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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-10-13 · Heft 42 (13.10.1863) · p. Seite 646

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 42 (13.10.1863)
Date
1863-10-13
Page
Seite 646 (sequence 6)
Language
German
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646 kommt erst auf siebenundzwanzig Christen ein Jude, und es ist daher unmöglich, daß sie durch ihre Zahl irgend einen bedeutenden Einfluß auf die Wahlkörper üben. In allen Provinzen, die wir persönlich naher kennen gelernt haben, wie Sachsen, Rheinland, Westphalen, besitzen und üben sie auch nicht die entfernteste Einwirkung, und man kann ihnen eher den Vorwurf machen, daß die Mehrzahl der Juden sich gar zu wenig an den politischen Bewegungen betheiligt. Ersetzen sie aber etwa die Geringfügigkeit der Zahl durch ihre hervorragende Befähigung und außergewöhnliche Rührigkeit? Nicht im geringsten. Das Abgeordnetenhaus zahlt nur zwei Juden in seinem Schvvße, und so ehrenwerthe Männer die Herren Reichenheim und vr. Kosch auch sind, so gehören sie doch keineswegs zu den entscheidenden Führern und den eigentlichen Potenzen des Hauses. Wo etwa Comitös in Stadt und Land zu politischen Anregungen zusammentreteu, finden sich uur hie und da, nur an wenigen Orten Juden darunter, und diese sind immer solche, die sich vielmehr anschließen, als die anregen und leiten. Würden sie ganz fehlen, so müßten wir dies unsererseits für ein Unglück, für ein Zeichen der Schwache und des Verfalls ansehen, die nicht genug zu beklagen waren. Zu der That ist es eine reine Fiction, eine gewaltsame Erdichtung, daß die politischen Bewegungen in Preußen von de» Juden ausgingen und beherrscht würden, eine Fiction und Täuschung, die wir ebenso abweisen würden, wenn sie von freundlicher Seite vorgebracht würde, wie jetzt, wo sie nur von eingefleischten Feinden ausgeht. Das zweite Moment ist, daß man den ganzen Liberalismus unserer Zeit als ein Product des Judenthums, den modernen Staat als einen „Juden staat" bezeichnet. Was müsien wir uns alles gefallen lassen! Wie ost hören wir, daß die Theokratie, daß die hierarchische Despotie von den Juden herrühre, daß die „Monarchie von Gottes Gnaden" eine Erfindung der Inden sei; und denselben Leuten ist es ein Leichtes, die Grundsätze der Duldung, der Gleichberechtigung, der Volksrechte und Volkssreiheiten als ein Werk des Judenthums hinzustellen, immer, wenn es ihnen in den Kram paßt. Gewöhnlich datirt man die Grundsätze des modernen Staates von 1789 her; aber wer weiß nicht, daß in der ganzen sranzöfischen Revolution und allen ihren Consequenzen kein einziger Jude thätig war. Voltaire, Rousseau, Montesquieu, Diderot waren keine Juden; weder die englische Revolution noch die nordamerikanischen Freiheitskämpfe haben ihre Motive im Judenthume. Daß die ewigen Principien des Menschenrechts schon in der mosaischen Urkunde verkündet worden, ist allerdigs wahr und trägt dazu bei, diese Urkunde zu einem ewigen Buche der Menschheit zu machen. Aber die Influenz dieses Buches geht viel zu sehr ins Große und Allgemeine, als um in ihm die speciellen Motive zeitlicher politischer Bewegungen, die aus dem Druck des Mittelalters und seiner vererbten Institutionen sowie aus dem Erwachen und Wachsthum der Civilisation hervorgiogen, zu finden. Aber der ganze Grund dieser Jnvectiven besteht lediglich darin, daß die Juden in dem modernen, auf Duldung und Gleichberechtigung gegründeten Staate aufhören Kammerknechte zu sein und die Erlaubaiß erhalten, als Menschen zu athmen und zu leben, als Bürger zu existireu und patriotische Glieder des Volkes zu sein. Dies wurmt diese Creaturen des Hasses, der Habgier und der Herrschsucht; dies können sie nicht verwinden und es wird in ihren giftgeschwollenen Herzen immer wieder zu Anklagen und Verfolgungen der Juden! Doch die Ansicht, die sich uns aus vielen Erfahrungen des Lebens aus dem politischen wie religiösen Gebiete gebildet hat, ist: die Welt laßt sich zwar durch alle diese Kämpfe und Machinationen zeitweise verschlechtern, aber zurückschraubeu läßt sie sich niemals! Spenden-Liste für die Niefer - Stiftung l) zur monumentalen Herausgabe der Schriften Rießer's, 2) zur Unterstützung solcher Israeliten, die Gerichrsaffessoren oder zu Gymnasial- und Nniversitats- Lehrämtem befähigt, aber ihrer Religion wegen nicht angestellt sind. 872—904) Prediger Dr. Engelbert und A. Marx in München ges. von Lippmanu Marx l0 fl., Marcus Pflaum 10 fl., Arnold Marx 7 fl., David Uhlfelder 10 fl., vr. Heule 7 fl., vr. Gotthelf 10 fl., A. Merzbacher 10 fl., M. Guggenheimer 10 fl., I. A. Wassermann 7 fl., Salomon Rau 10 fl., Anton Berliner 7 fl., B. & L. Cohen 10 fl., A. Cohen 5 fl., vr. KouigSwarter 10 fl., Herrmann Marx 7 fl., I. L. Kohn 10 fl., I. Krön 10 fl., Gebrüder Oberodörffer 7 fl., M. Bachmann & Co. 8 fl. 45 kr., I. L. Feuchtwanger 8 fl. 45 kr., H. Hellmann 7 fl., A. Lehmann 10 st., Joseph v. Hirsch 25 fl., Sig. Hellwing 5 fl., Fabrikant Wassermann 10 fl.,

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