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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-09-29 · Heft 40 (29.9.1863) · p. Seite 617

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 40 (29.9.1863)
Date
1863-09-29
Page
Seite 617 (sequence 9)
Language
German
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617 Einsender wünscht von Herzen, durch diese Zeilen die Aufmerksamkeit auf jenen Gegenstand gelenkt zu habe» und wird sich freuen, wenn die kleine Büste Verbreitung und Beifall findet. —t. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Würtemberg, 13. September. (Privatmitth.) Am Freitag den 4. September d. I. wurde in Krailsheim die Einweihung der neurestaurirten Synagoge festlich begangen. Das Bethaus ist dem stuttgarter israelitischen Tempel nachgebildet, auch die stuttgarter Liturgie mit geregeltem Chorgesang unter Orgelbegleitung ist eingeführt. Die religiöse Feier wurde durch Herrn Rabbiner Berlinger aus Braunsbach geleitet. Die Predigt über Psalm 122, 1: „Ich freue mich mit denen, die zu mir sprechen: Ins Haus des Ewigen lasset uns gehen", war wohl durchdacht und nach Inhalt und Form schön ausgeführt. Das Verdienst der Syuagogenrestauration im äußeren Bau wie im inneren Cultus gebührt hauptsächlich dem Herrn Rechtsconfulenten vr. Hirschmann, der mit warmen Eifer sich für das Judenthum und dessen gottesdienstlichen Cuttus interessitt. Die Theilnahme der Staats-, Gemeinde- und Kirchenbeamten an der religiösen Feier war allgemein und die ganze Bürgerschaft des freundlichen Frankenstädtchens bekundete einmüthig ihre freudige Stimmung an dem frohen Ereignisse der jüdischen Mitbürger. — Dem Vernehmen nach ist Herr Lieb mann, Hausvater der Waisenanstalt Wilhelmspflege in Eßlingen, vom Cultministerium zur Commission, die über die Umgestaltung des Schulgesetzes berathet, einberusen. Sämmtliche israeliüschen Lehrer des Landes freuen sich über diese Wahl, da sie dem Designirten ihr volles Berttauen schenken. Leipzig, 13. September. (Privatmitth.) Bei der letzten Offtcierswahl der leipziger Communalgarde wurde Herr Julius Fränkel mit bedeutender Stim menmehrheit vom Rottmeister zum Zugführer gewählt. Es ist dies der erste Israelit, welcher als Zugführer bei der Communalgarde fungirt. Aus Bayern, 13. September. (Privatmitth.) Wenn wir am Schluffe des Jahres einen Blick auf unsere Lage in unserm lieben Bayern werfen, so können wir zufrieden sein. Denn wir, die wir lange unter dem Drucke des berüchttgten Edicts von 1813 geschmachtet haben, sind in materieller Beziehung emancipirt; es existirt kein Ausnahmegesetz mehr, der Jude kann sich an allen Orten ansäßig machen und jegliches Geschäft oder Gewerbe treiben gleich dem Christen. Auch ist durch die endliche Anstellung des Dr. Herz zum außerordentlichen Professor an der Universität Erlangen sowie mehrerer israelit. -Notare factisch dargethan, daß der Staatsdienst uns nicht verschlossen ist. Und dennoch — ganz zufriedengeslellt sind wir nicht, so lange die jüdische Religionsgesellschaft blos als Privatkirchengesellschaft betrachtet wird. Denn so lauge ist von einem Zuschuß zur Bestreitung der Bedürfnisse des israelit. Cultus keine Rede, und das ist besonders in jetziger Zeit, in der die Landgemeinden immer kleiner werden, sehr zu beklagen. Am meisten haben die Rabbiner und Lehrer auf dem Lande darunter zu leiden. Die Gehalte sind noch die alten, wie vor 50 Jahren, und die Bedürfnisse sind gestiegen, und daß die Gemeinden, die ohnedies mehr als sonst zu leisten haben, aus eigenen Mitteln Opfer bringen, ist auch nicht zu erwarten. Daher rührt auch der Mangel an tüchtigen Religionslehrern; denn tüchtige und talentvolle Jünglinge widmen sich selten einem Stande, der viel Kampf bietet, aber wenig Lohn, und bei dem sich das 8-758 8-5?s nicht bewahrheitet. Unsere religiösen Zustände haben durch die Neuzeit nicht gewonnen. Die Landgemeinden, in denen noch mehr religiöser Fond zu finden war, werden durch den Abzug der Reichen nach den Städten immer geringer, und die großen Städte selbst nehmen wohl an Zahl täglich zu, aber im umgekehrten Verhältnis steht dazu das religiöse Leben; der Jndifferentismus wirkt ansteckend auch auf die neuen Ankömmlinge und man findet dort mit wenigen Ausnahmen Indifferente oder Neuorthodoxe!! In Nürnberg besteht eine große israelit. Gemeinde. Sie hat auch schon längst einen Platz zu einer Synagoge angekauft, aber c’cst tout. Jetzt ists wieder ganz stille, der Hopfen absorbirt alles und höchstens kommende f-1 wird man den Mangel eines Gotteshauses wieder fühlen; dann — ja dann geht jeder wieder -in« i?so seinem Gewinne nach und alles bleibt beim Al- 40

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