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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-09-29 · Heft 40 (29.9.1863) · p. Seite 618

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 40 (29.9.1863)
Date
1863-09-29
Page
Seite 618 (sequence 10)
Language
German
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618 ten! Und doch könnte dort vieles geschehen, wenn nicht eben gerade solche Männer, die Einfluß haben, von jüdischen Angelegenheiten nichts wissen wollten! In Regensburg waren einst, wie der dortige Correspondent in diesen Blattern bemerkt, c-’EEn d. h. gesetzeskundige Männer; wird ja auch der Grabstein des R. Jehuda hachasid noch dort gezeigt. Allein jetzt ist selbst die Kanzel verwaist. Nach dem Tode des sel. Di*. Schlenker, der Rabbiner und Lehrer zugleich war, nahm die Gemeinde, die zu den reichen gehört und täglich zunimmt, einen Lehrer auf und schloß sich an das Rabbinat Sulzberg an, so daß fast das ganze Jahr hindurch in der Synagoge der Kreishauptstadt der Oberpfalz das Wort Gottes nicht in deutscher Sprache verkündet wird, während jetzt selbst kleine Landgemeinden gerne eine Predigt hören! Und wandern wir nach Franken, da finden wir krassen Obscurantismus, da herrscht noch der alte Schlendrian, besonders im Würzburger Rabbinate!*) Darüber ein Wort zu verlieren, wäre vergebens; bildet sich ja ein gewisier Schwätzer ein: „der Standpunkt der Reform wäre ein überwundener und bald kehre alles wieder zur Orthodoxie zurück!" Wie lächerlich erscheint ein solcher Ausspruch gegenüber Ihrer prachtvollen und klaren Auseinandersetzung über den Fortschritt selbst der Orthodoxie! — Möge im neuen Jahre sich vieles besser gestalten in Israel! Das ist unser Neujahrswunsch! —z. Preußen. Königsberg, 11. September. (Privatmitth.) Ich habe Ihnen heute die Trauerbotschaft zu melden, daß der hiesige Religionslehrer und Prediger Professor vr. Saal schütz am 28. August an unsernr Ostseestrande Neukuhren, 63 Jahre alt, mit Tode abgegangen. Die Wiederbcsetzung soll dereinst nur durch einen rite zum Rabbinat befähigten erfolgen. Das hiesige israelit. Waisenhaus, noch jung, harret noch der wachsenden Theilnahme. Uebrigens besitzt es bereits ein eigens acquirirtes vorläufiges Grundstück, das sobald als thunlich mit einem gelegnern pasienden *) Es ist dies doch mehr scheinbar und äußerlich der Fall, und im Innern der Geister sieht es doch anders aus. Man vergleiche in der Spendenliste für die Rießerstiftung die Sammlung aus Würzblltg selbst — 61 Gemeindemilglieder haben sich an dieser, den Fanatikern so verhaßten Sammlung betheiligt! Die Redaction. vertauscht werden soll, bezieht ansehnliche jährliche und chrtgehende Privatbeittäge und hat schon einen eignen Fonds. Genug für die kurze Zeit seines Bestehens, in der es bereits auch Corporationsrechte erlangt hat. — Breslau, 13. September. (Privatmitth.) Die Wahl eines Rabbinen an vr. Geiger's Stelle von 'eiten des Repräsentanten-Collegiums ist nunmehr vor sich gegangen. Auf die engere Wahl waren vr. Joel von hier, vr. Cohn aus Potsdam und vr. Stein aus Danzig gestellt. Die Mehrheit der Stimmen vereinigte sich auf den ersteren, und erhofft man von ihm eine Vereinigung der Geiger'schen und Fränkel'scheu Parteien. Neu-Stettm, 10. September. (Privatmitth.) Mit bewegtem Herzen und unter den vollzogenen rituellen Zeichen der Trauer mache ich Ihnen die betrübende Mittheilung, daß in unserer Synagoge in der verwichenen Nacht von unbekannter Frevlerhand an zwei Gesetzesrollen eine unerhörte Schandthat verübt worden. Beide sind durchgängig, Feld für Feld, mit scharfen Einschnitten tractirt. Ich bin zu sehr erregt, um Ihnen hier das ganze Maß des Jammers unserer Gemeinde sowie der besonders an ihrem geheiligten Eigenthume Beschädigten zu schildern. Genug, die Gemeinde ist empfindlich gcttoffen! — Der Hergang der Sache ist folgender: Beim heutigen Morgengottesdienst fand man in der Synagoge einen Fensterflügel ausgehoben. Da aber alles in seiner gewöhnlichen Ordnung war und man von den dort vorhandenen wenigen Werthsachen, namentlich den silbernen Händen an den Gesetzesrollen in der, gewöhnlich mit dem Schlüssel besteckten, heiligen Lade nichts vermißte, war man zur Annahme geneigt, daß der Fensterflügel, nicht gut befestigt, von selbst hinausgefallen sein mochte. Unter der etwas unangenehmen Empfindung des rauhen Luftzuges ging dessenungeachtet die Morgenandacht den heiligen Tagen angemessen ruhig von statten, bis bei der Enthüllung der Thora zur Vorlesung aus derselben die bei der Eröffnung auf dem Almemor Zugegengewesenen eine Miene des Entsetzens zeigten, als sie anstatt der zeitgemäßen Stelle im 5. B. M., bei welcher man am letzten Montag- Gottesdienst stehen geblieben, der Stelle am Anfang des 2. B. M. begegneten. Allein schon bei dem ersten Ansatz zum Weiterrollen erdröhnte der Schreckens-

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