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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-09-22 · Heft 39 (22.9.1863) · p. Seite 604

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 39 (22.9.1863)
Date
1863-09-22
Page
Seite 604 (sequence 12)
Language
German
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604 digten bediente, um das von der Masse gesonderte intelligente Element zu thatkrästigem Wirken anzuregen, nachdem er vergebens zwei Jahre lang sich bemüht, die Verschmelzung beider zu Stande zu bringen. Dr. Schwabacher war der einzige, der aus dem langen Kampfe der sogenannten Shnagogenparteien unzählige Wunden davontrug, die bis zur Stunde nicht völlig vernarbt sind und die chm bei jedem Wechsel des Windes — der sich hier zu häufig einstellt — noch ziemlich viel zu schaffen geben. Er habe dies selbst verschuldet, hört man manchen sagen, er habe sich zu viel ausgesetzt. Ja wohl! Wenn ausdauernder Muth und consequente Willensenergie, die auf Ueberzeugung basirt, Fehler sind, dann hat Dr. Schwabacher wirklich viel verschuldet. Die Ehre jedoch, die unser Rabbiner bei allen Gelegenheiten, wo das Judenthum in die Oeffentlichkeit tritt, für den Juden einerntet, die Achtung, die er dem jüdischen Glauben bei Israeliten und Nichtisraeliten erzwingt, muffen ihm die befriedigendste Genugthuung bieten für alle die Kränkungen, die ihm die Verkennung zugefügt; und Verkennung ist schmerzlicher als Nichtanerkennung. Um Sie nicht mit dem Detail zu behelligen, will ich Ihnen nur mittheilen, daß der Act der Grundsteinlegung mit einer Feierlichkeit begangen ward, die in den Gemüthern aller Anwesenden einen langdauernden Eindruck zurücklassen muß. Er glich einem erhebenden Familienfeste, deffen Weihe auf jedem Antlitze strahlte. Als die gekrönte heilige Gesetzesrolle auf dem Arme des Dr. Schwabacher, unter dem von vier jungen Männern gettagenen Baldachin, die übliche Runde machte, da sentte sich auf die Masse der Anwesenden eine Sttlle, die nicht andachtsvoller sein könnte, wenn die ganze Versammlung hier ein Paar zur Trauung gefühtt hätte, das mit den Banden der Verwandtschaft und der Liebe an jedes einzelne Herz gefesselt wäre. — Die schwung - und gehaltvolle Rede unseres geehtten Rabbiners, dann der von dem trefflichen Cantor Hrn. Blumenthal eigens componirte und mit Begleitung der Militairmusik glücklich ausgeführte seelenvolle Chorgesang — gaben dem Ganzen eine Erhabenheit, die niemand gleichgültig lassen konnte, außer etwa diejenigen, die in der Blasittheit das einzige Kriterium der Bildung erblicken. Den Männern der Bau-Commission, die sich um vieles verdient gemacht, muß ich im Namen der sich an dem Fortschritt interessirenden hiesigen Jugend die ungetheilteste Anerkennung zollen. Wenn ich die Namen: Moses Trachtenberg, David Kraffnoffelski, Isaak Rabinowich, Joseph Rabinowich, R. Nisguritzer, Lazar Steinfiakel, Samson Derblich, Moses Hartenstein, Michel Schapiro, Jacob Hermann und Herz Lulky, wenn ich, sage ich, diese Namen alle nenne, so ist dieses nur ein schwacher Ausdruck des Dankes, zu dem sich die fottschreitende Jugend verpflichtet fühlt, für all die Mühen, denen sich die Träger dieser Namen im Interesse einer hochwichtigen Sache unterzogen. Diese Jugend wird auch solche Männer in dankbarer Erinnerung bewahren, um ihrem Beispiele zu folgen, wenn einst die Reihe an sie kommt, thätige und unverdroffene Theilnahme an allem zu nehmen, was zur Festigung des Judenthums nach innen und zur Ehre desselben nach außen beittagen soll. Der Jndifferentismus hat also schon wenigstens nach einer Sette hin eine breite Bresche, durch die hoffentlich auch bald Interessen anderer, aber nicht minder wichtiger Natur in das Herz warmer Theilnahme dringen werden. 8. Arabien. Aus Jemen. Der „Lebanon" zieht folgende Erzählung aus dem Tagebuche eines von der Gemeinde in Jerusalem zum Almosensammeln ausgesandten Boten, die wtt hier übersetzen. Das Tagebuch ist -nnn -,rrn (die Gemächer Jemens) betttelt. Der Abgesandte schreibt: „Am 3. Adar 5623 kam ich zur Stadt Aden, der Hauptstadt der Provinz Jemen, durch welche ich drei Jahre vorher auf meinem Rückwege aus dem Innern von Jemen gekommen war. Mein Herz trieb mich an nach Sana zu gehen, um den Zustand unserer unterdrückten Brüder daselbst zu erforschen. Aber ich ttaf in Aden Leute, die, um ihr Leben zu retten, aus Sana geflohen waren, und die mir folgende schreckliche Kunde von einem Mättprer gaben, deffen Blut gleich Wasser ausgeschüttet wurde. „In Sana blühte seit zwei Jahrhunderten eine Familie, das Haus El-Sheik genannt, dessen Stifter der Vorsteher der von ihm wieder gebildeten Gemeinde gewesen war. Er war ein gotteSsürchtiger Weiser, mit Reichthum gesegnet. Die von ihm erbaute und mit Gesetzesrollen und anderen kostbaren Büchern

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