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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-08-25 · Heft 35 (25.8.1863) · p. Seite 540

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 35 (25.8.1863)
Date
1863-08-25
Page
Seite 540 (sequence 10)
Language
German
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540 So hört denn die Existenz des letzten jüdischen weltlichen Gerichts in Deutschland, ja in Europa auf, und hinterläßt ein wahrlich nicht unehrenhaftes Gedächtniß. Es hat sich überlebt, seitdem die Menschen in Europa sich nicht auch in außerreligiösen Angelegenheiten von einander abscheiden mögen. Seine Aufgabe — und wahrlich keine leichte — ist Jahrhunderte lang gewesen, die altentwickelten Rechtsgrundsätze der rabbinischen Welt mit den Verhältnissen der Zeit in Handel, Industrie und Familie in eine leidliche Harmonie zu bringen, und es verdient aufrichtige Anerkennung derer, für die und mit denen es gewirkt hat. Unter den Richtern, die ihm vorgeseffen haben (und die im Grunde doch nur Einzelrichter waren, denn die Rolle der Assesioren war sehr untergeordnet), sind die Rabbis Jonathan Eibeschütz, Jecheskel, Raphael Cohen die berühmtesten; aber an Unparteilichkeit, Gewissenhaftigkeit, Fleiß und gutem Willen stehen sie allesammt unübertroffen da, und unter den Ehrenmännern Israels glanzen ihre Namen fortdauernd. Gebe der Allmächtige, daß die jüdischen Lehrer und Berather neuerer Zeit stets so brav und so tüchtig seien, wie diese Männer es in der ihrigen waren! Eine fast komische Figur spielt bei diesen Vorgängen das Herzogthum Laueuburg. In Dänemark, Schleswig und Holstein sind die Juden gleichberechtigt; aber dort, namentlich in den Städten Lauenburg, Ratze- Lurg rc. darf ein Jude nicht wohnen, ja eigentlich nicht einmal übernachten! Während Renan's Vie de Jesus in Frankreich den Zorn nicht nur der Bischöfe, sondern sogar der Friseurs und Kammerjungfern auf eine Weise reizt, wie sie in Deutschland nur in einen „längst überwundenen Standpunkt" gehört, hält Herr Havet im Augusthest der Revue des 2 Mondes ihm eine Strafrede über seine Gehässigkeit gegen die Juden, da er ihnen sogar dasPlaisir, Jesus als den Ihrigen rechnen zu können, mißgönnt, und über die Kreuzizungsgeschichte pathetisch sagt: „gab es je ein Nationaloerbrechen, so ist dies eins". Herr Havet sollte sich beruhigen, denn Renan's Gehässigkeit soll offenbar nur eine Captation den Römisch-Katholischen gegenüber sein. So pflegen auch bei uns junge Aufilärer unsere orthodoxen Mitbrüder für so dumm Volksschule angestellt werden. Auch wird den Juden ein gesondertes Schulwesen auferlegt, sobald — sie es bezahlen können. R e d a c t. zu halten, daß man sie durch ein wenig Manteltragerei kirren könnte. Falsche Rechnung indeß hüben und drüben! Und den knüppeldicken Rischus, den Ihre Eminenzen brauchen, den sabriciren sie sich selber ohne philosophische Beihülse. Preußen. Guesen, 6. August. (Privatmitth.) Am 15. v. M. wurde in der hiesigen jüdischen Gemeinde zu Ehren des rühmlichst bekannten Dirigenten H. B. Stenzel das fünfundzwanzigjährige Jubiläum seiner edlen und tiefgreifenden Wirksamkeit an der hiesigen jüdischen Schule, welche durch ihn einen großen Aufschwung erfahren, gefeiert. Früh um 6 Uhr brachte der hiesige Regiments-Kapellmeister mit seiner Kapelle aus Achtung und Freundschaft dem Jubilar ein Ständchen. Sodann überreichten ihm seine College« eine Adresse und luden ihn gleichzeitig nach einem recht festlich geschmückten Schulzimmer, wo ihn die Schuljugend in reger Spannung erwartete. Es wurden hier mehrere Lieder gesungen, ferner von der Ersten der Schule ein Gedicht und vom Ersten eine Rede gesprochen, nach welcher letzterer einen Stock mit einem goldenen Knopfe als Ehrengeschenk überreichte. Der Jubilar antwortete in warmer und sinnreicher Rede. Hierauf brachten die Lehrer der evangelischen Schule, der Magistrat, der Schul- und Corporations-Borstand ihre Gratulationen dar. Letzterer beschenkte den Jubilar mit einer sehr kostbaren goldenen Uhr nebst goldener Kette. Es folgten die ehemaligen Schüler und Schülerinnen, deren zusammen gegen sechszig waren. Hr. Dr. Schrimmer verlas im Aufträge der übrigen eine Adresse und überreichte dem Jubilar einen kostbaren silbernen Pokal von sehr beträchtlicher Größe. Auch von auswärts gingen dem Jubilar viele Adressen und Geschenke zu; von seinen Schülern in Bromberg erhielt er eine silberne Dose. — Um 1 Uhr nachmittags fand ein solennes Mahl statt, welches fünf Stunden dauerte. Zu unserer größten Freude haben wir schließlich noch hinzuzufügen, daß der Jubilar durch Befürwortung der Königl. Regierung zu Bromberg in diesen Tagen von Sr. Majestät dem König den Rothen Adlerorden 4.Klasse erhalten hat, eine Auszeichnung, welche in confessioneüer Hinsicht gewiß die möglichste Beachtung verdient.

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