Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 36 (1.9.1863)
- Date
- 1863-09-01
- Page
- Seite 555 (sequence 9)
- Language
- German
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555 langen der Angehörigen, noch einmal am Grabe geöffnet werden. Die Shnagogenräthe haben streng auf den Vollzug dieser Verordnung zu halten. Der Ministerial-Commissär. Schwarzmann. Altmann. Preußen. Berlin, 20. August. (Privatmitth.) Mit Befriedigung hat man hier die Bildung des Rießercomitö's in Frankfurt a/M. erfahren, als einen zweiten Schritt zur Verwirklichung des von Ihnen angeregten Gedankens. Man findet aber den Pränumerationspreis für Rießer's Schriften von 534 Thlrn. unverhältnißmäßig und unzweckmäßig hoch. Wie viele von denen, welche wahres Interesse an der Sacke nehmen, sind wohl im Stande, eine solche Summe für ein Werk auszugeben, das als Denkmal und Bildungsmittel wohl von Werth ist, aber kein nothwendiges Bedürfniß? Wie viele aber, die es im Stande waren, haben Interesse daran? Unwillkürlich vergleicht man den festgeftellten Preis mit den Leistungen des Jnstiluts zur Förderung der israelitischen Literatur, das für 2 Thlr. jährlich durchschnittlich L10 Druckbogen liefert, wofür, wie wir wissen, gute Honorare gezahlt werden, Provision, Porto, Versendungskosten, Verwaltung, Papier und Druck getragen werden. Nach diesem Maßstabe wären wohl drei Thaler genügend gewesen, und für eine Anzahl Prachtexemplare hätte ein erhöhter Preis eintreten können. Man bedauert daher, daß das Comitö nicht Ihre ganze Idee acceptirt hat; oder hat es, wie dies leider bei Comites oft der Fall ist, sie gar nicht in Bcrathung gezogen? Wenn ich übrigens so allgemein von „man" spreche, so meine ich nur den kleinen Kreis, der sich hier in Berlin für jüdische Angelegenheiten interessirt, noch dazu, wenn diese über das Weichbild der hiesigen Stadt hinausreichen. Giebt es nichts in loco, worüber man sich erhitzen, worüber man streiten und lärmen kann, so ist es nur eine geringe Anzahl von Männern, — das weibliche Geschlecht kommt gar nicht in Betracht — welche Interesse und Herz für das Judenthum, sein Leben und seine Entwickelung har. Demungeachtet steht Berlin der Hansestadt Hamburg hierin noch bei weitem voran. Denn gesetztenfalls, Rießer wäre ein Berliner gewesen, so hätten sicherlich die Subscriptionen für die Rießer-Stiftung in Berlin großartige Dimensionen angenommen, während Hamburg seines verdienten Sohnes schon vergessen zu haben scheint. In Berlin fehlt es nur an Einem, d. i. an Männern, welche eine Sache in die Hand nehmen und kräftig nach allen Seiten hin fördern. Sobald diese da sind, ist man des Erfolges gewiß. Aus der Mark, 10. August. (Privatmitth.) Wie in mancher andern Beziehung, so könnte und sollte auch — oder vielleicht ganz besonders — in Betreff der Sorge für das jüdische Schulwesen die Gemeinde Berlin gar sehr vielen Gemeinden der Monarchie als Muster und Vorbild dienen. Die Gemeinde der Hauptstadt, allerdings die größte im Staate, hat eine 12klassige Knaben-, eine tzklassize Mädchen- und eine 8klassige Religionsschule. Alle drei Anstalten sind stark frequentirt, in allen ist für alles reichlich gesorgt. Ganz vorzügliche Aufmerksamkeit aber verdient das neuerbaute und jüngst eingeweihte Haus für die Gemeinde- Knabenschule, welches in der Gr. Hamburgerstraße sich befindet, in seiner Einfachheit und Prunklosigkeit erst recht seine wahrhaft architectonische Schönheit, wie das höchst Geschmackvolle seiner Anlage, hervortreten läßt und jeden Lehrer, der es betritt, mit dem Gefühl wahrer Freude erfüllet und — wenn er alle die inneren Räume und Einrichtungen sich ansieht — wohl gar zu dem stillen Wunsche anregt: Trrsrs-ns? irrm« -o nz „Hier möcht' ich Ruhe finden für immer, hier möcht' ich wirken — denn also wollte und wünschte ich es". — (Ps. 132, 14.) — In dem Erdgeschoß des Gebäudes befinden sich — außer der Wohnung des Dirigenten — die Klassen- und andere Locale für die Lehrerbildungs-Anstalt oder das Seminar, welches seit etwa 3 Jahren besteht und von demselben tüchtigen Pädagogen, wie die Knabenschule, nämlich dem Herrn Rector A. Horwitz geleitet wird. DaS berliner Seminar bildet, wie wir in diesen Blättern schon einmal berichtet haben, seine Zöglinge nicht blos zu Lehrern, sondern auch zu Chorleitern und Vorbelern aus. Im Herbste v. I. wurden die ersten Abiturienten entlassen, von denen einige schon öffentliche Stellen bekommen haben und verwalten. Die in Rede stehende Anstalt genießt nämlich einen Vorzug, dessen sich unseres Wissens noch nie ein ähnliches jüdisches Institut in Preußen zu erfreuen hatte, | wir meinen: das Recht der Entlassung, d. h., daß 36