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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-07-19 · Heft 86 (19.7.1838) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 86 (19.7.1838)
Date
1838-07-19
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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II. Jahrgang. Allgemeine No. s«. Zeitung des Zndcnthums. unpartheiifches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Königs. Sächsischer allergnädigster Concesskon.) Leipzig, den 19. Juli 1838. ZeitungSnachrichte«. Rußland. In der muselmännischen Provinz jenseits des Kaukasus Scheki leben 485 Juden, welche eine Geistlichkeit von 10 Familien haben. Diese befindet sich bei den Synagogen im Dorfe Wartaschin (Dfchugutlar), wo alle Juden wohnen, welche unter Mahmed Hassan Khan aus Kuba und Baku herüberkommen. Die jüdische sowol als die armenische Geistlichkeit wird durch das Volk selbst von der Bezahlung der Steuern sowol als Abgaben befreit, lebt von freiwilligen Gaben, die sie für die Ceremonien und den Unterricht der Kinder im Lesen erhalten, so daß weder bei den Armeniern noch bei den Juden allgemeine Schulen sich finden. (Ausland). Königsberg, 28. Juni (Privatmitth.). Als besonderes Zeichen fortwährender Toleranz und Humanität, wodurch sich Königsbergs christliche Einwohner schon längst vor vielen andern rühmlichst auszeichnen, sind die Thatsachen zu bemerken, daß unlängst ein Israelit, Herr D. M. Lewatd von der Stadtverordneten-Versammlung mit großer Majorität der Stimmen zum Stadtrath envählt und von der könkgl. Regierung bestätigt wurden daß ferner am 22. d., als unser allverehrter Kronprinz K. H. die Grundsteinlegung zur Alrstadtischen Kirche Höchstselbst vollzog, die Aeltesten unserer Gemeinde, einer von Seiten des Kirchenkollegiums und der Repräsentanten an sie ergangenen Einladung zufolge, bei dem feierlichen Akte zugegen waren. —. Herr Dr. Jacobson hat durch zwei eingereichte medizinisch-chirurgische Abhandlungen zweimal hintereinander den großen M oni kofer'schen Preis in Amsterdam gewonnen; diese gediegenen Abhandlungen sind vor Kurzem im Druck erschienen. — Herr Prof, von Leng erke arbeitet an einer metrischen Uebersitzung des allegorischen Drama's „Migdal 0z“ von Luzzatto. München, 1. Jicki (Privatmitth.). Bei der am 26. v. M. stattgefundenen Feier des Sliftungstages der Ludwig- Maximilians-Universttät wurde von der medizinischen Fakultät einem jüdischen Kandidaten unter sechs Bewerbern der Preis für die glückliche Lösung einer sehr schwierigen Aufgabe *) zuerkannt, ein andrer jüd. Kandidat rühmlichster Er- ') Die Aufgabe war: (lnaenam meningifidis, Encepfialiti- <6*, apoplexiae ca|>illavis et ventriculorum cerebri, tuberculornm et ejirillitionis Imjusce organi differejitiae nosologicae et diagnosticae? C e rr. wähnung Werth geachtet. Die Namen dieser beiden strebsamen Jünglinge sind: Siegmund Feldmann von hier und Siegwart Friedmann aus Eltingen. — So bewährt es sich immer mehr, daß auch in Baiern den jüdischen Jünglingen Ernst ist in jedem Fache, das sie ergreifen, und daß sie mit allem Fleiße dem Berufe obliegen, den sie gewählt haben. Frankfurt a. M., 4. Juli (Privatmitth.). Hiesige Blätter geben folgende Notiz: „Hier verbreitet sich das Gerücht, daß die hiesige Judenschaft, weit sie, wegen der bestehenden und neuerdings in strenge Ausführung gebrachten Bestimmungen der Heilighaltung des Sonntags am Sonntag die Waaren-Laden nicht mehr öffnen dürfen, entschlossen sei, ihren Sabbat auf den Sonntag zu verlegen. Wir glauben aber nicht an dieses Gerücht, da mindestens der dritte Theil der hiesigen Judenschaft den Altgläubigen angehört und Baron von Rothschild an deren Spitze zu stehen scheint. Dieser Chef des berühmten Hauses soll wenigstens den Neurern des Judenthums nicht geneigt sein, und sein Einfluß ist stark, wenn gleich auch nicht hier, in Bezug auf unsre Staatsverhältnisse." Daß an dieser Sache nichts Wahres, als höchstens Ge-' danke und Gerede Einzelner ist, kann ich Ihnen zunchern — allein wie Viele haben in der Wirklichkeit schon den Sabbat auf den Sonntag verlegt, oder haben vielmehr weder Sabbat noch Sonntag? — Wenn ich hierbei Gelegenheit nehmen soll, offen ein Wort über die hiesigen Zustande zu sagen, so ist es offenbar, daß beide Partheien zu weit gegangen, und nicht der gemeinschaftlichen Sache, dem Heile unsres Glaubens, sondern ihrer Persönlichkeit und Ansicht haben huldigen wollen. So kommen nun jetzt, viel zu spat, die Orthodoxen, und wollen Zugeständnisse, Cuttusreformen, machen, die früher dankbar angenommen, jetzt der entgegengesetzten Parthei viel zu geringfügig erscheinen. Diese letztere aber schweift ins Vage hinaus, und weiß selbst nicht, wie weit sie mit ihren Forderungen gehen sott. An Versöhnung ist in langer Zeit nicht zu denken. So sehr ich aber jede Bewegung höchlichst um der Resultate willen billige, so wird doch dieser Streit so geführt, daß sich durchaus nichts Gutes und Reelles daraus ergeben kann. □ Frankfurt a. M., 30. Juni. Gestern wurde in dem nahen Großh. Hess. Städtchen Rödelheim eine neue Synagoge eingeweiht und zwar mit außerordentlicher Festlichkeit. Für die Ausschmückung des Tempels und die Veran-

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