Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 86 (19.7.1838)
- Date
- 1838-07-19
- Page
- Seite 348 (sequence 2)
- Language
- German
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staltung der Festlichkeiten soll die Käsige Judenschaft 20,000 Fl. aufgcwendet haben *). Tausende von Christen schlossen sich der Feier an. . > Paris, 2» Juli. In ganz Frankreich giebt es letzt 2p jüdische Gemeindeschulen (außer den Privatschulcn). — Vor Kurzem wurde hier ein Prozeß zwischen zwei Israeliten aus Algier an die dortige jüdische Gerichtsbarkeit verwiesen, indem diese noch nicht aufgehoben, und die Algierer noch nicht als Franzosen angesehen werden können. Berlin, 28. Juni. Diese Tage hatte man hier das neue Schauspiel, das Personal und die Equipagen der französischen Gesandtschaft an einem Vegrabniß Theil nehmen zu sehen, das nach jüdischem Ritus Statt fand. Es war nämlich der Kanzler (oliavceliv,) dieser Gesandtschaft, Herr Mayer verstorben, und da derselbe sich zum mosaischen Glauben bekannte, so haben ihn seine Landsleute und Aiytsgenoffen in feierlicher Weise auf dem jüdischen Gottesacker bestattet. Herr Mayer galt hier eine Zeitlang als der Verfasser der satyrischen Artikel, die vor zwei Jahren in französischen Blättern über die Vornamen der Juden erschienen; da er jedoch in seiner amtlichen Qualität gegen jede politische Untersuchung geschützt war, so ist das Nähere nicht ermittelt worden. In Betreff der Judennamen ist cs übrigens, wie man vernimmt, ganz beim Alten geblieben, und nur noch in einigen kleinen Städten bestehen die Bürgermeister darauf, daß die Söhne der jüdischen Einwohner nicht Gustav oder Theodor, sondern Abraham, Hirsch oder Bär heißen. (Allg. Augsb. Zeit.). Belletristik. Die Gegensätze.* Eine israelitisch-religiöse Novelle. (Fortsetzung.) VII. So befanden sich nun Jonathan und Julie in den eigenthümlichsten, drückendsten und drängendsten Verhältnissen. Wenn man dies vergleicht mit dem, was aus jenen Gegenden für die jüdisch-theologische Fakultät geschieht, so wird man lebhaft an das erinnert, was der Talmud Ieruschalmi im fünften Abschnitt erzählt. Rabbi Chama und R. Hosaja besahen einst die Synagoge zu Lydda. Da rief der Erstere aus: nupttf sivv 71wie viel Geld verwendeten meine Väter hierauf! Der Letztere antwortete: lypty nüD ly»rvON, „wie viele Seelen haben Deine Väter hier zu Grunde gehen lassen! Wie viele arme Gelehrte und Lehrer hatte man mit diesem Gelde erhalten können!" — Der äußere Glanz thut uns wahrlich nicht noch, und haben wir auch keine Ehre und keinen Gewinn davon. Redact. Sie hätten so herrliche Mittelglieder zur Versöhnung jener beiden scharfen Gegensätze abgeben können; ihre Herzen und Geister neigten sich in den innersten Tiefen einander zu — aber die Gewalt der zwiespältigen Gesinnung stellte sich zwischen sie, und wollte ihre Vereinigung stören. Gerade da-, rin äußerte jene sich am offenkundigsten, daß sie unsere Freunde gleichfalls zü den Extremen hindrängen, und Julie in die Arme des kältesten religiösen Jndifferentismus, Jonathan in die Reihe der entschiedenen Anhänger der Stabilität führen wollte. Abermals bewies es sich, daß nicht ohne traurige Folgen eine jede Stellung zwischenzwei streitenden Partheien bleibt, und daß selbst der redlichste Wille hier nur auf Hindernisse stößt. Es scheint einmal das Naturgesetz der Menschheit zu sein, entweder in eine bewegungslose Ruhe versinken, oder einen erbitterten Kampf führen zu müssen; und diesem Naturgesetze darf man sich ungestraft nicht entziehen wollen, fast als wenn die Vorsehung eifersüchtig wäre auf die höheren Naturen, die, den Kampf und seine nur theilweise Wahrheit überblickend, die geliebten Menschen zum Frieden und zur ganzen Wahrheit bringen wollen. Jonathan war sich der Nothwendigkeit, kräftig in den Gang der Ereignisse einzugreifen, wol bewußt, aber er suchte vergebens nach dem Mittel hiezu. Denn, wenn er es hierbei nur mit dem einen Vater, sei es dem seinigen oder dem Juliens, zu thun gehabt hatte, wäre er der Zustimmung des andern nur gewiß gewesen, so wäre er ohne Zögern vor ihn hingetreten, und hätte eine offene Erklärung gegeben und verlangt. So aber hatte er Beide feinen Wünschen entgegen: wo sollte er anfangen? Das vermehrte denn das Niederdrückende und Bängliche seiner Stimmung und machte sie bitter. Daß er unter diesen Umständen wenig an die Mahnung seines Vaters dachte, und eine Zusammenkunft mit Julie vielmehr suchte, war natürlich. Er bat sie daher schriftlich um eine Unterredung, bestimmte den Ort und die Zeit des Zusammentreffens, und erhielt freudig bebend die feste Zusage. Es war in einem wenig besuchten Garten eines nahen Dörfchens, wo sie sich treffen sollten. Julie kam diesmal ohne Begleiter. Sie fühlte, daß die Außerordentlichkeit ihrer Lage sie zu diesem besondern Schritte berechtigte. Jonathan harrte ihrer in einem einsamen Bosket bang entgegen. Als er sie nahen sah, sprang er bewegt auf, und führte sie unter lebhaften Danksagungen zum Sitze. Julie, Hub er an, ich stehe jetzt am Wendepunkte meines Schicksals. Eine Lebensfrage, die ich nun schon seit Jahren in mir unentschieden hege, nähert sich jetzt ihrer