Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 35 (25.8.1863)
- Date
- 1863-08-25
- Page
- Seite 542 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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542 seinen armen Anverwandten zuzufallen habe. Die Chebra Kadischa ist dem Sinne des Testators zufolge gehalten, ein Hospital anzukaufen, welches für alle Zeiten den Namen des Testators „Reichhospital" zu führen hat. I. I. Rosenmeyer. Aus Ungarn, 26. Juli. (Privatmitth.) JmSürgöny, dem Organe der ung. Statthalterei, wird die Jnspectoratsfrage einer ernsten Kritik unterzogen, und insbesondere gegen die Ansicht des Oberrabbiners Löv in Szegedin angekämpft. Nachdem sich bei den Derathungen größtentheils in den Gemeinden die Intelligenz zurückgezogen hat und die Vorstände nicht einmal überall Anspruch machen, in die Schulaugelegenheiten eingeweiht zu sein, ist es mehr als erwünscht, wenn die angeregte Notablen-Bersammlung behufs Regelung der jüd. Jnspectorenangelegenheit in Pesth zusammenberufen würde. Die meisten Gemeinden sprechen fich einstimmig gegen die Honorirung der Jnspectoren aus; sämmtliche jedoch nehmen mit Dank die dargebotene Autonomie an. Nur Nyregyhäz scheint eine Ausnahme zu machen, nachdem sich der dortige Gemeindevorstand mit protestantischen Schulen, somit auch mit protestantischen Jnspectoren für die israelitische Schuljugend einverstanden erklärt hat. In der magyarischen Literatur entwickeln unsere Pädagogen eine seltene Rührigkeit, und es erscheinen nicht nur Üebersetzungen, sondern auch selbstständige Werke in magyarischer Sprache auf jüdischem Gebiete. Insbesondere empfehlen wir für Schulbibliotheken: Ifjusägi iratok vom Hauptlehrer Nathan Fischer in Raab (Verlag von Hennicke Rezsö), mit Beiträgen vom Herausgeber, Kohn Jäkö, Erbmann Farkas Jzsäk (pseudonym Rosenmeyer I.), nebst Üebersetzungen von Dr. Ludw. Philippson, Stern, Lud. Frankel u. A. Der ungarisch-israelitische Verein in Pesth (leraelita magyar Egylet) wird auch in diesem Jahre ein Jahrbuch herausgeben , und hat der Ausschuß unter der Redaction des wackern Rosenberg Jzidor bereits die Vorbereitungen zur Herausgabe getroffen. In dem benachbarten Siebenbürgen haben bei den Landtagswahlen die Israeliten stets mit den Magyaren gestimmt, und hielt es selbst das in Pesth erscheinende klerikale Blatt „idöt tanuja“ für geboten, den Israeliten dieserhalb ein Eljeu (Hoch!) zuzurufen. Wie«, 2. August. (Privatmitth.) Es hat hier eine bettübende Sensation erregt, daß jüngst nach dem Tode eines sehr achtbaren Mannes einer seiner Söhne, Rabbiner und Dr. philos., einen schwarzgesiegelten Brief an seinen Vater einsandte und verlangte, es sollte der Brief dem Leichname in die Hand und mit in das Grab gegeben werden! und-man that es. Wie? ist die Religion Jsrael's nicht die erste gewesen, die gegen Todtenbeschwörung und alle heidnischen Gebräuche bei der Todtenbestattung und Todtenbettauerung aufs Entschiedenste aufgetteten, und giebt die h. Schrift nicht die bündigsten Vorschriften dagegen? Und bei welcher Glaubensgenossenschaft der civilisirten Welt werden noch so viele abergläubische Gebräuche bei der Behandlung der Todten geübt, als bei den Juden? Und diese sollen, statt gemindert und aufgehoben, noch vermehrt und gepflegt werden? Und dies soll von studirten Rabbinen ausgehen, welche sich mit dem Doctorhute geschmückt haben? O, der alte Spruch immer wieder: „Deine Führer leiten dich irre, Israel!" Am schmerzlichsten aber berührt der Gedanke, daß ein Sohn den Tod seines Vaters dazu benutzt, solchen Irrwahn zu practiciren; daß ihm das Bild des ehrwürdigen Vaters nicht vorschwebte, mahnend: tteibe solch' Gaukelspiel nicht mit mir'. .... Polua, 9. August. Wir erhalten folgenden Aufruf, den wir dem Wohlthätigkeitssinne unserer geschätzten Leser dringend empfehlen. Von einem unaussprechlichen, alle menschliche Vorstellungen übersteigenden Unglücke, wofür jegliches Herz, wenn noch so gehärtet, erweicht und rege werden muß, wurde unsere Gemeinde heimgesucht. Dienstag den 4. August um 3 Uhr nachmittags erdröhnte die Sturmglocke und es erhallte der Ruf: Feuer! und es währte kaum eine Stunde, und das Verheerungselement, nach allen Seiten und Richtungen sich verbreitend, alle Ecken und Enden der Stadt erfassend, verwandelte eine Häuserreche von 194 Nummern der größeren und eine Unzahl der kleineren Häuser derart zu Staub und Asche, daß beinahe jede Spur chres früheren Bestandes geschwunden. Unter diese Anzahl der total zerstörten und verheerten Häuser ist leider unsere ganze Judenstadt, eine 500 Seelen in sich fassende Judenschast zu zählen, eine Judenschast, die eine Gemeinde bildete, welche stets zu den ersten Böhmens gerechnet werden durste. Beinahe die sämmtliche Anzahl irrt Z