Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 41 (6.10.1863)
- Date
- 1863-10-06
- Page
- Seite 629 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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629 I. Stern in Seesen 10 Thlr. 870) I. Löwenthal in Elberfeld 10 Sgr. 871) Vorstand der Synagogen- Gemeinde in Hirschberg (nach einer Predigt des Rabbiuers Herrn Dr. Joel) gef. 8 Thlr. 10'/» Sgr. — Gesammtsumme: 1467 Thlr. 8 Sgr. 8 Pf. Die Redaction. Die Ethik des Maimonides. Wir erhalten soeben: „Mose den Maimün’s (Maimonides). Acht Capitel. Arabisch und deutsch mit Anmerkungen von vr. M. Wolfs (in Gothenburg). Leipzig 1863." Es ist dies eine um so willkommenere Gabe, als hierdurch der arabische Originaltext, der bis jetzt nur in der Pocock'schen Ausgabe vorhanden war und der hier vielfach verbessert und durch die linguistischen „Zusätze" des Prof. Fleischer bereichert erscheint, dem Publikum dargeboten wird, und sich so diese Ausgabe der Munk'schen Edition des Moreh würdig anreiht. Bekanntlich haben schon Dr. Salomon und Dr. Falkenheim (Königsberg) eine deutsche Uebersetzung der „acht Capitel^ (8edemone Perakim) geliefert. Die neue des Herrn Dr. Wolff zeichnet sich von den genannten, übrigens trefflichen Bearbeitungen dadurch ab, daß sie sich treu an daS arabische Original halt und mit Eifer und Glück die feinen Nüancirungen dieser Sprache wiederzugeben strebt. Dabei ist es dem Uebersetzer gelungen, der deutschen Sprache meist keine Gewalt anzuthun, so daß sich seine Uebersetzung sehr gut lesen läßt. Der arabische Text ist, wie Munk auch gethan, mit hebräischen Lettern gegeben, da die arabisch-spanischen Rabbinen ihre arabischen Werke mit hebräischen Buchstaben zu schreiben pflegten. In reichen, dem Werke angehängten Anmerkungen erläutert der Perf. in gelehrter und gründlicher Weise alle schwierigen Stellen des Buches, wozu er vergleichende Blicke auf ältere und neuere Autoren wirft und dabei erweist, daß er auf dem weitläufigen Gebiete der einschlägigen ältern und neuern Literatur völlig heimisch ist. Bekanntlich sind diese „acht Capitel" des Maimonides eine Einleitung zur Mischnah Aboth und enthalten das ethische System des großen Meisters, wie es sich auf seine psychologische Anschauung gründet. Hier aber ist er mehr als irgendwo Aristoteliker und bewegt sich um so freier, als er auf diesem Gebiete die Bereinigung der Offenbarungslehre mit der aristotelischen Philosophie ungehinderter durchführen kann. Was wir an dem Werke des Herrn Dr. M. Wolff vermissen, ist daher eine Einleitung, die dem Leser eine Uebersicht sowohl über den Inhalt der Schrift und die Anschauungen des Maimonides als auch über die Jncidenr- und Differenzpunkte zwischen ihm und Aristoteles verschaffte. Wir bedauern, daß der Herr Verfasser unsere Abhandlung in unserm Israelitischen Predigt- und Schulmagazin: „Ueber die Philosophie des Maimonides mit besonderer Berücksichtigung ihrer Quelle, des Aristoteles" nicht gekannt zu haben scheint, da diese Abhandlung wesentlich eine solche Einleitung zu den „acht Capiteln" des Maimonides enthält, die den Verfasser gewiß zur Bearbeitung einer derartigen Einleitung veranlaßt hätte. Aus diesem Grunde und um eines andern Motivs willen noch erlauben wir uns hier den bezüglichen Theil unserer Abhandlung wiederzugeben. Bei der vorwiegenden Richtung unserer Zeit nämlich erscheint es uns von großer Bedeutung, überall da, wo sich wichtige Anknüpfungspunkte finden, auf die Heroen unserer Vorzeit zurückzugehen und uns an deren Bestrebungen anzuschließen. Erweisen wir, daß die Zielpunkte unserer Zeit nicht in der Luft schweben, sondern sich auch bei uns Juden in einer völligen Continuität der Entwickelung befinden; daß die philosophische Bearbeitung des Judenthums und das Streben, das letztere mit der Weltcultur in Harmonie zu setzen, nichts Neues ist, sondern in allen bedeutenden Epochen unseres Volkslebens zum Durchbruch kam und immer wieder ausgenommen wurde. Dem Gelehrten und tiefer Blickenden ist dies längst keine Frage mehr, aber dem großen Publikum cs zum Bewußtsein zu bringen, bedarf es immer erneuerter Nachweisung und Mahnung. — Die Schemone Perakim sollen nach der Absicht des Verf. eine Einleitung in den talmudischen Tractat Aboth bilden: eine Psychologie in acht Abschnitten. Er spricht daher im ersten Abschnitte von vermenschlichen Seele und ihren Kräften, weil, wer die Seele heilen will, sie zuerst kennen lernen muß. Hier finden wir denn gleich den Aristoteliker. Er nimmt nämlich wie Aristoteles fünf Vermögen der Seele an: 1) die ernährende Kraft (",7N), gleich dem griechischen &Qt7tTty.w*), als diejenige , welche die Verdauung der Speisen bewirke; zu dieser rechnet Maimonides ebenso die Zeugungskraft (“pylori) wie Aristoteles ytvtoig. 2) Die Sinneskraft (2^2-12N), gleich dem alo&r^i/.ov; beide verstehen *) Aristot. de anim. II. c. 3. §. 1.