Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 36 (1.9.1863)
- Date
- 1863-09-01
- Page
- Seite 552 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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552 pflastert, weil Eisen kein so guter Leiter der Warme sein soll, wie die andern Metalle, und Eisen daher höher im Werthe bei ihnen steht als Gold. Sie gehen nackt und bedecken nur ihre Blöße. — Von dort ging ich zur See nach Garun, von da nach Barcelona und Deutschland, und ließ mich darauf in Frankfurt a/M. und spater in Amsterdam nieder." Wenden wir uns von diesem schlickten Erzähler zu unserm Benjamin, der den Beruf zu haben glaubt, die 10 Stämme aufzusuchen, die er früher im Orient, dann in Amerika zu finden glaubte und fie nuu in China suchen will. Seine ersten Reiseskizzeu hat er von einem französischen Gelehrten iu Algier aus seinen jüdisch-deutschen Notizen, die er theils von reisenden Geschäftsleuten, theils aus bekannten Relationen zusammenstellte, zu einem lesbaren Ganzen verarbeiten lassen. Gleich bei seinem Erscheinen wußte man, wessen Geistes Kind der Colporteur dieser Schrift sei; denn er ist ohne Wissenschaft und Kenntnisse, und nur sein Hang zu einem unfiäten Leben hat in ihm den Beruf zu reisen hervcrgerufeu. Die Aufsuchung der 10 Stämme ist nur das Mittel zu seinem Zwecke. Die unabhängige», nicht erkauften und nicht von dem orthodoxen Aushängeschild verlockten Männer haben gegen dessen Treiben das Wort ergriffen, und wir verweisen nur auf deu Artikel vom seligen Jost iu diesen Blättern und auf die Erklärung vom Red. der Archives im Jahre 1856. Das erste Erforderniß eines Reisenden, der nur auf dem Gebiete der Völkerkunde Entdeckungen machen will, ist — Sprachkenntniß; unser Reisende aber ging in die Schule eines gewissen Gelehrten, der in Deutschland nur Französisch, in Frankreich nur Englisch und in Amerika und England nur Hebräisch verstehen will. Wie man nun Gebräuche und Sitten der Völker kennen lernen will, ohne ihre Sprache zu verstehen, ist ein Räthsel, das nur ein Benjamin lösen kann. Wie demselben nun alle wissenschaftliche Befähigung abgeht, so ist auch der Wahrheit der schlichtesten Erzählung nicht sonderlich zu trauen. So sagt er z. B. — wenn unser Gedächtniß nicht trügt — von den Juden iu Berzoni, daß sie in einer solchen Unwissenheit lebten, daß sie nicht einmal wußten, was Beten sei; aber er hebt es dennoch als eine Merkwürdigkeit hervor, daß sie kein rituelles Frauenbad hätten und er sie deshalb zurecht gewiesen habe. Seine jüngste Schrift über seine Reisen iu Amerika, wo manche Jndianerstämme Spuren einer jüdischen Abstammung haben sollen, ist uns noch nicht zu Händen gekommen. Sie ist aber ebenfalls ein Fabrikat zweifelhaften Ursprungs und konnte sich natürlich in die reiche amerikanische Reiseliteratur keinen Eingang verschaffen. Wenn nun dieser Reisende wegen seiner wissenschaftlichen Entdeckungen keinen Orden verdient, so verdient er doch einen solchen wegen der Kunst, den Reichen Israels, welchen die jüdische Wissenschaft und ihre Träger ganz unbekannt sind, ein Interesse für sich eingeflößt zu haben. Diese Kunst bewirkte er erstens dadurch, daß er in Paris sich die Aufnahme iu den Freimaurerorden für 100 Frc. erkaufte; zweitens, daß er von christl. Gelehrten Zeugnisse seines großen Berufs zu erlange« wußte. Es gereicht uns aber iu der That zu Spott und Schande, wenn wir sehen, wie selten die christl. Aristokratie der Wissenschaften den Schriften und Namen unserer Frankel, Zunz, Geiger, Grätz u. A. die geringste Anerkennung zollen und nun so gern einen Benjamin als „leuchtenden Stern in der lichtlosen jüdischen Wissenschaft einführen. Nachdem Herr B. seine Kunstreise in Deutschland nun geendet hat, ist er im Begriff über deu Canal zu gehen. Wir sind überzeugt, daß iu einer Stadt, wo ein Dukes fast verhungert, ein Benjamin sich aller Gunst der Reichen erfteuen wird. Kirchheim. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Aus dem Großherzogthum Baden, im August. (Privatmitth.) In No. 29 d. Blätter läßt sich wieder einmal der Correspondent aus dem badischen Oberlande vernehmen und weiß von der Thätigkeit des Oberrathes der Israeliten weiter nichts zu berichten, als daß die Schächtergebühren neu festgestellt worden sind. Wenn nun aber auch wirklich sonst nichts zu berichten gewesen wäre, so verdiente auch diese Anordnung keine solche ironische Behandlung, denn durch dieselbe ist den israelitischen Religionslehrern eine Verbesserung ihres accidentiellen Einkommens erwachsen, was dieselben mit Dank angenommen haben; und wer die Lage dieser meist sehr würdigen Männer kennt, freuet sich mit ihnen ob ihrer verbesserten Stellung, welche übrigens noch anderweitige Verbesserungen er-