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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-10-06 · Heft 41 (6.10.1863) · p. Seite 628

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 41 (6.10.1863)
Date
1863-10-06
Page
Seite 628 (sequence 4)
Language
German
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628 bestimmter Weise aus und will die FeindeSliebe, den Segen für die, die uns fluchen, die Fürbitte für die, die uns verfolgen. Es ist dies eine Consequenz, die in das Ideale führt und als solche auf den Lippen des Predigers am Platze ist. Wenn der Absatz schließt: „So sollt nun ihr vollkommen sein, gleichwie euer Vater im Himmel vollkommen ist", so ist dies ein Ausspruch, der schon auf den ersten Blättern der heiligen Schrift verzeichnet steht. — Die Bergpredigt fahrt mit nachdrücklichen Warnungen vor allem Prunken mit Wohlthätigkeit und Frömmigkeit, vor der Geschwätzigkeit im Beten und vor dem Schautragen des Fastens fort, Warnungen, die an allen Orten und in allen Zeiten am Platze sind. Im Verfolge wird ferner von dem Hangen an irdischen Schätzen abgemahnt und dann der Schluß gezogen, daß wir für die Bedürfnisse des Lebens, wie Nahrung und Kleidung, keine Sorge tragen, sondern diese Gott überlassen sollen, der die Vögel des Himmels nährt, die nicht säen noch ernten noch einsammeln, und die Lilien des Feldes kleidet, die nicht arbeiten und spinnen. Bezieht man dies auf die übermäßige Sorglichkeit der Menschen für den Bedarf des Leibes, auf das unbegrenzte Versenken in die gewerblichen Arbeiten, so ist es eine angemessene Mahnung. Sie wird aber zur gefährlichen Uebertreibung, sobald sie jede Arbeit und Sorge für das Nothwendige des Lebens zurnckweist. Die menschliche Gesellschaft würde unter solchen Bedingungen nicht bestehen können und der Segen der Thätigkeit dem Menschen entfallen. Auch treffen die Gleichnisse nicht zu, denn die Vögel des Himmels müssen ihre Nahrung suchen, und die Pflanzen arbeiten gar wohl, um die Säfte der Erde an sich zu ziehen, Nahrung aus Luft und Licht zu gewinnen, und verarbeiten diese in ihrem Innern. Der Redner fährt fort: „Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet. Denn sowie ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit welchem Maße ihr messet, wird euch gemessen werden". Wir stellen dem einfach die Sprüche der Väter*) an die Seite: „Beurtheile jedermann zu seinem „Gunsten", und: „Verurtheile niemanden, bevor du au seine Stelle gekommen". — Die Versicherung, daß Gott den Bittenden das giebt, um was sie bitten, kann zu der unrichtigsten Voraussetzung führen und muß nach den verschiedensten Seiten hin beschränkt werden. Die Vergleichung, daß, wenn ein Sohn den Vater um Brot und Fisch bittet, dieser jenem nicht Stein und Schlange geben werde, setzt schon voraus, daß der Sohn nicht um Stein und Schlange bitten werde und läßt außer Augen, daß der Vater Brot und Fisch auch ohne Bitten des SohneS reicht. Der übrige Theil der Bergpredigt enthält nun Mahnungen und Gleichnisse, die uns einen weitern Stoff für diese Betrachtung nicht bieten. Haben wir uns hiermit den Inhalt der Bergpredigt im einzelnen vergegenwärtigt, so geben wir zwar zu, daß sie, allgemein betrachtet, eine reiche Fülle von Sentimentalität enthalt und einen großen Stoff für die Homiletik bietet, können ihr aber eine wesentliche Bedeutung für das Sittengesetz nicht zuschreiben. Sie geht lediglich auf individuelle Zustände ein, auf Lagen und Verhältnisse von Individuen, entbehrt aber jedes allgemeinen Gesichtspunktes und bietet kein Fundament dar, auf welchem sich ein Sittengebäude aufrichten ließe. Sie reißt einzelne Momente aus dem Bereiche des Lebens heraus, reiht sie ohne Zusammenhang aneinander, läßt überall Lücken übrig und erfordert in allen Punkten Einschränkungen und Abschwachungen. Sie hat nur in dem einen Punkte eine Gleichartigkeit: in der idealen Extravaganz, in den über die Natur und selbst die Pflicht des Menschen hinausgehenden Forderungen. Ja, in einer Beziehung können wir sie nicht einmal als ganz unschuldig ansehen, darin nämlich, daß sie das Gesetz, insbesondere die Zehn-Worte, voraussetzt, als vorausgesetzt sich aueignet, als unveränderlich hiustellt und hinterdrein doch das Gesetz gänzlich umgestaltet, ins Unmaßliche erweitert und dessen ganzen Charakter verändert und aufhebt. (Fortsetzung folgt.) Sprnden-Liste für die RieGer - Stiftung l) zur monumentalen Herausgabe der Schriften Rießer's, 2) zur Unterstützung solcher Israeliten, die Gerichtsassessoren oder zu Gymnasial- und Universitäts- Lehrämtern befähigt, aber ihrer Religion wegen nicht angestellt sind. 866) Julius Rosenfeld, Jnstituts-Director in Paris, zweite Gabe (s. No. 36) 2 Thlr. 867) und 868) OsiaS M. und Saul Finkelstein in Leipzig, zweite Gabe (s. No. 73 und 74) 5 Thlr. 10 Sgr. 869) Rittergutsbesitzer Meyer Jacobson durch Waifeuhausiufpector *) kirke Abolh 1, 6. 2, 4.

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