Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 41 (6.10.1863)
- Date
- 1863-10-06
- Page
- Seite 634 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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S34 geschloffen und dieses Wochenblatt ganz treffend als „eine Champagnerhandlung, die ihren Gästen nur Weißbier präsentirt", bezeichnet. Das Blatt sei als „ein Gegengift gegen die Einflüsse des Kladderadatsch" gegründet, vermöge aber diesen Zweck darum nicht zu erreichen, „weil man gegen den Witz und die Satyre nicht witzig und satyrisch" sein könne. Was dem Blatte vorzugsweise schade resp. die Wirkung ihm ganz besonders benehme, sei der Umstand, daß seine Angriffe nur zu ausschließlich gegen „das Judenthum und die Demokratie" sich richten. Du siehst also, lieber Leser, daß der Jesuit Hilaris mitunter auch die lauterste Wahrheit redet. Was er gegen alle übrigen berliner Blätter und deren Redacteure vorbringt, geht uns weiter nichts an. Das Gebühren ist überall dasselbe, die Sprache überall gleich boshaft und trivial. Der Schelm verkappt sich, jedoch vergebens. — Louis Wehl. Cleve, im September. (Privatmitth.) Die hiesige israelitische Gemeinde feierte am 9. September das seltene Fest des 50jährigen Amtßjubiläums ihres Religionslehrers und Borbeters, des durch seine trefflichen Schriften auch in weitern Kreisen bekannten Herrn H. I. Schütz. Dieses Fest, an sich schon selten, gewann noch bedeutend an Wichtigkeit durch den Umstand, daß der Jubilar jene hohen Aemter wahrend dieser ganzen Zeit ausschließlich in der hiesigen Gemeinde bekleidete. Der unermüdliche Eifer, mit welchem er sich seinen schweren Berufspflichten hingab, und die innige Theilnahme an allem, was ein halbes Jahrhundert an Freude und Leid der Gemeinde brachte, gewann ihm die Liebe und Verehrung derselben in einer Weise, die ihm auch die Achtung der hiesigen christlichen Bevölkerung zuführte. Somit konnte es nicht ausbleiben, daß man sich allerseits bemühte, seinen Ehrentag in würdigster Weise zu begehen. Nachdem bereits am Vorabende des Tages die hiesige Liedertafel ihm ein Ständchen gebracht hatte, überreichte ihm der Bürgermeister am Festmorgen um 9 '/2 Uhr nach einer herzlichen Begrüßung das ihm von Sr. Majestät dem Könige verliehene allgemeine Ehrenzeichen. Inzwischen hatte sich die Gemeinde in die festlich geschmückte Synagoge begeben, woselbst sich auch Mitglieder anderer Confessionen zahlreich eingefunden hatten. Punkt l0 Uhr trat auch der Jubilar hier ein, geführt von den Repräsentanten der Gemeinde und dem Fest-Comite. Der Vorsteher, Herr Adolf Cosmann, hielt nun in Gegenwart der ganzen Versammlung eine ebenso schöne wie herzliche Ansprache an den Jubilar, worin er unter anderm mit kurzen, aber inhaltreichen Worten der Verdienste desselben um die Förderung des sittlich-religiösen Geistes in unserer Gemeinde gedachte, und überreichte ihm als äußeres Zeichen der Anerkennung einen prachtvollen silbernen, inwendig vergoldeten, mit einer deutschen und einer hebräischen Inschrift versehenen Pokal, in Begleitung eines von Hrn. Charles Blömendal hieselbst gedichteten, an Form und Inhalt schönen Festgrußes. Zugleich übergab er ihm im Namen des Herrn Ober-Rabbiners Bodenheimer zu Crefeld das von demselben bei dieser Gelgenheit dem Jubilar verliehene Diplom. Nach diesem Acte begann der eigentliche Festgottesbienst mit einem schönen Ctoral, deffen Text auf die Feier selbst Bezug hatte und ein Gebet für den Jubilar enthielt. Schreiber dieses, seit einigen Jahren bei der hiesigen Gemeinde als Lehrer angestellt, war vom Vorstände der ehrende Auftrag geworden, die Festrede zu halten. Dieselbe verbreitete sich, ausgehend von den Worten Simons des Gerechten Spr. d. Väter I. 2. über rmr^ rrror und Ä als die Säulen des sittlich-religiösen Lebens und wies auf die hohen Verdienste hin, die der Jubilar um die Pflege und Förderung derselben hatte. Die schöne Hymne: „Danket dem Herrn" von Klauer, schloß den Gottesdienst. Nachdem der Jubilar noch die Glückwünsche der zahlreichen Anwesenden persönlich empfangen, fuhr er in Begleitung des Vorstandes und des Fest-Comite's nach seiner Wohnung. Dorthin begab sich um 12 Uhr eine aus 5 Personen bestehende Deputation des Stadtraths und begrüßte ihn daselbst in herzlichster Weise. Nach und nach fanden sich hier auch die Spitzen der hiesigen Behörden, ein Theil der Geistlichkeit, mehrere christliche Collegen und viele andere zur Begrüßung ein. Um 2 Uhr flmd dem Jubilar zu Ehren in dem festlich decorirten „weißen Rathhaussaale" ein solennes Festessen statt, an welchem 70—SO Personen, fast zur Hälfte aus den Notabilitäten der christlichen Bevölkerung unserer Stadt bestehend, Theil nahmen. Hier nun ward dem Frohsinn und der Heiterkeit in vollem Maße Rechnung getragen. Während des ganzen Mahles herrschte eine ebenso gemächliche wie fröhliche Stimmung, welche sich ganz besonders in einer langen Reihe heiterer und ernster Toaste kund gab. Erst am späten