Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 39 (22.9.1863)
- Date
- 1863-09-22
- Page
- Seite 603 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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- Jelgava 1× ep/1000666
- Odesa 1× ep/1000834
- Riga 1× ep/1000826
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m lehnte diese ab, weil sie keine Originalschreiben aus Serbien erhalten, die es dem auswärtigen Amte vorlegen könnte. — Für die jonischen Juden wollte man den neuen König von Griechenland bei seiner baldigen Ankunft in England angehen, beschloß jedoch, zuvor an die Vorsteher der Juden in Korfu um deren Ansicht zu schreiben. Rußland. Bon der russischen Grenze, im August. »Privatmitth.) Sr. Majestät der Kaiser hat den erblichen Ehrenbürger und bisherigen Rabbiner Dr. A. Neumann in Riga in derselben Eigenschaft für die neu creirte israelitische Gemeinde der Residenz St. Petersburg, sowie die Ernennung des Banquier I. Stern in Mitau zum erblichen Ehrenbürger Allerhöchst zu bestätigen geruht. In Neu-Szagaren bei Mitau verstarb der dortige Rabbiner, Rabbi Zemach Sacks, in einem Alter von 77 */2 Jahren. Derselbe, welcher dort das Rabbiner-Amt seit 48 Jahren verwaltet hatte, war als rabbinische Autorität allgemein verehrt. Er hinterlaßt zwei Söhne, den rühmlichst bekannten Gelehrten Senior Sacks in Paris, und einen zweiten, Namens Helman Sacks, Lehrer der hebräischen Kronschule zu Poniwesch. Odessa, 31. August. (Privatmitth.) Aus den wenigen Berichten, die man in ausländischen Blättern über das hiesige jüdische Leben liest, könnte man analog dem Satze: „Völker, die keine Kriege führen, haben keine Geschichte", den Schluß ziehen, daß entweder das Pulsiren desselben der Sttlle der Verwesung Platz gemacht, oder daß der ganze Organismus im normalsten Zustande sich befindet. Keiner von diesen Schlüssen kann jedoch in diesem Falle zur Wahrheit führen. Der Grund, daß wir so wenige Lebenszeichen von uns geben, während andere minder zahlreiche Gemeinden der Feder stets neuen Stoff liefern, liegt vielmehr nur in dem sonderbaren Durcheinander, das in fast allen Richtungen herrschte, in denen das speciell jüdische Leben in die Erscheinung tritt, — eine Verworrenheit, in der auch der präciseste und geübteste Beobachter schwerlich einen Anhaltepunkt finden könnte. Eine objective Schilderung dieses endlosen Kreisens und Sichkreuzens der widersprechendsten und heterogensten Begriffe wäre eine Beschreibung von tausendfältig sich wiederholenden Kleinlichkeiten und Persönlichkeiten — anziehende Data vielleicht für den Psychologen, aber sicherlich nicht für den Leser Ihres interessanten Blattes. Die Ursache dieser Haltlosigkeit liegt, meiner Ansicht nach, die fteilich keine maßgebende ist, einzig und allein nur darin, daß die Gesinnungen der großen Mehrheit nicht in dem Prozeß der Analyse gehärtet werden, und daß es daher sehr wenige Urtheile, dagegen viel zu viele Meinungen giebt, die die Autorität von Glaubensartikeln für sich in Anspruch nehmen. Nur unter solchen Umständen kann zum Beispiel der Eigenthümer eines öffentlichen Organs vermittelst desselben größtentheils eigene Jntereffen verfolgen und Schmähungen und Schmeicheleien nach Belieben austheiten, wenn zufällig kein Grund zum Selbstlob vorliegt. Nur bei so bewandten Verhältnissen kann die leibhaftigste Ignoranz sich mit Titulaturen brüsten und auf das wahre Verdienst mit Verachtung herabsehen. Denn wo die Gesammtheit sich zu einer moralischen Persönlichkeit consolidirt, wo die individuellen Urtheile zu einer „öffentlichen Meinung" zusammengewachsen, da kann weder ein solcher Unfug noch ein solches Gaukelspiel zum Vorschein kommen. Doch die Gegenwart ist die Retorte, in der der Zersetzungsproceß der Vergangenheit vor sich geht, und man könnte mit Zuversicht auf ein der Zukunft günstiges Ergebniß rechnen, wenn die befferen Elemente kräftigerer Natur wären, wenn die Männer, die die gute Richtung vertteten, nicht zwischen Leidenschaft und Willensschwäche schwankten, sondern ruhig, gemeinsam und consequent das durchzusetzen sich bemühten, was sie in ihrer Intelligenz und Bildung so richtig als das Beffere erfaßt. Wir haben gegründete Hoffnung, daß diese Repräsentanten des Fortschrittes sich wenigstens von nun an keinen Mangel an Energie mehr werden zu Schulden kommen lassen. Daß sie Zusammenhalten können, wenn sie wollen, daß sie auch nicht opferscheu sind, beweist die Summe von nahe an 36,000 Rubel, die einstweilen nur 197 Personen zur Erbauung eines „Tempels" zeichneten, dessen Grundsteinlegung gestern stattfand. Mit den jetzt hier allgemein sehr traurigen Erwerbsverhältnissen zum Hintergründe tritt diese Opferwilligkeit um so anerkennenswerther hervor. „"Where there is a will there is a way“. Dieses war der Text, dcffen sich unser geehrter Herr Rabbiner in unzähligen öffentlichen und so zu sagen Privatpre- 39**