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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-09-22 · Heft 39 (22.9.1863) · p. Seite 605

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 39 (22.9.1863)
Date
1863-09-22
Page
Seite 605 (sequence 13)
Language
German
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605 gefüllte große Synagoge steht noch. Als ich zu Sana war, fand ich dort einen Abkömmling von ihm, Solyman Ha-Levi El-Sheik, der vier in dem Gesetze wohlbewanderte und gottesfürchtige Söhne hatte; der eine von ihnen, Joseph, war der Schwiegersohn des Oberrabbinen aller Juden in Sana und Jemen. Diese Leute waren Silberschmiede (das angesehenste und einträglichste Geschäft in diesen Gegenden) und mit der königl. Münzprägung betraut. Im vergangenen Kislev stand ein Tyrann in Sana auf, der nach der Herrschaft strebte, denn man hatte, wie es dort häufig zu geschehen pflegt, den Fürsten abgesetzt. Aber er hatte noch nicht den Thron bestiegen, da ließ er die drei ältesten Söhne Solyman Ha-Levi's rufen und befahl ihnen, Geld in seinem Namen zu schlagen, zu diesem Zwecke eine gewisse Menge spanischer Thaler zu schmelzen und die neue Prägung durch eine ungewöhnlich bedeutende Legirung zu verfälschen, denn es mangelte ihm an Geld. Hierauf antwortete Joseph: „Wir sind deine Diener. Möge Gott dich beschützen, deine Wünsche erfüllen und dich auf den Thron erheben, dann wollen wir alle deine Befehle vollführen". Diese Worte erregten seinen Zorn und er sprach zu ihnen: „Geht nach Hause und in kurzer Zeit werde ich mich rächen". Bald darauf überwand er alle Hindernisse und bestieg den Thron. Nun befahl er, die Brüder in das Gefängniß zu werfen, und ließ sie grausam martern; denn er sagte, er habe die unter seinem Vorgänger geschlagenen Münzen untersucht und gefunden, daß sie viel mehr Legirung enthielten als gesetzlich war, und daß also jene den Schatz beraubt hätten. Dann gebot er ihnen, den Staatsschatz durch die Summe von 18,000 spanischen Silberschckeln zu entschädigen. Hierauf wurde ihr ganzes Vermögen, selbst die Thorarollen in der Synagoge, zu Gunsten des Schatzes eingezogen, aber es betrug nicht einmal 5000 Schekel. Dann ftug er den Kadi, was das Gesetz wegen solcher Uebelthäter bestimme, und erhielt die Anwort, sie müßten öffentlich mit dem Schwerte hingerichtet werden, oder durch Annahme des Islam ihr Leben retten. Der König sprach also das Urtheil über sie aus, und das Verdict ward ihnen im Gefängniß vorgelesen. Man ermahnte sie, dem Tode durch Bekennung des Glaubens Muhameds zu entgehen; aber die hochherzigen Bruder ermunterten einander, den Namen des Gottes Israels zu heiligen und der Versuchung nicht zu unterliegen. Sie erwiderten: „Wir ziehen die Ewigkeit dem zeitlichen Leben vor; mögen unsere Körper vergehen, damit unsere Seelen gerettet werden". Der König besaht sie zu züchtigen, und sie wurden auf das grausamste und qualvollste gemartert. Sie wankten nicht und riesen unaufhörlich aus: „Höre, Israel, der Ewige, unser Gott, der Ewige ist einzig!" Nach einiger Zeit wurden sie auf den Marktplatz gebracht. Hier stand der Henker bereit, sie zu enthaupten, und die Priester, um sie durch einen Religionswechsel am Leben zu erhalten. Aber die Brüder widerstanden ihnen tapfer und reichten dem Henker ihren Nacken dar. Vergebens waren alle Anstrengungen und Bitten der Juden, ihre theuren Glaubensbrüder zu retten. Als der König sah, daß er ihren Entschluß nicht erschüttern könne, ließ er dem Aeltesten den Kopf abschlagen. Dann redete er den Zweiten an und befahl ihm, sich zum Islam zu bekennen; aber der Märtyrer erwiderte: „Thue mir also, wie meinem ftommen Bruder". Die beiden Ueberlcbenden wurden in das Gefängniß zurückgebracht und von neuem gemartert; und in diesem Gefängniß werden sie so lange liegen, bis sie sich mit 18,000 Schekeln ausgelöst haben. Ebenso wurde allen Juden in Sana eine so schwere Geldbuße auferlegt, daß sie dieselbe nicht bezahlen können. Die meisten von ihnen flohen, um ihr Leben zu retten, und wandern jetzt umher gleich hirtenlosen Lämmern". Anzeigen. „Die jüdische Gemeinde zu CottbuS sucht vom 1. „October c. oder vom 1. April 1864 einen geprüften „Religionslehrcr, Schächter und Vorsänger mit einem „jährlichen Gehalte von 200 Thlr. und circa 200 Thlr. „Ncbeneinkünfte. O-ualificirte Bewerber wollen sich un- „ter frankirtcr Einreichung ihrer Zeugnisse an den mit- „untcrzcichnctcn Präses A. Kurniker baldgef. melden". Der Vorstand der Synagogen - Gemeinde. A. Kurniker. H Aron. A. Kernpner. V a c a n g. Die hiesige jüdische Gemeinde wünscht bis zum 1. November einen Elementar - Lehrer zu engagiren. Firer Gehalt 180—200 Thlr. Zudem bicrct diese Stelle Gelegenheit durch Privatunterricht und Eidesabnahme den Gehalt bedeutend zu vergrößern. Darauf Rcstectirende wollen ihre Zeugniste baldigst an den Unterzeichneten franco einscnden. Mer zig, den 3. September 1863. M. Felsenthal, Schulvorstand.

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