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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-09-22 · Heft 39 (22.9.1863) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 39 (22.9.1863)
Date
1863-09-22
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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setzen, und in einer spatern Nummer gab sie eine Berichtigung und bald darauf abermals eine, wenn auch nur mit halben Worten und nicht mit selbstdementirender Entschiedenheit. Die letztere Berichtigung geschah, wie ich glaube, infolge dessen, daß der Redaction der „Neuzeit" mein betreffendes Schreiben, in welchem ich eben den von mir so mächtiglich perhorrescirten Auftrag einem Familiengliede eriheilt hatte, vorgelegt wurde und sie daraus die Ueberzeugung gewann, daß da weder von einem Briefe noch von einer Einhändigung die Rede ist. Dieses mein authentisches Schreiben, mit dem Poststempel vom 14. Juli — dem Tage, an dem es dem allgerechten Richter gefiel, die Krone von dem Haupte unserer Familie hinweg und einen seiner treuesten, hingebungsvollsten Diener auf Erden zu sich heimzunehmen — befindet sich noch gegenwärtig in Händen des oben erwähnten Familienglicdes, und, so schmerzlich es mir einerseits ist, so gern gestatte ich andererseits — damit „verstummen die Lippen der Lüge" — jedermann in Wien, der sich zu diesem bemühen will (Leopoldstadt, Schöllerhof), Einsicht in das Schreiben und in den darin enthaltenen Auftrag zu nehmen. Dem Vorgänge der „Neuzeit" setzte ich meinerseits kein einziges Wort entgegen. Während mir von der einen Seite die Selbstachtung es nicht gestattete, zu solchem und so geführtem Kampfe in die Arena hinabzusteigen, schien es mir von der andern ganz unnöthig. Ich glaubte, jenes Mahrchen trage in der eigenen Absurdität den Uriasbrief mit sich, der ihm im vorhinein die Verdammung von des Lesers Seite sichert. Nun aber Ihr Herr Corresp. mich eines Schlimmern belehrte und die insita hominibus libido alendi de industria rumor es das Histörchen in die Spalten der Allg. Ztg. d. Judenth. und in weitere Kreise führte — da schien mir denn doch ein Wort der öffentlichen Dementirung geboten, und dies um so mehr, als solche Histörchen gar leicht der Judenfeindlichkeit und ihren Organen ein willkommenes schätzbares Material abgeben könnten. Hiermit fertig, kann ich nur noch schließlich einen Passus allgemeiner Art in der in Rede stehenden Correspondenz nicht gleichgiltig hingehen lassen. Anläßlich seines Schauermährchens perorirt der Herr Corresp. im allgemeinen: „Bei welcher Glaubellsgenossenschaft der civilisirten Welt werden noch so viele abergläubische Gebräuche bei der Behandlung der Todten geübt als bei den Juden?" Nur hinsichtlich fremder Glaubensgenossenschaften könnte ich auf anerkannte und nicht destructive Denker innerhalb jener Glaubensgenoffenschaften Hinweisen. Krug z. B. (Handw. d. Philosoph. Wiffensch. Art. Sacrament) nennt die dort so hochwichtige Handlung der letzten Oelung sogar ausdrücklich einen Aberglauben. Doch ist hier meine Absicht keine offensive, sondern eine blos dcsensivc. Ich bemerke daher nur, daß der Schulchan Aruch, nach dessen Vorschriften die Handlungen bei den Tobten vorgenommen werden, und der dem Herrn Corresp. ein Buch mit sieben Siegeln oder gar ein Brief mit drei schwarzen Siegeln, d. h. etwas, von dem er spricht ohne es je gesehen zu haben, zu sein scheint, seine Anschuldigung Lügen straft. In dem ganzen großen Abschnitt desselben über Todtenbestattung und Todtenbetrauerung ist nur ein einziges kleines Capitel, in welchem sich etwas vom Aberglauben findet. Es ist nämlich dasjenige, welches den Aberglauben — verbietet, u. z. verbietet "mrsr; ’sn eia« d. h. darum, weil Aberglaube unjüdisch ist. Nur diejenigen Handlungen werden gestattet, in denen sich keine abergläubige Absicht, sondern blos der Schmerz rcsr cd: ausspricht. — Nein! Der Vorwurf ist ungerecht! Wenn man den Juden mit Recht einen Vorwurf u. z. von ihrer ältesten Geschichte bis auf die Neuzeit herab machen kann, so bestände er nur in den Worten: „Bei welcher Glaubensgenoffenschaft der civilisirten Welt noch wird so wonniglich und mit so vielem Verdienstlichkeits- Dünkel in den eigenen Eingeweiden gewühlt als bei den Juden?" Genehmigen Sie die Versicherungen u. s. w. Druck von I. D. Hirsch seid in Leipzig.

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