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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-10-13 · Heft 42 (13.10.1863) · p. Seite 645

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 42 (13.10.1863)
Date
1863-10-13
Page
Seite 645 (sequence 5)
Language
German
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645 Die feudale Presse in Serlin. Als Vorbereitung zu den bevorstehenden Wahlen in Preußen von ihrer Seite versucht die berliner feudale Presse das alte Spiel, die Juden zum Sündenbock und Prügelknaben für die immense Majorität des preußischen Volkes zu machen. Sie sucht einerseits die ganze Stimmung des preußischen Volkes als durch den Einfluß der Juden hervorgerusen und beherrscht darzustellen, andererseits den gesammten Liberalismus und den modernen Staat als einen Ausfluß der jüdischen Ansichten, als ein Product der jüdischen Weltanschauung zu bezeichnen. Im Hintergründe liegt ihr dabei nichts anderes im Sinne, als die Liberalen und alle liberalen Bestrebungen durch das Epitheton Jude und jüdisch dem Volke zu verleiden und verächtlich zu machen. Daß es ihr hiermit nicht gelingt, daß sie vielmehr dahin gelangt, die Juden damit in Ehre zu bringen, wollen wir nicht allein der Aufklärung des preußischen Volkes zuschreiben, sondern auch den Zuständen und Ereignissen, welche die große Mehrheit des Volkes auf die liberale Seite hindrängen. Die feudale Presse nützt uns also geradezu, und da wir dies schon wiederholt ausgeführt, würden wir nicht darauf zurückkommen, wenn die Frechheit und der Uebermuth diesmal nicht alle Schranken überstiegen, wenn nicht diese ganze Erscheinung ein zu merkwürdiges Phänomen unserer Zeit und darum immer wieder zu registriren wäre, und wenn nicht wenigstens zeitweise daraus schwere Uebelstande für uns «fließen könnten, da es nicht zu verkennen ist, daß diese feudale Presse die Augen und Ohren der jeweiligen Machthaber in Besitz haben. Wir dürfen uns nicht einbilden, daß die Redacteure dieser feudalen Presse nicht ebenso gut wüßten wie wir, daß ihr Geheul im Volke nur taube Ohren findet. Sie schreiben wissentlich oft nur für einige wenige Personen, ja nur für eine Person, deren Herz sie verbittern, deren Sinn sie verdunkeln wollen. Heben wir diesmal nur einige Stellen aus der „Berliner Revue" hervor. Sie schreibt in ihrer neuesten Nummer: „Während gegenwärtig die Elite des preußischen Volkes im Osten Berlins im Waffenschmucke vor ihrem Könige zeigt, daß Preußen noch Preußen ist und nicht ein parlamentarischer Urbrei, ergeht sich die Elite des Volkes Israel in Berlin in Schmähungen auf die christliche Religion, in Hohn und Spott darüber, daß die Kreuzzeitung mit Gebet zu den Wahlen gehen heißt. Was ist die ganze Politik, ja, der ganze Conservatismus werth, wenn er nicht in jeder seiner Functionen getragen und belebt ist vom Geiste des positiven Christenthums? Es ist das ernstliche Gebet aller preußischen Christen durchaus erforderlich, auf daß der HErr nicht länger das Wühlen der Säue in Seinem Weinberge zulaffe. Die Volkszeitung denuncirt die Krcuzzeitung wegen Hochverrats, weil das letztere Blatt nicht die Verfassung über den König stellt und dieselbe bei offenem Aufruhr für suspendirbar hält. Offenem Aufruhr aber kommt es gleich, wenn Menschen wieder gewählt werden, die selbst Preuße zu sein die Ehre haben und" :c. In einem anderen Artikel: „Die neue, hoffentlich letzte Probe" (der Verfassung nämlich) betitelt, macht die Revne den Vorschlag, ein anderes Wahlgesetz zu schaffen, und leitet denselben folgendermaßen ein: „Solange das Volk nicht zur klaren Einsicht davon kommt, daß es seit Jahren schon ein bloßes Werkzeug der Juden ist, und solange die Verordnung vom 30. Mai 1849 als Wahlgesetz gilt, solange wird ein verwendbarer parlamentarischer Körper nicht zur Erscheinung kommen, wird unter dem Namen der Fortschritts-Partei das Judenthnm vielmehr nach wie vor bestrebt sein, sich zur herrschenden Klasse zu machen, den Staat unmittelbar für sich zu gestalten; solange schweben wir fortdauernd in Gefahr, ein Judenstaat zu werden." Um diese Expectorationen nur mit einem ernsten Worte beurtheilen zu können, müssen wir von der Lächerlichkeit abstrahiren, wenn wir einen Bruno Bauer sich als Vertheidiger des positiven Christenthums geriren sehen! Doch überlassen wir diesen Helden des Atheismus, diesen Heros der materialistischen Kritik seinem Gebühren! Die Welt kennt seine Motive. Doch beleuchten wir die beiden Momente, die wir oben hervorhoben, mit einigen Worten. Der Einfluß der Juden soll es sein, der die Conflicte und außergewöhnlichen Zustände in Preußen hervorgebracht habe! Wo ist denn aber dieser Einfluß verspürbar? Wo besteht er? Wo macht er sich geltend? Ueberall im preußischen Staate bilden die Juden eine verschwindende Minorität. Die Provinz Posen ist der einzige Landstrich, wo die Juden eine numerische Bedeutung hätten. Aber gerade hier haben sie sich stets auf die Seite der Deutschen gestellt, standen mit diesen in Opposition gegen die polnische Bevölkerung und haben so dem preußischen Staate die wichtigsten, für ihn conservativsten Dienste geleistet. Schlagen wir selbst die Zahl der Juden in Berlin aus zwanzigtausend an, so

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