Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 40 (29.9.1863)
- Date
- 1863-09-29
- Page
- Seite 616 (sequence 8)
- Language
- German
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616 len wir hier noch den Streit der Gemeinde zu Ismail mit ihrem Rabbiner anführen, weil wir dadurch zugleich einen alten sinnigen Gebrauch kennen lernen. Die Gemeinde zu Ismail suchte sich nämlich ihres geistlichen Oberhauptes, das ihr gewaltsam aufgedrungen wurde, zu entledigen, legte ihre Streitsache und alle Klagepunkte dem R. Samuel de Medina vor (l. c. Jore Dea No. 135) und dieser nahm bei dieser Gelegenheit die Gemeinde gegen den Aufdringling, der als Arzt und Rabbiner in einer Person sich weit mehr das körperliche Wohl als das Seelenheil seiner Heerde angelegen sein ließ, nachdrücklichst in Schutz. Als Beweis, daß die Wahl des Rabbiners keine freie, sondern eine fast erzwungene war, wird unter anderm auch angegeben, daß die Gemeinde nicht einmal die schuldige Rücksicht gegen den letzten verstorbenen Rabbiner beobachten konnte und sich genöthigt sah, noch wahrend des Todesjahres die Trauerhülle von dem Ehrensitze desselben in der Synagoge wegzunehmen, um die Stätte dem Neuaugepellten einzuräumen. 1250 22NN “1122 121202 Nb» 021N2 ST'rt» iVfim -wan ‘r’orsb i:ma baa irmaim raor-s -priaib •raorr a-np nnan Es ist dies ein schöner Gebrauch, der sich in vielen Gemeinden noch erhalten hat, und der gewiß als ein ehrendes Zeugniß gelten kann für die Hochachtung und das Ansehen, dessen sich die Rabbinen in jener Zeit zu erfreuen hatten. Wir benutzen hier die Gelegenheit, um einen unserer frühern Artikel 1862, No. 48 :c. zu ergänzen. Wir haben daselbst nachgewiesen, daß es zu den Prärogativen der Rabbinen gehörte, bei Hochzeitsmahlen eine kleine Rede, Derascka, zu halten. Diese Reden wurden in Spanien auch bisweilen in der Synagoge gehalten, und zwar bei dem der Trauung vorhergehenden Gottesdienste, da der sepharadische Ritus von einer Trauung in der Synagoge nichts weiß. R. Simon Duran (Aboth-Com- Ebenso wird ferner ausdrücklich bemerkt, daß bei den Juden in Ungarn die bekannten Thekanoth der drei deutschen Gemeinden: Speier, Worms und Mainz aus dem 12. Jahrhundert im Gebrauche waren: •itavarr ba a*’»"' baarro m"o n:pna 011221NN 2:12a Ueberhaupt bieten die oft erwähnten Gutachten interessante Daten für die Geschichte der Juden in Ungarn, und wir erachteten es für nothwendig, einige Stellen daraus mitzutheilen, die für die Gegenwart nicht resultatlos sind. meutar III. 4) tadelt den neu aufgekommenen Brauch, weil das Hochzeitsmahl in Ermangelung einer Predigt, Derascha, die religiöse Weihe gänzlich verliere. -»iran na-ia a-np *,nn nnaoa ornb isra -,rraai rroaa ->o2rr aaoanrr •’bva ia 12212 map araa Nian avrr araasrr ranoio rraa -pan ■nzvp rrini naam aipa in»21 ( rmaan anp nosarr maa »mb •nbi-a m-aa 171 arrs 3^22221 p-isr: *»aab 2iiiaa2i Das Judenthum suchte vorzüglich, wie wir dies oft wahruehmen können, das Haus- und das Familienleben zu heiligen, und es verlegte aus diesem Grunde die meisten religiösen Gebräuche mit besonderer Vorliebe anstatt in die Synagoge in das Haus! Darum zog man es auch vor, die Hochzeitsreden beim Hochzeitsmahle vor dem Tischgebete, als in der Synagoge abzuhalten. Jedoch sieht man, daß manchmal den Tischgeuoffen die langen Sermone unbequem und langweilig sein mochten; daher hielt man es später für gerathener, dieselben in der Synagoge abhalteu zu lassen, und R. Simon Duran fand sich bewogen, gegen diese Neuerung zu protestiren. Literarischer Wochenbericht. Leipzig, im September. sKunstnotiz.j Einsender dieses möchte auf eine treffliche Büste Moses Mendelssohns aufmerksam machen, welche im Atelier des Hra. Stuccateur C. F. Dittrich (Leipzig, Unterer Park) angefertigt worden ist. Dieselbe ist etwa 7'/2 Zoll hoch und in höchst sauberer Gypsarbeit ausgeführt. Mendelssohn's geistvolles Antlitz, von einem sanften Lächeln übergossen, ist in einer sehr lebensvollen Weise wiedergegeben, so daß das kleine Kunstwerk den Beifall eines jeden findet, der es sieht. Schreiber dieses ist überzeugt, daß die Büste auch anderwärts gute Aufnahme finden wird, zumal sie einen schönen Schmuck für das Zimmer jedes Mendelssohn- Verehrers und jedes von der Bedeutung eines solchen Mannes durchdrungenen Israeliten zu bilden geeignet ist. Hierzu kommt, daß der mäßige Preis eine größere Verbreitung ermöglicht, indem Herr Ditttich denselben für die Büste nebst Consvle auf 1 Thlr. 5 Sgr., für die erstere allein auf 25 Sgr. angesetzt hat und Bestellungen unter solid ausgeführter und berechneter Emballage pünktlich besorgt.