Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 35 (25.8.1863)
- Date
- 1863-08-25
- Page
- Seite 541 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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541 Aus dem Posenschen, im August. (Privatmitth.) Es ist bekannt, daß zu der Schar der jüdischen Auswanderer nach Amerika unsere Provinz von jeher ein sehr bedeutendes Contingent gestellt hat. Namentlich waren es immer recht viel Jünglinge, welche von hier nach Amerika übersiedelten. Von diesen Jünglingen ists aber wiederum ein schöner Theil, welcher an dem gegenwärtigen Kriege thätigen Antheil nimmt, d. h. in den Reihen der Unions-Armee gegen den Süden für die Aufhebung des Sclaventhums streitet. — Ob aus freier Neigung oder aus drückender Nothwendigkeit, das kann uns gleichgültig sein. Gewiß aber ist und sicher, daß schon mehrere von den jüdischen Kriegern aus dem Posenschen, obschon bisher nie in der Kriegskunst geübt, auf den Kampfplätzen, wie bei andern Gelegenheiten, sich wacker ausgezeichnet und dadurch hohe Stellungen erlangt haben, zu denen sie daheim niemals gekommen wären. Es sind seit Kurzem schon mehrere Briefe und Geldsendungen (an arme Eltern und Verwandte) hierher gekommen von jungen Leuten, die jetzt drüben Officiersoderauch Hauptmannsrang einnehmen, und von einem sogar, der es schon bis zum Major gebracht hat. Dieser heißt Louis Grätz und ist aus Deutschen im Kreise Meseritz gebürtig. — Als neueste Neuigkeit ist zu berichten, daß Dr. B. Friedmann, seit 10 Jahren Seelsorger der Gemeinde Nackel bei Bromberg, zum Stadt-Rabbiner von Mannheim gewählt worden, wohin er denn auch schon binnen Kurzem übersiedeln soll. Aus Meseritz ist ebenfalls der bisherige Rabbiner, der bekannte Naehum Streusand, abgegangen, wie der Leumund wissen will — abgegangen worden. Oesterreichischer Kaiserstaat. Aus dem Tokayergebirge, 24. Juli. (Privatmitth.) Gestatten Sie mir, Ihre Aufmerksamkeit auf einen Verein zu lenken, der, obwohl er der Wohlthaten wegen, die er stiftet, einzig und allein dasteht, doch durch seine veralteten Institutionen in der Neuzeit häufig Veranlassung zu den verschiedenartigsten Unannehmlichkeiten gab. Wir maßen uns nicht an Verhältnisse zu kritisiren, die durch ihr Alter bei der Masse geheiligt erscheinen, doch es dünkt uns hart und unzeitgemäß, wenn ein Verein, der sich heilig nennt, Veranlassung zu Streitigkeiten in Gemeinden giebt. Verschiedene vor uns liegende Fälle, die sich sämmtlich in der jüngsten Zeit in unserer Nachbarschaft zutrugen, bestätigen das Gesagte nur allzugenau und machen zeitgemäße Statuten mehr als erwünscht. In Homonna, einer wohlorganisirten Gemeinde, glaubte eine Fraction sich berufen, eine unabhängige Chebra Kadischa zu gründen, und ging selbige schon damit um, einen separaten Friedhof anzulegen, und dieses Alles nur aus der Ursache, weil sich der ursprüngliche Verein weigerte, einige reiche Gemeindeglieder als Mitglieder aufzunehmen. In Lucz, einem Dorfe an der Theiß, verlangte die Chebra Kadischa von einem Nichtmitgliede solch hohe Beerdigungskosten, daß sich selbiges veranlaßt sah, Beschwerde bei dem dortigen Stuhlrichter zu erheben, welcher Zwist denn wieder zu Härten verschiedener Art gegen den Vorsteher der Chebra seitens des Stuhlrichters führte. Wenn wir nun auch die Willkür der betreffenden Organe nimmer billigen und der Stuhlrichter in Lucz keineswegs berechtigt war, den Vorsteher des Vereins in Eisen schmieden zu lassen, weil er eben das Pfand, welches man vor der Beerdigung gegeben, nicht zurückerstatten wollte, so möchten wir doch im Interesse der heiligen Sache und der sich so oft wiederholenden Fälle einen Verein mit zeitgemäßen Statuten versehen wünschen, da fich sonst Härten einschleichen müssen und eine Willkür gegen Nichtmitglieder, die an das Unmenschliche grenzt. Auch sollte nach unserem Ermessen die Chebra Kadischa am allerwenigsten durch chassidische Gaukelspiele chre Einnahmen zu vergrößern suchen und durch Aufftellen ihrer Vorsteher vor dem Friedhofe am allerwenigsten Steuer von jenen erheben, die gekommen sind, au dem Grabe des großen Rebben zu beten. — In Homonna wurde von dem daselbst vor Kurzem verstorbenen christlichen Apotheker der Chebra Kadiscba 200 st. ö. W. hinterlassen, und an diese Liebesgabe die Bedingung geknüpft, daß die Vorsteher dieses Vereins dem Leichenzuge folgen. Vor wenigen Tagen starb in S. A. Ujhelh ein Med. Dr., welcher sein nicht unbedeutendes Vermögen (man giebt es auf circa 30,000 fl. ö. W. an) zu wohlthätigen Zwecken derartig hinterließ, daß Vs des Vermögens der Chebra Kadischa, '/s zur Ausstattung von Bräuten, zum Studium des Gotteswortes rc. und */, 35**