Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 41 (6.10.1863)
- Date
- 1863-10-06
- Page
- Seite 635 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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635 Abend trennte sich die Gesellschaft, und hiermit endete ein Fest, das noch lange fortleben wird in der Erinnerung aller derer, die daran Theil genommen. Wir können nicht umhin, bei dieser Gelegenheit die Leser dieses weit verbreiteten Blattes auf ein Werkchen aufmerksam zu machen, welches vor kurzem von dem Jubilar unter dem Titel: a-'Tir: -ns herausgegeben worden ist. Dasselbe bildet ein würdiges Pendant zu dem schon früher von demselben Verfasser erschienenen a^-n das in einem schönen, fließenden Hebräisch Betrachtungen über die rmasr: enthält und ganz besonders zum Vorträgen in den rii^iar: geeignet ist. Dasselbe hat, wie auch ein anderes Werk des Herrn Schütz: „Worte des Bundes", in diesen Blättern und in anderen namhaften Zeitschriften (Frankens Monatsschrift, Klein's Jahrb. u. a.) die günstigste Beurtheilung gefunden. Was das neuerdings erschienene 'rin'rr betrifft, so enthält dasselbe 10 Homilien in hebräischer Sprache, von denen die erste und letzte sich über Bestimmung des Menschen und Gottesfurcht verbreiten, während von den übrigen die ersten 4 zum Vorträgen im Hause von Leidtragenden, die 4 anderen für 'c nara bestimmt sind. Die edle Sprache, die Fülle schöner Gedanken sowie die geschickte Anwendung und sinnige Erklärung pikanter Talmud- und Midraschstellen geben diesen Homilien vor vielen andern ähnlicher Bestimmung den hohen Vorzug, daß sie ebenso erbauend und erhebend auf das Gemüth wie anregend und belehrend auf den Verstand des Lesers oder Zuhörers wirken. Sie werden daher jedem Kenner des Hebräischen, ganz besonders aber unseren Herren Collegen, die in ihren Gemeinden derartige Vorträge zu halten haben, eine willkommene Gabe sein. Möge eine recht weite Verbreitung des Werkchens den unermüdlichen Eifer des greisen Verfassers lohnen. Walde. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 25. September. (Privatmitth.) Das Abgeordnetenhaus hat am Mittwoch keine Sitzung gehalten wegen des jüdischen Festtages. Der Präsident des Hauses gab dieses Motiv selbst in der Montagssitzung an. Man kann sich denken, daß diese Kundgebung eines loyalen, gerechten Sinnes gewissen Leuten großes Leid verursachte. Die „Presse" berichtet darüber: „Als der Präsident des Abgeordnetenhauses am Schluß der gestrigen Sitzung ankündigte, daß die nächste Sitzung erst am Donnerstag stattfinden würde, fügte er als Al oliv bei, der Dienstag sei für Ausschußsitzungen bestimmt, der Mittwoch aber ein jüdischer hoher Feiertag. Das ärgert heute den „Bolksfteund" gar sehr; er mags nicht leiden, daß „die Millionen der im engern Reichsrath vertretenen christlichen Bevölkerung den Langen Tag der Juden deshalb mitfeiern müssen, weil zwei Israeliten im Unterhause sitzen". Der „Volksfreund" meint sogar, wenn schon der Präsident „auf den Langen Tag der Juden überschwängliche Rücksicht nehmen" wollte, so war es doch nicht nothwendig, „diese zarte Rücksichtnahme öffentlich als Grund des Ferialtages zu enunciren und in demonstrativer Weise den Langen Tag als einen für das ganze Haus verpflichtenden und gültigen Rast- und Feiertag zu proclamiren". Zu erwidern braucht man wohl hierauf nichts; aber kennen soll man solche Aeußerungen des frommen „Volksfreund", der sich „christlich" nennt. Also im geheimen hätte man den Juden eine Concession machen können, nur nicht öffentlich. Uns scheint umgekehrt das Anerkenntniß, das der Präsident ausgesprochen, viel werthvoller als die thatsächliche Rücksicht selber." Gyula (B. Tschanader Comitat), 18. September. (Privatmitth.) ES haben hier leider! Excesse der traurigsten Art stattgefunden. Der Rabbiner Herr I. W. Bak, ein höchst tüchtiger und best beleumundeter Mann, hatte am ersten Tage des rH Festes über die Irreligiosität gesprochen; die Gemeinde zog alles auf sich und entblödete sich nicht, am zweiten Tage in der Synagoge vor dem Schofarblasen den Rabbiner dermaßen thätlich zu mißhandeln, daß derselbe flüchten mußte und fast im Flusse ertrunken wäre. Nur die Dazwischenkunft der Panduren schützte ihn. Die Sache hat eine sehr ernsthafte Wendung genommen, indem sie nothwendiger Weise vor das Gericht gezogen wurde. Wir geben die nackte Thatsache ohne Commentar. Frankreich. Paris, im September. (Privatmitth.) Sie haben den Lesern d. Zeitg. über die ehrenvolle Anerkennung, welche dem Prof. I»r. Julius Oppert, einem deutschen Israeliten, durch den ihm von der Akademie für seine schriftstellerischen Leistungen zuerkannten Napo- 41**