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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-10-06 · Heft 41 (6.10.1863) · p. Seite 630

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 41 (6.10.1863)
Date
1863-10-06
Page
Seite 630 (sequence 6)
Language
German
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630 die fünf Sinne darunter. 3) Das Begehruugsvermögen gleich dem vqzxtixov. 4) Verslandeskraft ("’Vsc“) gleich dem Öiavortrrx6y. Nun aber sind Maimonides und Aristoteles hinsichtlich des fünften Seelenvermö^cn? scheinbar verschieden*). MaimonideS zählt nämlich noch die Einbildungskraft (Nt2-r?2N) auf, Aristoteles die örtliche Bewegungskraft to y.ivrtTiy.ov y.uxu tov tqtiov. Denn Aristoteles rechnet die Einbildungskraft zum Sinnesvermögen, insofern zwar „die Phantasie mit der sinnlichen Empfindung nicht eine und dieselbe sei, aber doch ohne Sinneskraft nicht existire, sondern vielmehr eine Verbindung der Sinneskraft und des Denkvermögens sei"**). Uebereinstimmend hiermit erklärt Maimonides: „Die Einbildungskraft ist das Vermögen, gehabte Empfindungen da noch zu wiederholen, wo die Gegenstände, welche Eindruck aus die Sinne machten, schon längst abwesend sind". Von der andern Seite nahm Maimonides mit Recht die örtliche Bewegungskraft nicht als besonderes Vermögen an, indem Aristoteles selbst die Bewegung aus dem Begehrungsvermögen hervorgehen und bewirkt werden läßt, also Las letztere eigentlich mit jener dasielbe ist***). Im zweiten Abschnitte untersucht nun Maimonides, welche Seelenkräfte die Ursache und Quelle der guten und schlechten Sitten seien, d. h. der Uebertretung und Befolgung der Gebote und Verbote. Hier folgt nun Maimonides abermals ganz dem Aristoteles, indem er zwei Vollkommenheiten swir^v) annimmt, die moralische und intellectuelle (rvprrt: rr.-rci), wie jener ugerui öiuvortriy.al und rftry.aif). Ebenso führt Maimonides drei Arten der intellectuellen Vollkommenheit an: die Vernunft (rr^n aoqta, wörtlich bei beiden Weisheit) , den Verstand (rr:« <fgovrtaig) und den Scharfsinn (niisrr: nr? cvvtaig)-f\). Aber in der eigentlichen Bestimmung der Quelle der Tugend und des Lasters weicht Maimonides etwas vom Aristoteles ab. Aristoteles nämlich stellt als Quelle derselben das Begehrungs - und Denkvermögen dar. Maimonides sagt *) Ich habe dieses deshalb als fünftes angenommen, obgleich es eigentlich beim Aristoteles viertes, beim Maimonides drittes ist. **) De anim. 111. c. 3. §. 4. ***) De anim. 111. c. 10. •f*) Elliic. Nicom. 1. 1. c. 13. tt) Vergl. das ganze sechste Buch der Nikomachischen Ethik des Aristoteles, das von der intellectuellen Vollkommenheit handelt. dasselbe vom Begehrungsvermogen, vom Denkvermögen aber meint er, es sei unentschieden. Dagegen stellt er das Sinnesvermögen noch mit auf: aber er suhlte selbst bald die Unhaltbarkeit des letztern, indem er späterhin bemerkt, daß „das Sinnesvermögen nur untergeordnet dem Begehrungsvermögen hierbei dient". Sehen wir genauer nach, so läßt Maimonides mit Unrecht das Denkvermögen als Quelle der Tugend und Sünde aus. Denn sowohl zu rechtlichen und guten Werken sind uothweudig und spornen an richtige Vorstellungen, als auch den Sünder zu seinen Thaten falsche Vorstellungen von den Verhältnissen des Menschen zu sich und Gott am meisten verleiten. — Den Beweis, daß die ernährende Kraft keinen Theil hieran habe, fuhrt Maimonides ganz mit Aristoteles Worten: „denn im Schlafe fnngirt ja dieses Vermögen weiter fort", und im Schlafe fündigen wir nicht und thun nichts Gutes, was der Fall fein müßte, wenn diese Kraft hiezu beitrüge. Der kurze dritte Abschnitt enthält die Ausführung des Satzes, daß die Seele krank sei, wenn sie sich der Jmmoralitär ergiebt, und daß sie dann ebenso einer Heilung bedürfe als ein kranker Körper. Der wichtigste Abschnitt ist nun der vierte, in welchem er zur nähern Definition der Tugend und moralischen Vollkommenheit kommt. In diesem Abschnitte ist Maimonides aber auch mehr als irgendwo Aristoteliker und stellt das Princip des Aristoteles ganz als das seinige dar. Aristoteles definirt die Tugend als die erwählte Handlung in die Mitte gesetzt; Mitte ist aber die glcichweite Entfernung zweier Extreme, Laster, des zu Vielen und zu Wenigen*). Maimonides erklärt moralische Handlungen als solche, die zwischen zwei gleich schädlichen Extremen, dem zu Vielen und zu Wenigen, die Mitte halten; moralische Vollkommenheiten sind geistige Eigenschaften und Fertigkeiten, die zwischen zwei Extremen die Wage halten. Hierzu führt er dieselben Beispiele an als Aristoteles; so: die Tollkühnheit ist das eine Extrem, die Feigheit das andere, in der Mitte steht die Tapferkeit**); die Verschwendung das eine, der Geiz das andere Extrem, die Mitte die Mildthätigkeit***); die Ehrsucht das eine, die Selbst- *) Eiliic. Nicom. II. 6. Der Entwickelung dieses Satzes widmet Aristoteles das zweite Buch, ja eigentlich das ganze Werk. **) 11. 7. 111. 6—9. Auch aus dem Epitomator des Aristoteles ersehen wir dasselbe, Eudem. 111. e. 1. ***) IV. 1. Eudem. III. 4.

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