Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 38 (15.9.1863)
- Date
- 1863-09-15
- Page
- Seite 586 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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586 gung mit den übrigen Nationen in gesetzlicher Form zu constatiren, ohne die Errungenschaft der letzten 15 Jahre, Gleichheit aller Staatsbürger vor und nach dem Gesetze, zu compromittiren, — sucht der Ausschußentwurf sein Heil in der vollen Aufrechthaltung der vormärzlichen privilegirten Kastenstellung einzelner Nationen und Confessionen und in der Schaffung eines neuen gleichen Privilegiums zu Ehren der Rumänen, indem er „im Sinne der stebenbürgischen Verfassung", d. h. im Sinne des vollendetsten Kastensystems, anstatt der vormärzlichen drei nunmehr vier Nationen, statt der früheren vier künftighin sechs Religionen — mit Ausschluß aller anderen Nationen und Religionen — anerkannt wissen will; denn gegenüber dieser verclansulirten Privilegial-Stellung bestimmter Nationen und Confessionen ist es blos leere und dazu unglücklich gewählte Phrase des Ausschusses, wenn er in seinem Entwürfe den frommen Wunsch ausspricht: die persönliche Gleichberechtigung aller „Landessöhne" (um Gotteswillen nicht „Staatsbürger" oder „Menschen") ohne Unterschied der Nationalität möge unangetastet bleiben. So wie unter den 24 Rednern dieser beiden Tage alle Rumänen (mit Ausnahme eines einzigen: Balomiri) — jene Nation, welche bisher durch das Privilegium der anderen am meisten gelitten hatte — sich auf den Standpunkt des Privilegiums stellten, so standen alle Sachsen (mit Ausnahme des Berichterstatters v. T rausche ns els) für die liberaleren Principien des Regierungs-Entwurfs ein. Diese Scheidung in den Grundsätzen erstreckte sich, eigenthümlich genug, sogar auf die beiden Tage der Debatte: der gestrige Tag gehörte vorzugsweise den Rumänen, heute waren die meisten Sprecher Sachsen. Da mithin die sächsische Auffassung erst heute zum vollen Ausdrucke gelangte, so ist es natürlich, daß sich die meisten rumänischen Redner in Gemeinplätzen, oder nur in der Schilderung des rumänischen Elends vergangener Zeiten, oder auch in der Schilderung einer längstvergangenen Größe im Lichte einer imaginären Geschichte ergingen. Thatsächlich erklärten sich die rumänischen Redner einfach für den Ausschußentwurf, und es verdient erwähnt zu werden, daß sich ein magyarischer Redner, Graf Beldi, dem Wesen nach dieser Auffassung anschloß, indem er in der politischen und confessionellen Gleichberechtigung der Rumänen eine neue Garantie der alten Verfassung zu erblicken erllärte. Sehr wirksam sprach in der gestrigen Sitzung Gull (Schäßburg), welcher zuerst der sächsischen Auffassung Ausdruck gab, leider mit einem Aufwande von Argumenten, welche in der Special-Debatte ihre glücklichere Verwerchung hätten finden können. In der heutigen Sitzung war es vor allem Ran - n ich er, welcher mit einem positiven Gegenvorschläge, welcher von allen nachfolgenden Sachsen unterstützt wurde, hervortrat. Anknüpfend an eine ähnliche Aeuzerung Schaguna's schlug er, unter glänzender Motivirung, die Trennung des Gesetzentwurfs vor, derart, daß politische und confessionelle Gleichberechtigung in abgesonderten Artikeln zu ftabiliren wären; gleichzeitig legte er diesem Anträge entsprechend zwei abgesonderte Gesetzentwürfe, welche von der Regierungsvorlage blos durch ein größeres Maß von Freisinnigkeit sich unterscheiden, dem Hause vor. Schüler (Regen) führte den historischen Nachweis, daß die Unterthanensteüung keine Folge und kein ausschließliches Unglück einer Nationalität gewesen sei; Schmidt (Comes) entwickelte in tüchtiger Rede den bekannten Standpunkt der sächsischen Nations-Universität; Wittstock (Bistritz) beschwört, unter Hinweisung auf die anderen durch den Ausschußantrag auszuschließenden Nationen und Confessionen, keine neuen Ketten zu schmieden in dem Augenblicke, in welchem man die alten gebrochen auf den Altar der Freiheit legen will. Laßloffy (Ungar) spricht mit Energie und Schwung für die allgemeine Gleichberechtigung, insbesondere auch der Armenier. Türkei. Koustautinopel, 4. August. Ueber die Vorgänge in hiesiger Gemeinde giebt ein Bericht in den Arch. isr. folgendes Nähere an. Ich habe Ihnen Dinge mitzutheilen, wie sie fast nie in den Annalen des modernen JudenthumS verzeichnet wurden. Als sich der Sultan gegen die Mitte Juni dieses Jahres auf seinem Sommerschlosse an den Süßenwaffern von Europa, zwei Kilometer von Has-Keui, befand, haben sich die Juden dieses Viertels dorthin begeben, vierzig ChachamimS an der Spitze, und eine Petition in der Hand, worin sie um die unverdiente Absetzung des Chacham-bachi, des Herrn Avigdor, baten. Schon seit den 15 Monaten, seit denen die israelitischen Streitigkeiten in dieser Stadt dauern, waren die Chachamim von Has-Keu! übereingekommen, vermittels Petitionen und sonstiger Schritte den Chacham-bachi durch ein Tribunal richten zu las-