Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 41 (6.10.1863)
- Date
- 1863-10-06
- Page
- Seite 633 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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633 zu maltraitiren. Herr Auerbach, welcher eine „gemeinsame demonstrative Uhland-Feier durch den Journalisten-Verein" vorgeschlagen haben soll, muß sich hinter seinem Namen die säubern Prädikate „dorfgeschichtlicher Betriebsamkeit und in höheren Regionen aufs tiefste verunglückter, von der Birchpfeifer aber dramatisch zerarbeiteter, knalleffectlich her- und dramatisch Hingerichteter, nachgelesener Vorleser" als Anhängsel gefallen lassen. Einen Zweck erreicht der Pamphletist vollkommen, ja weit mehr noch als er sichs je hat träumen lassen. Er will die Lachmuskeln seiner Leser in Bewegung setzen, und er erschüttert ihr Zwerchfell — aber nur durch die Art und Weise, wie er selber im höchsten Grade sich lächerlich macht, wie er seine eigene struppige Haut so unbarmherzig zum Markte trägt. Und nun folgt der Kern — der durch und durch so faule Kern — des Pamphlets. Es ist dies die „Revue", welche der Pamphletist die berliner Blätter und ihre Redacteure passiren läßt. Mit der „Spenerschen Zeitung" wird der Reigen eröffnet, und der Umstand nun, daß dieses Blatt zu seinen Hauptmitarbeitern die Brüder Dr. S. und Dr. M. Gumbinner zählt, bietet dem Lerf. eine treffliche Gelegenheit, eine ganze Batterie schaler Witze abzuschießen und auch im Wortspiel-Machen das große Licht seines Geistes glänzen zu lassen. Nicht besser als der S p e n e r s ch e n gehts der Vos - sischen, und hinter dieser kommt gleich die „Volks- Zeitung", deren Leitarrikelschrciber, Herr Bernstein, als ein „jüdischer Reform-Greis, ohne jede politische Einsicht, blos mit dem Talent ausgerüstet, über die politischen Tagesfragen in einer stilistischen Weise zu schwatzen und zu schwebbeln", dargestellt und dem „wirklich gelehrt" zu sein „nur auf naturwissenschaftlichem Gebiete" zugestanden wird. Hold heim, der Volks- Zeitung nomineller Redacteur, „gleichfalls ein Jude", sei eine „politische und literarische Nullität", und Franz Dunker, des Blattes Eigenrhümer, halte seine Buchhandlung für den Mittelpunkt der deutschen Volkspartei, während sie nie etwas anderes als „eine Eommandite der abrahamitischen und isaakitischen Jakobiner-Partei" gewesen. Wirklich charakteristisch ist das, was unser Pater Hilaris über die Kreuzzeitung sagt. Er meint, daß es durchaus unrichtig sei, die Parrei, weiche durch dieses Blatt vertreten werde, die „reactionäre", oder die „feudale", oder — wie sie selber sich bezeichne, — die „konservative" zu nennen, da sie im Gegensatz zur demokratischen nur die „aristokratische Partei" heißen müsse. Wollte die Kreuzzeitung sich geradezu als Vertreterin der aristokratischen Partei proclamiren, so würde sie ebensowohl an Verbreitung als auch an Einfluß bedeutend gewinnen. Was ihr hauptsächlich die Gegnerschaft des Volkes zuzöge, das seien die „servilen Phrasen" und das „orthodoxe kirchliche Gebühren". Unter den Hauptmitarbeitern wird Gerl ach als der wichtigste Leitartikelschreiber und „Rundschauer", Gödsche als Redacteur des Zuschauers und „Fanatiker des Absolutismus" bezeichnet. Das „Preußische Volksblatt" wird ganz treffend als Ableger der Kreuzzeitung dargestellt. Es sei das „Organ der aristokratischen Partei für die niedern Volksschichten", welches, ohne die Vorzüge der Kreuzzeitung zu besitzen, deren Fehler in erhöhtem Maße zeige. Von dem Justizrath Wag euer gegründet, werde es von Mitarbeitern wie Edgar Bauer:c. unterstützt, — Leuten, die „nicht aus Ueberzeugung sich dem Blatte gewidmet" haben, vielmehr ihre Mitwirkung nur als „Broterwerb" oder nur als „Ulk" betrachten. — Von der, durch Dr. Retslag redigirten, „Berliner Abendzeitung" wird gesagt, daß durch sie einem längst gefühlten Bedürfnisse — nicht des Publikums, sondern eines jüdischen Banquiers, der an preßhaften Zuständen gelitten, — abgeholfen worden wäre. — Wer löst dieses Räthsel? Das Raisonnemenr über die „Gerichtszeitung" schließt mit dem faulen Wortspiel, daß der Eigenthümer des Blattes, Buchhändler Berends, ein jüdischer Geschäftsmann sei, der die christliche Absicht habe, mir seinem Blatte ein Heidengeld zu verdienen. „Kladderadarsch" wird das „am verderblichsten wirkende" unter allen deutschen Blättern genannt, weil cs mit dem ihm eigenen „kaustischen Judenwitze" alles, auch das Erhabenste, in den Koth ziehe. Obwohl dieses Blatt nebenbei auch „an dem Gelingen einer jüdisch-demokratischen Bewegung" Antheil nehme, so sei doch seines Strebens einziges Ziel die Geldmacht, d. h. den Eigenthümer «Hoffmann) zum unermeßlich reichen Manne zu machen. Hierfür werde von des Blattes drei Hauptmitarbeitern, Dohm, Kalisch und Löwenstein, welche sämmtlich Juden seien, bestens gesorgt. Mit dem „Kleinen Reactionär" wird der Reigen 41