Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 36 (1.9.1863)
- Date
- 1863-09-01
- Page
- Seite 556 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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556 die von ihr geprüften und mit dem Zeugniß der Reife entlassenen Candidaten vom Staate als zur Annahme und Verwaltung eines Lehramts ebenso befugt und befähigt erachtet werden, wie wenn sie auf irgend >.inem evangelischen oder katholischen Seminar des Landes ihre Studien resp. ihre Examina gemacht hätten. Große Mühe und Anstrengung hat's freilich gekostet, einem specifisch jüdischen Institute ein solches Recht zu verschaffen. Es hat aber auch die Energie, der Eifer und die Unermüdlichkeit eines Mannes wie Horwitz dazu gehört, ehe dieses schöne Ziel ist erreicht worden. — Was Rector Horwitz für die Hebung der jüdischen Knabenschule gethan, und wie selbige unter ihm und durch ihn von einer 4klassigen Unterrichtsanftalt zu einer 12klassigen herangewachsen, die jetzt von circa 600 Kindern frequentirt wird, ist in diesen Blättern bereits früher schon von uns mitgetheilt worden. — Kehren wir aber nun wieder zu dem Gebäude zurück. Eine Treppe hoch befinden fich, außer einem Sing- und Zeichnen-Saale, die Räumlichkeiten für 8 Klaffen der Knabenschule. Die andern 4 Klassen derselben sind noch eine Treppe höher <im zweiten Stockwerke) gelegen, woselbst auch der große Prüfungssaal und noch einige andere zu Schulzwecken dienende Locale anzutreffen. Was namentlich den großen Prüfungssaal anlangt, so ist selbiger hinsichtlich der Ausdehnung :c. der Art, daß sich seiner kein Gymnasium und keine Realschule im Staate zu schämen brauchte. In akustischer Beziehung bleibt auch nichts zu wünschen übrig. Die Ausstattung des Saales ist einfach, aber nichtsdestoweniger schön und geschmackvoll. Die Wände sind mit nichts weiter als den Bildern dreier Donner geziert, welche sich vor mehreren Decennien um die Gründung der Schule verdient gemacht haben. — Wie hier aber, so sieht und erkennt man auch in allen übrigen Localitäten, ja mit jedem Schritte, den man thut, und mit jedem Blicke, den man um sich wirst, daß die berliner Gemeinde der Bauherr gewesen; — so sieht und erkennt man überall im ganzen Hause, daß, wie man sagt, „mit der vollen Hand" gebaut, geschafft und eingerichtet worden. Es versteht sich von selbst, daß hinter dem Gebäude auch Spiel- und Turnplatz nicht fehlen. — Die unter der Leitung des Herrn Dr. Rosin stehende Gemeinde - Religionsschule war im vergangenen Schuljahre von 201 Kindern (81 Knaben und 120 Mädchen) frequentirt, welche in 8 verschiedenen Klassen (4 Knaben- und 4 Mädchenllaffen) von 6 Lehrertt unterrichtet wurden. Die Gemeinde-Mädchenschule (Elementarunterrichtsanstalt) wird von Herrn Engelmann dirigirt. Italien. Aus Oberitalien, im August. Nach dem Fduc. i§r. haben auch die Gemeinden zu Reggio, Mondovi, Turin (1990 Seelen zählend), Moncalvo und Pisa ihre Zustimmung zu den Beschlüssen des Congreffes von Ferrara eingesandt, bis jetzt also 18 Gemeinden, welche den größten Theil der Israeliten im italienischen Königreich vertreten. Es ist gewiß höchst erfreulich, daß somit das Einigungswerk der Israeliten Italiens gesichert scheint. — Die „Opinione“ von Turin berichtet folgendermaßen von einer abermaligen Mortarageschichte zu Rom. „Ein kleines israelitisches Mädchen weinte auf dem Platze Santa Catarina di Funari, weil es eine Züchtigung von seinen Eltern erhalten. Das Kind war mindestens zehn Jahre alt. Eine bourbonische Dame geht vorüber, sieht das Kind in diesem Zustande, bemächtigt sich dessen und führt dasselbe, ungeachtet seines Geschreies, mit Gewalt in das Conservatorium der Katechumenen. Bon der Thatsache unterrichtet, begiebt sich die Mutter in aller Eile nach dem Conservatorium und verlangt ihr Kind zurück, aber vergebens. Statt aller Antwort sagt man ihr, daß Juden, die hier einmal eingetreten, wer er Mutter noch Verwandte hätten". Die Bcurbonisten lassen also ihr Brigantenwesen und Räuberthum weder in Neapel noch in Rom, und die päpstliche Kirche sanctionirt dasselbe. Es ist dies ein kleines Glied in der großen Kette, die endlich reißen muß — rostig ist sie ja schon genug, und Wunden hat sie den Völkern gerieben tief und blutig, wie keine. Türkei. Konstantiuopel, 29. Juli. Nach einem Briefe an die Arch. isr. ist die Obscurantenpartei doch nicht gänzlich zu ihrem Ziele gelangt, denn der Großvezier, unterrichtet von der Nullität des von jener vorgeschlagenen Chacham-Baschi Almosnino, hat es vorgezozen, einen Stellvertreter (Kaimakam) in dem Großrabbiuen von Adrianopel einzusetzen, der in den nächsten Tagen die Leitung der Geschäfte übernehmen wird.