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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-09-15 · Heft 38 (15.9.1863) · p. Seite 587

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 38 (15.9.1863)
Date
1863-09-15
Page
Seite 587 (sequence 11)
Language
German
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587 sen, das von den Großrabbinen von Smyrna, Seres und Adrianopel gebildet werden sollte. Diese frommen und gelehrten Rabbiner kamen in der Mitte des vergangenen Winters hierher, um die Anklagen gegen ihren tugendhaften und alten College« entgegenzunehmen. Die Hauptklage gegen diesen Talmudisten besteht darin, daß er Has-Keu! verlassen hatte, wo die Hartnäckigen ihn gezwungen hatten, sich inmitten der Revolutionären niederzulassen, nachdem er 2 Jahre in Galata (einem andern Viertel) gewohnt und sich in Orta-Keul eine Wohnung gewählt hatte. — Es ist unnöthig zu sagen, daß die würdigen Rabbiner des besagten Tribunals, das auf kaiserl. Befehl eingesetzt worden, eine Freisprechung ausgesprochen haben, zum großen Leidwesen der Leute von Has-Keru, Ballate, von Kuskundchuc und sogar von Orta-Keul, natürlich die aufgeklärten Männer ausgenommen, welche immer ihren verehrten Freund, Herrn Avigdor, beschützten. Ich muß hier auch bemerken, daß diese Juden auf eine ganz eigenthümliche Weise dem Sultan Petitionen überreichen: sie setzen sich vor der Fronte des Palastes auf die Erde, stimmen weinend die Kinoth vom neunten Ab an, einige tausend Menschen an der Zahl. Se. Majestät, gerührt von den Thränen seiner tteuen Unterchanen, schickt einen Kämmerer, um die Petition in Empfang zu nehmen und bewilligt ihnen ihre Bitte. Jetzt komme ich wieder zu der Absetzung des Herrn Avigdor zurück. Als dieser Großrabbiner abgesetzt war, mußte ein anderer gewählt werden. Die Juden, die Menge, immer in Abwesenheit der früheren israelitischen Autorität, welche sich in nichts mehr mischen wollte, haben eine Commission von sieben Mitgliedern ernannt; sechstausend haben ein Blatt Papier unterzeichnet, wo der Name des zukünftigen Würdenttägers ftei geblieben war, und diese Commission wurde dann beauftragt, den Namen eines hiesigen Rabbinen hineinzusetzen; der sollte dann Chacham-bachi sein. Die Commission hat den Namen eines seit vielen Jahren kränklichen Rabbiners hineingeschrieben, der nicht fähig ist, wäre es auch nur aus körperlicher Schwäche, die Functionen eines Leiters einer Gemeinde von 40,000 Juden, wenn nicht des Doppelten, zu erfiillen. Diese Functionen verlangen ein gewisses Aeußere, eine Würde des Charakters u. s. w. Indessen, sobald der neue Großrabbiner durch die Commission ernannt war, empfing er die Glückwünsche von jedermann, ließ seinen Turban erhöhen und vergrößern, gab seinem Auftreten eine gewisie Gravität u. s. W. So standen die Dinge vor einigen Tagen. Aber diese Ernennung wurde durch Se. Majestät, der von seinen Würvigen Ministern vollkommen unterrichtet worden, nicht genehmigt. Er will an der Spitze der Juden einen competenten Mann sehen, der wenigstens außer dem Talmudischen das Türkische gut versteht. Es wurde in der hohen Pforte bestimmt, daß Herr Jakir (Preciada), Großrabbiner von Adrianopel, zum Kaimakan (Stellvertreter) des Großrabbinats von Konstantinopel ernannt werden sollte, damit die zahlreichen Geschäfte dieser rabbinischen Verwaltung nicht unterbrochen würden. Dies geschah auch wirklich, und vergangenen Freitag kam der würdige Adrianopolitaner, durch eine telegraphische Depesche vom Großvezier herberufen, hier an und wurde mit einem wahren Triumphe empfangen. In der That verdient er die Achtung von jedermann. — Dennoch hat Has-Keuk laut geschrien: Sie wollen nichts vom Rabbiner von Adrianopel wissen. Verflossenen Sonntag ward in den Synagogen und auf den Straßen veröffentlicht, daß derjenige, der die Thora liebt, sich an die Rabbiner schließen solle (die arme Thora muß den gekränkten Ehrgeiz verstecken), um nach der hohen Pforte zu gehen und die Widerrufung des kaiserl. Befehls und die Annahme der Ernennung der Commission zu fordern. In ihrer Verblendung sahen diese Leute nicht, daß dies eine offene Empörung gegen das Decret war, das der Sultan unterzeichnet hatte und welches von den Ministern vollstteckt werden mußte. Man erzählt sich sogar, daß der neue Rabbiner einen anonymen Brief voll Todesandrohungen bekommen habe, wenn er nicht augenblicklich abreiste. Fuad-Pascha, unterrichtet von dem, was im geheimen von den Fanatikern beabsichtigt wurde, erwartete sie entschloffen am Sonntag. Sie kamen, wenigstens dreitausend an der Zahl, an; die Chachamims treten in den Palast der hohen Pforte, die anderen dringen in den ungeheuren Hof dieser obersten Staatsbehörde. Der Großvezier setzt chnen mit seiner gewöhnlichen Güte auseinander, daß es unmöglich ist, auf einen Befehl des Sultans zurückzukommen, daß sie wenigstens 2 Monate abwarten müssen u. s. w. Es scheint, daß sie in unziemlicher Weise antworteten, denn man ließ sieben von den Rabbinen, die gelehrtesten von HaS-Keul in ein anderes Zimmer tteten, während den anderen Befehl gegeben wurde, den Hof zu räumen. Die Soldaten warteten nur auf ein Zeichen und säuberten den Hof 38**

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