffs derselben hinausgeht, bringt die zweite eine sehr specielle und verarbeitete Engellehre, und doch hätte die erstere die vielfachste Gelegenheit gehabt, sie anzubringen.

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