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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-10-13 · Heft 42 (13.10.1863) · p. Seite 647

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 42 (13.10.1863)
Date
1863-10-13
Page
Seite 647 (sequence 7)
Language
German
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647 Jacob Oberndorfer 10 fl., Joseph Löwenbach 6 fl., Dr. Drey 7 fl., A. Ä. Weil 5 fl., vr. Rau 5 fl. 15 kr., N. N. 3 fl. 30 kr., I. L. 2 fl., E. Prager 3 fl.; zusammen 273 fl. 15 kr. (ab 15 kr. Porto) — 156 Thlr. 905) Lehrer Jacoby in Potsdam 15 Sgr. 906) Kgl. Regierungs-Secretair Jennerich in Potsdam 1 Thlr. Gesammtsumme: 1624 Thlr. 23 Sgr. 8 Pf. Die Redaktion. Die Ethik des Maimonides. (Schluß.) Eine iuteressante moralisch-psychologische Frage beschäftigt Maimonides im sechsten Abschnitte, ob nämlich der Mensch, der seiner Leidenschaften nur nach hartem Kampfe Herr geworden, moralisch mehr werth fei als der Fromme, der die Tugend aus Neigung zum Guten ausübt. Er stellt hier die Meinung der Philosophen der unsrer Weisen gegenüber. Denn während jene behaupteten, daß der, welcher die Leidenschaft nur nach einem Kampfe bemeifiert, bei der Ausübung des Guten innern Gram empfindet und noch immer innere Neigung zum Bosen suhlt, der wahre Fromme aber die Tugend aus Lust am Guten ausübe, also eine höhere Stufe erstiegen habe — meinen unsere Weisen, daß der Mensch desto höher stehe, je mehr er kämpfen muß, um den Hang zum Bösen zu überwältigen, und daß die Belohnung der Tugend sich nach dem Grade der Anstrengung, die sie gekostet, richte. Maimonides vereinigt auf eine sehr sinnreiche Weise beide Meinungen. Die Philosophen hätten nämlich die groben Laster im Sinne: Mordthat, Diebstahl, Betrug u. s. f., wo allerdings der Mensch bei weitem moralischer ist, der gar keine Neigung dazu empfindet. Die jüdischen Weisen dagegen hätten an die nvTKiön rwnnn, d. h. Gesetze, denen gehorcht werden soll, ohne über ihren Grund zu grübeln*), gedacht, bei deren Befolgung das Verdienst desto größer sei, je mehr der Mensch Neigung zum Gegentheil hatte, als hinsichtlich verbotener Speisen u. s. f. Der siebente Abschnitt skizzirt die Hindernisse, die dem Menschen in der Erkeuntniß des göttliche» Wesens entgegentteten, nämlich die moralischen und intellectuellen Unvollkommenheiten des Menschen, die den Menschen von Gott trennen, und bestimmt die Grade der Propheten nach Maßgabe ihres moralischen Werthes, indem jede Leidenschaft dem Prophetengeiste entgegentritt und ihn schwächt, was er durch mehrere Beispiele erläutert. — Daß Maimonides, sobald er auf diese Weise ins eigentliche Gebiet der Theologie eingeht, seinen sonstigen Führer, Aristoteles, verläßt und seinen eigenen Weg weiter wandelt, ergiebt sich von selbst. Aristoteles ist noch dazu hierin ein sehr unabhängiger Denker, wie er es den Zeitverhältniffen nach sein mußte. Denn die griechische Mythologie hatte damals schon allen Glauben bei den Vernüustigeren verloren; demnächst hatten die Griechen nichts Göttliches mehr, was auf ihre Philosopheme influiren konnte. Ich kenne nur eine einzige Stelle in sammtlichen aristotelischen Werken, wo er von der Gottheit philosophisch spricht und auch nur mit wenigen Worten*). Er sagt daselbst, Gott sei das unsichtbare, beste Wesen, ein unbewegliches, vom Sinnlichen gettenntes, untheilbares und ungetheiltes, unveränderliches Dasein. Eine unmittelbare Verbindung der Gottheit mit der Welt, selbst mit der Physis, noch weniger eine moralische mit den Menschen, eine das Schicksal leitende Vorsehung kennt er gar nicht. Daß der Mensch nur mit Anlagen zum Guten oder Bosen, nicht mit Tugend oder Laster selbst aus der Hanv der Natur hervorgeht, behaupret Maimonides im Anfänge seiues achten Abschnitts, wie Aristoteles im Anfänge seines zweiten Buches Nikomachischer Ethik. Man fteuet sich darüber, wie Maimonides hierbei so umsichtig zu Werke geht und das Materialistische, das man gewöhnlich zu sehr übersieht, in Erwägung zieht. So sagt er unter anderem: „ein Mensch, dessen Temperament zum Trocknen neigt, dessen Gehirn sein und von geringer Feuchttgkeit ist: dem wird das Erlernen, Behalten und tiefere Auffassen leichter" u. s. w. Die Erziehung und Bildung aber gebe diesen Anlagen ihre bestimmte Richtung und wahrhafte Entwickelung. Deshalb sei die Astrologie — man bedenke, wie die damalige gesammte Menschheit unter dem Zepter dieses Truggebildes stand — reine Unwahrheit; wenn sie Wahrheit hätte und der Mensch zu seinen Handlungen gezwungen wäre, hätten alle Religion, alle Gesetze und Vorschriften ein Ende, *) bletsphxs. L. XI. c. VII. p. 250 eck. Tauchnitz. Zwov vuSiov, uqiqov — ovaiu. äxtvrjTog, xai xt%ta- QiG[Atv7] rCüv ato&qTwv — autgfjg xai ädiai^erog — ttvttXXoiWros. *) ins ‘nJ-nnb nwi -p»

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