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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-09-15 · Heft 38 (15.9.1863) · p. Seite 582

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 38 (15.9.1863)
Date
1863-09-15
Page
Seite 582 (sequence 6)
Language
German
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582 Zeitungsnachrichten. Deutschland. Frankfurt aM., Ende August. (Privatmitth.) Wenn auch die gegenwärtige Erscheinung am politischen Horizont, der Abgeordneten- und Fürstentag, jede andere geistige Anregung in den Hintergrund drängte, so strömten doch Männer von allen Richtungen am 22. d. in die Synagoge, um Geiger's Antrittsrede zu hören. Der Ruf, welcher ihm als Mann der Wissenschaft und als guter Kanzelredner vorausging, spannte die Erwartung aufs höchste und sein Erfolg war ein glänzender. Die Worte: Akabju den Mahalalcl, „Wisse, von wannen du kommst und wohin du gehest :c." bezog er als Textesworte mit den geistreichsten Wendungen auf sein Wirken und Streben in der Vergangenheit und auf das Ziel seiner Thätigkeit in der Gegenwart. Von seiner speciellen Aufgabe ging er auf den allgemeinen geistigen Beruf Israels über, dessen Endziel nicht durch prachtvolle Gotteshäuser und reformirten Gottesdienst erreicht sei, sondern durch die Fortentwickelung seiner Lehre und Verbreitung seines höheren Gottesbegrifss. Ganz den fteiheitlichen und acht jüdischen Principien gemäß stellte er den Wirkungskreis des Rabbiners nur innerhalb des Zieles und Strebend des als Priesterreichs erkorenen Volkes, und verscheuchte somit gleich bei seinem Antritte jene engherzige Befürchtung hierarchischer Uebergriffe, die durch frühere Zerwürfnisse in unserer Gemeinde Wurzel gefaßt haben. In einer zweiten Predigt am 29. d. wandte G. die Textesworte der Perikope (4 B. Dl. 2, 2): „Jeder bei seiner Fahne, bei dem Zeichen seines Stammhauses — rings um das Stift- und Einigungszelt sollen sie lagern" auf die politische Tagesfragc an, auf die getrennten Völkerstämme unseres deutschen Vaterlandes, und dann auf die Stellung der verschiedenen Parteien im Judenthume. Jeder bei seiner Fahne, wenn sie auch durchlöchert sei; jeder bei dem Zeichen seines Stammhauses; und so verschieden auch die Form und Richtung der religiösen Ueberzeugung sei, müssen sich alle um das Stift- und Einigungszelt lagern und sich dem religiösen Leben der Gesammtheit anschließen, aber nicht in selbstgenügsamer Abschließung die Anforderung der Gegenwart verkennend und mißachtend für ihre Fähnlein besondere Lager abstecken. Der freie, aus dem Herzen kommende Vortrag und die geistreiche Anwendung passender Schrift- und Midraschstellen verfehlten nicht, selbst auf diejenigen Zuhörer Eindruck zu machen, die dem orthodoxen Lager angehören, so daß viele die Aeußerung nicht unterdrücken konnten, daß es für G. ein Leichtes wäre, die Einheit und Einigkeit in unserer zerspaltenen Gemeinde wiederherzustellen, wenn nur die Orgeltöne in der Synagoge nicht einen so großen, nicht zu bewältigenden Anstoß erregten und so der Anziehungspunkt der Kanzel durch die Orgelklänge wieder aufgehoben würde. G. hat den Gottesdienst so belassen, wie er ihn vorgefunden, und unter allgemeiner Beistimmung seine Functionen bei demselben außer der Predigt nur auf ein Schlußgebet beschränkt. Da das Ziel und Streben Geiger's eine höhere Richtung als Synagogalreformen hat und unsere Radicalen selbst es eingesehen haben, daß ein Rückzug für das einheitliche Gemeindeteben weit förderlicher sei als ein zielloses Vorrücken, so ist dem Zwiespalt der Boden genommen und eine weitere Zerklüftung nicht zu befürchten. kt. K. Dresden, im September. (Privatmitth.) Folgende Nachricht über einen hiesigen Glaubensgenossen wird intcressiren. Bon dem homöopathischen Centtalvereine ist der auf die ausführliche Beschreibung einer Krankheit und deren Heilung ausgesetzte Preis dem praktischen Arzte Dr. Hirschel in Dresden für dessen Abhandlung über Gastrodynie (Magenschmerzen) auf das Gutachten der Preisrichter in Prag, Wien und Berlin einstimmig zuerkannt worden. Mainz, 3. September. (Privatmitth.) Obwohl in dem Großhcrzogthum Hessen fast sämmtliche, ja alle Rabbiner bis auf den greisen würdigen Rabbiner in Worms, welcher aber ebenfalls der verfolgungssüchtigen Ultraorthodexie nicht zugethan ist, für die Reform thä« tig sind und dem Fortschritte, nicht dem Sturmschritte, huldigen: so dringt dennoch selten ein Bericht über die Wirksamkeit dieser Rabbiner innerhalb ihrer Bezirke in die Oeffentlichkeit. Ueber Schulen, d. h. Religionsschulen, könnte nur die allgemeine Klage, welche aus vielen Ländern ertönt, wiederholt werden, daß die Regierung gar nichts, die Gemeinden wenig für die Religionsschulen leisten. Ich will mit diesen nie verhallenden Jeremiaden die Leser nicht ermüden. Glücklicher Weise wurde im Betteff

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