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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-10-13 · Heft 42 (13.10.1863) · p. Seite 650

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 42 (13.10.1863)
Date
1863-10-13
Page
Seite 650 (sequence 10)
Language
German
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650 verkümmert erhalten und letzteres selbst seinem Ziele, der Erziehung zu edler Gesittung und Bildung, entgegenführen solle, welches Ziel die jüdische Religion vor allem durch ihre Lehren und Bekenner stets gefördert habe und beständig fördern müsse. Wenn jedoch dieses hohe Ziel erreicht werden würde, das sei allein der Vorsehung bekannt, die zu seiner Zeit den allgemeinen Tag erscheinen lassen werde, den unsere Propheten begeistert vorherverkünden und dessen glückliche Morgendämmerung wir bereits erschauen. Zum Schlüsse wurde der Verdienste der verstorbenen Wohlthäter der Gemeinde gedacht und zu deren Seelenheil das übliche Gebet verrichtet. Diese Rede machte einen tiefen, ergreifenden Eindruck auf die Zuhörer, auf deren Wunsch sie als Erinnerung an den feierlichen Tag dem Drucke übergeben werden soll. Am Abend versammelten sich fast sämmtliche erwachsene Mitglieder der Gemeinde zu einem gemeinschaftlichen geselligen Mahle, bei welchem eine ungetrübte Heiterkeit herrschte und ernste und muntere Trinksprüche wechselten. R. Preußen. Breslau, Ende September. (Privatmitth.) Die Rabbiner-Wahl ging schneller von statten, als allgemein vermuthet worden ist. Die Cultus - Commission machte von ihrem Rechte, drei Eandidaten zur engen Wahl zu empfehlen, Gebrauch und präsentirte den Seminarlehrer Dr. Joel von hier in erster, den Dr. Cohn in Potsdam in zweiter und den Dr. Stein in Danzig in dritter Reihe. Herr Di*. Wolfs in Gothenburg hat auf die Wahl verzichtet. — Die Wahl fiel, wie vorauszusehen war, auf den hier seit mehreren Jahren bekannten und durch seinen biedern Charakter wie durch seine schriftstellerischen Leistungen allgemein geachteten Dr. Joel. Da die größere Hälfte der Repräsentanten-Mitglieder, welche der sogenannten Mittel- oder Seminarpartei, ja manche der eigentlichen orthodoxen Partei angehören, eine Vereinigung mit derjenigen Partei in Aussicht stellte, für welche der Rabbiner gewählt werden sollte; die Ehrenhaftigkeit des Herrn vr. Joel Bürgschaft dafür bot, daß der Gottesdienst in der bisherigen Weise beibehalten werde; andererseits aber auch ohne Zustimmung der Cultus-Commission eine Aenderung oder etwaige Rückbildung des verbesserten Gottesdienstes nicht stattfinden kann, so daß der Statur guo dem Hauptinhalte nach gewährleistet ist: so haben die diesem Cultus ungehörigen Repräsentanten-Mitglieder sich mit ersteren über die Wahl schnell geeinigt. Wünschen wir, daß durch die Wahl Joel's die schon so oft versuchte, aber stets gescheiterte Ausgleichung dcr beiden Hauptparteien nun endlich zum Segen und Gedeihen der Gemeinde zu Stande kommen möge. Durch die Wahl hat die eine Partei Concessionen gemacht, die andere solche versprochen. Möge letztere sie gewähren, wenn der Antrag vorliegt: Doch endlich eine der Synagogen-Gemeinde als Eigenthum gehörige Synagoge herzustellen, auf daß die über 12,000 Seelen starke Gemeinde nicht noch länger in 18, und während der hohen Feiertage in 36 gemietheten Räumen, auf dem Hofe und in Stallgebäuden, ihren Gottesvienst verrichte. —r. Oesterreichischer Kaiserstaat. Krakau, 28. September. (Privatmitth.) Merkwürdig ist es, wie hier das Unkraut des Chassidismus in aller Ueppigkeit emporschießt. Wie Ihnen schon bereits bekannt ist, hatten wir vor 1 '/-> Jahren hier die Ehre, einen „Rebben" aus Zlözicker sich in unserer Stadt ansiedeln zu sehen, und ohne das geringste Hinderniß ist es ihm gelungen, nach drei Wochen seiner Ankunft einen Amuletenhandel und Kameoth-Berschleiß zu etabliren und einer Richtung des Chassidismus, die bisher nur den Sandcz'schen und Rodomskischen Chassidim eigen war, auch bei uns Bahn zu brechen. Diesem Hypokriten strömt alles niedere Volk zu, der Gebildete wird gründlicher als je verachtet, das Band der Achtung, das den Talmudisten von seiten dieser Naturmenschen gezollt wurde, löst sich in Geringschätzung derselben aus, und der Obscurant besiegt alle Herzen der wundersüchtigen Menge. Der Fanatismus nimmt überhand, mit ihm der absurde Aberglaube, fußend auf dem Principe des Dalai-Lama (so muß man sich ihren Rebben denken), und eine Aussicht auf Besserung ist unter solchen Umständen ganz unmöglich. — Schließlich noch einige Zeilen über die administrative Aufsicht der hiesigen Talmud-Thora, deren Aufrechthaltung unserer Gemeinde Ziel ist. In einer abgelegenen Gasse, die das Ende unserer Stadt bildet, steht ein etwas baufälliges^ von allen Seiten m'tt Pfeilern gestütztes Ge-

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