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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-07-19 · Heft 86 (19.7.1838) · p. Seite 349

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 86 (19.7.1838)
Date
1838-07-19
Page
Seite 349 (sequence 3)
Language
German
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549 uriabweislichen Antwort. Es gilt jetzt vor Allem zu wissen, ob die Entsagung meiner tiefsten Empfindung meine Zukunft traurig und öde gestalten und den Schmelz meines Daseins verwischen soll, oder ob ich unter dem Panier der Sicherheit fest und männlich um das höchste Gut meiner irdischen Tage kämpfen kann. Julie, werden Sie es mir daher nicht verübeln, wenn ich eine offene Erklärung an Sie richte- und von Ihren.Lippen das Entscheidungswort vernehmen möchte? Sprechen Sie, Jonathan — erwiderte Julie beklemmt. Ihr Herz schlug mächtig an seine Hülle, ihre Augenlieder senkten flch, sie wußte schon, was kommen würde. Julie, ich liebe Sie, ich bete Sie an! In mein innerstes Sein hat sich dies Gefühl eingesenkt, und mich ganz durchdrungen— meine ganze geistige Welt ist ihm unterthan geworden. Julie, sprich, theilst Du dies Gefühl? Habe ich mich getäuschet, hat es mich belogen, was mich so oft schon der süßesten Gewißheit überreden wollte, oder ist es selige, selige Wahrheit?/- Und als Jonathan so sprach, und sein Auge begeistert auf ihr ruhete, und seine Hand unwillkührlich die ihrige faßte — da erhob sie ihren Blick zu ihm, und ein Strom von Thränen brach sich Bahn aus ihrem Auge, und ihre Lippe lispelte: ich wußte es ja längst, daß ich Dein wäre -und sie lag an seiner Brust, und er umfaßte sie, und sie weinten beide, und ihre Lippen begegneten sich. Jetzo, sagte Jonathan, weiß ich wol, was ich zu thun habe, und der Kampf soll mir willkommen sein. Ja, ich will Dich erringen, Julie. Du bist ein Wesen, an das der Mann sein Höchstes setzen muß, es kann ja gar nicht anders sein! — Nachdem der Sturm der Gefühle sich etwas gemildert, und sie beide neben einander Platz genommen, besprachen sie die obwaltenden Verhältnisse. Julie theilte ihm den Willen ihres 'Vaters mit, aber Jonathan erschrak nicht einmal hierüber. Im Nothfall, meinte er, würde er von Ludolph ein Opfer erlangen können, und dieser selbst zurücktreten. Vor Allem müsse er seinem Vater die Einwilligung abgewinnen, er hielt die Liebe seines Vaters zum einzigen Sohne für stark genug, als daß sie seine Ansichten nicht überwinden würde. Wie aber, theuerste Julie, fuhr er fort, werde ich von Dir so manche Opfer fordern können, die durch die Vereinigung mit mir bedingt würden? Die Sitten meines väterlichen Hauses sind so verschieden von den Deinigen; und wenn auch in unserm Hause jene alte Strenge sich, nach meiner Ueberzeugung, mannigfach mildern und abschleifen würde, so wäre doch Vieles, was Dir ungewohnt, was Dir Entbehrung und Mühewaltung auferlegen würde? Jonathan, erwiederte Julie, hältst Du mich für so beschränkten und geringfügigen Geistes, um' nicht alles mit wahrem Feuer auszufassen, was in Deinem Kreise liegt? Und dann sind ja die Beschränkungen, denen ich mich so willig fügen werde, nur kleine Dankopfcr für die Rückkehr zu meinem Gotte und zu meiner Religion, die mir geworden? Jetzt weiß ich ja Alles; wie jene Gesetze nur ein Abbild sind der Gesetze der Natur, denen Gott uns untergeben, und das üppig wuchernde Wesen des. Menschen in seinen Maßen erhalten, und den Weg zur Gottheit verkürzen und ebnen. Ja, mein Freund, lassen wir denen die Klage über das Joch und die Strenge des Gesetzes, die nur in ungebundener Freiheit der Sinnlichkeit ihr Heil finden; mir erscheint es als eine wahrhafte Apotheose, und ich sehe auf meiner künftigen Laufbahn mit Dir nur einen Schleier des Geistes und eine Verhüllung der Göttlichkeit nach der andern abfallen. Nach diesen Worten des holden Mädchens, schloß Jonathan sie von Neuem begeistert in seine Arme. Ach, wie pries er sein Geschick, das ihm so Herrliches unverdient zugeführt, sein Geist erhob sich immer freier und höher, und kannte keine Schranke mehr. Der Abend zog still und feierlich über sie herauf, und schlug den sanften Schleier seliger Sehnsucht um sie, der alle Außendinge verhüllt, und alle Mißhelligkeiten des Lebens verdeckt — bis sie in heißer Befriedigung und süßem Weh von einander schieden. Julie bestieg ihren Wagen, der im Dorfe ihrer harrte; Jonathan saß noch bis um Mitternacht auf der Rasenbank, wo sie geruht, durchwandelte die Gange, die ihr Fuß betreten. (Fortsetzung folgt.) Correspondenzen, Auszüge, Repliken. Paris, I. Mai. Französische Israeliten. Paris. (Schluß.) Eben so besteht auch,eine Schule für junge Mädchen, welche mit Eifer und Latent Herr Mayer Max dirigirt. Diese Anstalt wird ebenfalls auf Kosten der Stadt unterhalten. Beide erwähnte Institute werden nach dex Methode des gegenseitigen Unterrichts geführt und enthalten ungefähr 300 Kinder. Seit mehren Jahren, läßt der Herr Büron I. v. Rothschild bei der jedesmaligen Preisvertheilung alle diese Kinder kleiden. Die Unterrichtsgegenstände sind allhier: Hebräisch lesen (wahrend einiger

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