Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 38 (15.9.1863)
- Date
- 1863-09-15
- Page
- Seite 583 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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583 des kümmerlichen Einkommens der meisten Lehrer durch die Leopold Goldschmidt'sche Stiftung den würdigen Lehrern in die Rheinprovinz einigermaßen Hülfe gebracht. Zwischen 400 und 500 fl. wird jährlich unter die jüdischen Lehrer vertheilt, die Hälfte der Zinsen, während die andere Hälfte die christlichen Lehrer erhalten, unter denen diejenigen besonders berücksichtigt werden, welche auch israelitische Kinder in ihrer Schule haben. In den Synagogen, mindestens am Sitze des Rabbiners, hat die Cultus - Reform einen festen Boden. Die intelligenten Rabbinen gehen festen und ruhigen Schrittes in der Besserung, Hebung und Veredlung des Gottesdienstes, unbekümmert um die Wühlereien und das Zetergeschrei der Fanatiker, welche ihren Hauptsitz in der Bundessestung Mainz haben. Wer die Persönlichkeiten der Wortführer dieser Partei kennt, der kann auch beurtheilen, was von dem Treiben dieser Männer zu halten ist. Kein gebildeter Mann im ganzen Großherzogthum mag „den Israelit" nur in die Hand nehmen. Der Redacteur, der fromme Prediger Herr Dr. Lehmann, donnert hier laut, raunt dort leise in die Ohren der Ignoranten: wer in eine Orgel- Synagoge gehe, der sündige gerade so stark, als ginge er in eine Kirche. Er beehrt auch solche Synagogen mit dem Namen Tiflos. Indessen mag er selbst, mindestens fern von seinem Wohnorte, etwas laxer verfahren. Denn bei der Lehrer-Versammlung in Manheim besuchte der Hr. Dr. Lehmann, begleitet von einigen gleichgesinnten Lehrern, die Dreifaltigkeitskirche dort. Ist das nicht zwiesaltig? Doch die ganze Richtung dieser Herren bleibt einfältig. Auö dem Grosiherzogthum Hessen, 1. September. (Privatmitth.) Im Großen und im Kleinen zeigt sich die Zähigkeit des historisch Bestehenden, und tauchen daher immer wieder Fragen auf, welche man längst entschieden glaubte. Ueber den Werth und Unwerth des Kol-Nidre-Gebetes kann kein Zweifel mehr sein, und wenn man es den Gemeinden überläßt, es noch beizubehalten, so kann doch niemand mehr anderen das volle Recht absprechen, es abzuschaffen. Hiergegen hat jüngst Dr. Lehmann in Mainz dennoch ein Pamphlet erscheinen lassen, und die ebenso unbegründete wie unsinnige Behauptung aufgestellt: „Mit dem Aufheben (!) des Kol-Nidre ist der Jom-Kippur verstümmelt". Gegen dieses Schriftchen, das nach Art des Verfassers voller Anschwärzungen und Verketzerungen aller derer ist, die nicht zu der sanattschen Rotte gehören, hat der Rabbiner Dr. Joseph Aub in Mainz eine Brochüre: „Die Eingangsfeier des Versohnungstages. Ein abgerungenes Wort der Belehrung und Beruhigung an seine Religionsgemeinde", erscheinen lassen, welche ebenso mit den Waffen gründlicher Gelehrsamkeit als mit den Gründen ächter Religiosität den Gegner vernichtet und die Geißel des Spottes über ihn schwingt. Er that dies wahrlich nicht, weil er dem Gegner irgend eine Wichtigkeit zuschreibt, sondern weil diese Leute das Schweigen für einen Sieg ihrerseits ausgeben und sich bei den Unwissenden und Schwankenden durch ihre Zudringlichkeit einigen Eingang verschaffen. Der Verfasser führt alle die großen Autoritäten an, welche sich von jeher gegen dieses Kol-Nidre und den aus ihm so leicht erfließenden Mißbrauch erklärt haben, weshalb es auch bereits in sehr orthodoxen Gemeinden aufgegeben worden ist; er beruft sich nur auf die Uebersetzung der Eingangsformel (m'va'a), um das Verwerfliche derselben klar zu machen: „Im Namen der Akademie (oder des Gerichts) in der Himmelshöhe oben und im Namen der Akademie (des Gerichts) auf Erven drunten, mit Wiffen (Zustimmen) Gottes und mit Wissen (Zustimmen) der Gemeinde gestatten wir, mit den Uebertretern zu beten". Wer diese „Uebertreter" seien, ist jedem Sachverständigen bekannt, nämlich diejenigen, welche die Beschlüsse und Bannsprüche der Gemeinde übertreten, Dinge, die bekanntlich nicht mehr existiren. Man würde sagen können, daß die Sache durch diese Brochüre völlig abgethan sei, wenn man nicht wüßte, daß es für jene fanatische Partei gar keine Gründe giebt, möge man sie aus der h. Schrift, aus dem Talmud oder aus den rabbinischen Autoritäten holen. Für sie, welche die Autorität vergöttern, giebt es nur eine Autorität, das ist ihre eigene, und bei aller Heuchelei weisen sie dennoch mit Hohn die h. Schrift, den Talmud und die Rabbinen zurück, wenn sie — ihnen widersprechen. Preußen. BreSlau, 3. September. (Privatmitth.) Bei Eröffnung der Concurren; um die durch Ueberfiedelung des Herrn Dr. Geiger nach Frankfurt a/M. vacant gewordene Rabbinerstelle wurden Bedingungen in das Programm ausgenommen, deren Erfüllung unerläßlich für eine so bedeutende Candidatur erschien. Diese Be-