Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 38 (15.9.1863)
- Date
- 1863-09-15
- Page
- Seite 584 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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584 dinzungen wurden aufgestellt im Gedenken an die segensreiche langjährige Wirksamkeit eines Mannes wie Geiger, der sich durch das lebendige Mort auf der Kanzel wie durch tiefe Gelehrsamkeit, die sich in hervorragenden schriftstellerischen Leistungen bekundete, gleich vortheilhaft auszeichnete. Wie jedoch die Erfahrung bereits gelehrt hat, ist in dieser Vollständigkeit der Ersatz nicht möglich, und es bleibt bei der künfrigen Wahl des Rabbiners nur zu entscheiden, ob die größere philosophische Gelehrsamkeit des Bewerbers maßgebend sein soll, oder die Fähigkeit, durch das lebendige Wort die Lehre der Religion zur Ueberzeugung zu bringen und zugleich dem jüngern Geschlechte Liebe und Hingebung für die Religion einzuimpfen. — Herr Dr. Joel, Lehrer am hiesigen theologischen Seminar, genoß die Ehre einer freiwilligen Einladung zur ersten Probepredigt. Die Predigt bot schätzbare Garantien für philosophische Leistungen, und kann diese wohl zu den inhaltsreichsten Predigten gezählt werden. Nach ihm hörten wir die Herren Dr. Wolfs aus Gothen bürg und Dr. Stein aus Danzig. Jeder vortrefflich in seiner Art und bewährt durch seine bisherige Wirksamkeit. Als letzter Candidat, wie wir annehmen wollen, wurde uns am verflossenen Sabbath, den 29. August, der Herr Dr. Tobias Cohn aus Potsdam vorgeführt. Hier haben wir es mit einem Maune nicht nur von tiefer Wissenschaft, sondern auch von hervorragender rednerischer Begabung zu thun, dem höchste Eleganz des Ausdrucks zur Natur geworden ist, und der es versteht , durch klare, lichtvolle Darstellung die erhabenen Gedanken der Religion dem Geiste zum Bewußtsein und zur Erkenntniß zu bringen, dem Gemüthe zur Wahrheit und zur Ueberzeugung zu machen. Wie aber die Schönheit und die bewältigende Ueberzeugung der Rede mit dem Vortrage des Redners unzertrennlich verbunden erscheint, so gewinnt derselbe zugleich durch das Wort, das aus tiefer Seele und aus reichem Strome zufließt, einerseits, und durch den mächtigen Umfang der Stimme andererseits, die dabei in ganz natürlichen Grenzen sich zu bewegen scheint, ohne die geringste Kraftanstrengung, die dem Organ Gewalt anthut. Mit diesen Vorzügen versehen trat Herr Dr. Cohn in der hiesigen großen Synagoge auf, welche fast überfüllt war. Der Eindruck, den die Predigt aus alle Zuhörer hervorgebracht, war ein großartiger zu nennen; wohl jeder ohne Ausnahme verließ höchst befriedigt das Gotteshaus. Der Gemeinde-Vorstand fand sich bewogen, der allgemeinen Anerkennung durch Ueberreichung eines prächtigen silbernen Schreibzeuges an Herrn Dr. Cohn einen Ausdruck zu geben. Wie wohl nicht anders zu erwarten ist, wird bei der Wahl ein harter Kampf zwischen Joel und Cohn stattfinden. Doch wer die hiesigen Gemeinde-Verhältnisse kennt, wird über den Ausfall der Wahl im voraus gewiß sein. Die Wahl erfolgt nicht etwa von den dem entsprechenden Cultus angchörigen Mitgliedern oder repräsentirenden Behörden, sondern von der Repräsentanten-Versammlung, deren Mitglieder zum großen Theile dieser Cultus - Sitzung gar nicht angehören. —r. Bonn, 7. September. (Privatmitth.) Bor kurzem hatten wir das Vergnügen, den auch durch seine schriftstellerischen Leistungen rühmlich bekannten Oberlehrer zu Mitau, Herrn Wunderbar, bei uns zu sehen, und so den ebenso tüchtigen wie bescheidenen Mann persönlich kennen und schätzen zu lernen. Derselbe ist von Sr. Erlaucht dem Herrn Curator des dorpater Lehrbezirks beauftragt, nach Beendigung seiner Eur in Carlsbad eine Reise durch Deutschland zu machen, um die jüdischen Schulanstalten kennen zu lernen und seine Beobachtungen in einem Berichte niederzulegen, um dieselben möglichst bei den hebräischen Schulen in Rußland in Anwendung zu bringen. Wir empfehlen daher Herrn Wunderbar allen Schulvorständen und Lehrern zu bereitwilliger freundlicher Ausnahme, um ihm zur Erreichung seines Zweckes förderlich zu sein. Dr. L. Ph. Österreichischer Kaiserstaat. Pesth, 30. August. (Privatmitth.) Die ung. jüdische Schulfrage sieht noch immer einer endgültigen Lösung entgegen. Fast bei sämmtlichen Gemeinden Ungarns hat die diesfällige Initiative der hohen Regierung den freudigsten Wiederhall geweckt und aus den Rückantworten auf das bekannte Statthalterei-Jntimat weht ein Hauch loyaler Gesinnung und inniges Dankgefühl für unseren erhabenen Monarchen, der in hochherziger Weise die Stellung der österreichischen Juden so sehr gebessert hat. Der gesunde Sinn unserer Glau--